Heino darf nun doch für „deutschen Liederabend“ werben: Schlappe für linke Zensurbüttel

Heino live bei einem Autokonzert letztes Jahr in Bonn (Foto:Imago/FutureImage)

Düsseldorf – Solche eine Debatte kann es auf dem gesamten Erdball definitiv nur in Deutschland geben: Der bizarre Streit darüber, ob der legendäre Schlagerstar ein Plakat mit der Überschrift „Ein deutscher Liederabend live mit Band“ aufhängen darf oder nicht, ist zwar beigelegt. Doch es bleibt mehr als nur Kopfschütteln und ein schaler Nachgeschmack: Dass der Intendant des Düsseldorfer Konzerthauses „Tonhalle“ ernsthaft versuchte, das Plakat als „Hetze“ zu verbieten, zeigt auf besorgniserregende Weise, in welche krankhaften Höhen sich der linke Nationalmasochismus inzwischen geschraubt hat.

Mit zunehmendem zeitlichen Abstand zum Dritten Reich und den beispiellosen Greueln des NS-Terrors sucht sich das wahnhafte Bedürfnis, so etwas wie nachträglichen „Widerstand“ zu leisten, immer neue Ventile und schafft sich immer beklopptere Scheinanlässe. Dass auf dem Heino-Plakat neben dem toxischen Terminus „deutscher Liederabend“ auch noch die schwarz-rot-goldene Flagge abgebildet war (die übrigens als Zeichen der verhassten Demokratie von den Nazis sofort verboten wurde), reichte für „Tonhalle“-Chef“ Michael Becker aus, die Werbung für das Heino-Konzert mit der städtischen Richtlinie „Städtische Räume sind kein Ort für Hetze“ zu begründen, demzufolge „…die Überlassung von Räumen für Veranstaltungen u.a. mit rassistischen, antisemitischen oder antidemokratischen Inhalten abzulehnen“ sei.

Becker scheint sich vom geistigen Horizont, dem offenkundigen Overload an Vorurteilen und seinem holzschnittartigem Geschichtsbild her auf einer Stufe mit dem deutschen Haltungs-Hiphopper Jan Delay zu bewegen, der Heino 2014 in einer österreichischen Zeitung mal eben so, völlig anlasslos und ohne den geringsten Beleg hierfür als „Nazi“ tituliert hatte (und hierfür zu Recht zu 20.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt hatte); damals, am Vorabend der Großen Spaltung von 2015, galten Hetze und Hassrede der Linken sowie inflationär-strunzdummer Missbrauch der Nazi-Keule noch als justiziabel. Heute kann ein städtischer „Kultur-Macher“ mit kurzem Draht zum Milieu linker Staatskünstler auf ähnlichem Niveau mit Dreck werfen und ein völlig legitimes Plakat durch perfide Fehlanwendung städtischer Sonderbestimmungen quasi in rechtsradikale Ecke rücken, ohne sich dafür verantworten zu müssen.

Eine typisch deutsche Geschichte

Der Fall wurde schließlich dadurch bereinigt, dass Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller eingriff, wie „Bild“ berichtet. Keller erklärte, er sehe in dem Plakat „keinerlei nationalistische oder ähnliche Tendenzen“ und teile die Kritik daran nicht; damit war der Fall zumindest offiziell erledigt – auch wenn Intendant Becker uneinsichtig blieb. Das für Herbst (mit Blick auf den anstehenden Hardcore-Lockdown überaus optimistisch) geplante Heino-Konzert darf in der „Tonhalle“ fortan wieder beworben werden, ob es dem Intendanten mit seinen offenkundigen schwarzbraunen Heino-Halluzinationen nun passt oder nicht.

Aber auch der OB konnte es sich natürlich nicht verkneifen, sein nach deutscher Landessitte genuin schlechtes Gewissen durchscheinen zu lassen: „Die sprachliche Ungenauigkeit, dass es ein ‚Abend mit deutschsprachiger Musik‘ und kein ‚deutscher Liederabend‘ sein müsste, sehe ich – wenn überhaupt – als marginal an.“ Wieso, wäre hier zu fragen, „müsste“ (gemeint ist hier: „dürfte“) es bitteschön kein „deutscher Liederabend“ sein? Was wäre daran verwerflich? Ist nun auch schon deutsches Liedgut rassistisch und rechtsextremistisch? In keiner Nation der Welt wäre dies auch nur ansatzweise vorstellbar; in Russland, Frankreich, den USA oder auch China und Thailand würde ein Intendant in einem vergleichbaren Fall geteert und gefedert.

Außer Zweifel steht, dass derartige Anekdoten nur in einem Land möglich sind, dessen Volk drei Generationen nach dem moralischen Tiefpunkt seiner Geschichte schlimmer denn je in seiner Identität gespalten ist, ein neurotischeres Verhältnis zu sich selbst hat und ein irreparabel gestörtes Nationalbewusstsein aufweist. Seine Eliten, Intellektuellen, Kreativen fiebern der Überwindung und Abschaffung der eigenen Kultur, Sprache, Tradition ebenso wie ihrer Geschichte, Gegenwart und Zukunft entgegen – und bis es endlich soweit ist, muss alles aus dem Blickfeld verschwinden, was daran erinnert. Angefangen mit den eigenen Nationalfarben – ob sie auf einem Heino-Plakat auftauchen oder in Gestalt eines Fähnchens auf der Bühne einer politischen Veranstaltung, das die deutsche Bundeskanzlerin angewidert entfernen lässt. (DM)