Corona-Lockdown: Heftige Proteste in Rom und Neapel

In Rom gingen hunderte von Restaurantbesitzern gegen die Lockdown Maßnahmen auf die Straße. Es kam zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei. Im ganzen Land regt sich Widerstand gegen das staatlich verhängte Arbeitsverbot.

„Wir sind alle Arbeiter“ sangen die Protestler, schwenkten Italiens Flagge und angebliche Rechtsextreme schleuderten Steine, Flaschen und Rauchbomben beim Zusammentreffen mit der Bereitschaftspolizei. Die Demonstranten forderten die Behörden auf, die ohnehin fragile Wirtschaft des Landes zu öffnen, die während der Pandemie einen monumentalen Rückgang des BIP um 8,9 Prozent verzeichnet.

Auch in Italien herrschte die von der Regierung verhängte „Osterruhe“: alle Restaurants, Bars und Cafés waren bis auf den Mitnahmeservice geschlossen. Die teilweise Lockerung der Covid-19-Beschränkungen in einigen Teilen Italiens beinhaltete nicht die Wiedereröffnung von Restaurants, die voraussichtlich bis Ende des Monats geschlossen bleiben sollen. Seit Anfang April führte das zu heftigem Widerstand seitens der Betroffenen.

In Italien will es mit dem Impfen auch nicht so recht laufen. Dank fehlender Impfdosen sowie einer breiten Impfskepsis seien derzeit nur rund 16 von 100 Einwohnern geimpft, so so MailOnline. Während die Italiener gegen die ständig neuen Sperrungen protestieren, genehmigen sich die Briten seit gestern wieder einen ersten Drink in ihren Bars. Nach vier Monaten Zwangsschließung durften auch Geschäfte, Fitnessstudios und andere „nicht Relevante“ ihre Türen öffnen.

Am Donnerstag erklärte Premierminister Mario Draghi, er hoffe vor Ende des Monats, bestimmte Maßnahmen gegen Covid lockern zu können, wie zum Beispiel die Beschränkungen bei Restaurants, doch er müsse auf neue Gesundheitsdaten warten, bevor er eine Entscheidung treffe.

Die italienische Regierung hat in den letzten 14 Monaten wiederholt weitreichende Einschränkungen verhängt, die zu Begin der ausgerufenen Pandemie im März 2020 noch weitgehend akzeptiert wurden. Doch die Ankündigung erneuter Beschränkungen im Oktober stießen in mehreren italienischen Städten auf heftigen Widerstand seitens der Bevölkerung.

Diese Proteste ließen nach, als die Infektionsraten stiegen, aber die Entscheidung, Schließungen bis in den Frühling hinein zu verlängern, ohne ein festes Datum, an dem sie gelockert werden könnten, führt erneut zu Problemen für die Politik.

Nun soll die italienische Regierung ein neues Konjunkturpaket im Wert von rund 40 Milliarden Euro vorbereiten, um die von der Corona-Politik in die Knie gezwungene Wirtschaft zu unterstützen und zu beruhigen. Die zusätzliche Kreditaufnahme wird wahrscheinlich das diesjährige Haushaltsdefizit auf über 10 Prozent des BIP erhöhen, gegenüber 9,5 Prozent im Jahr 2020, als die Wirtschaft infolge der Corona-Restriktionen um 8,9 Prozent schrumpfte. (MS)