Australien wird zum Gefängnis: Trotz Impfung keine Grenzöffnung in Sicht

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Der australische Gesundheitsminister sieht offenbar keine Veranlassung, das Land wieder zu öffnen. Auch die Durchimpfung der gesamten Bevölkerung gegen Corona sei kein Grund, die Grenzen wieder aufzumachen, so Greg Hunt. Befürchtungen, daß sich Australien in eine riesige Knast-Insel verwandelt werden laut.

Für den Gesundheitsminister Australiens, Greg Hunt, sind offenbar auch die Übertragbarkeit und die Dauer des Impfschutzes Voraussetzung für eine Rückgabe der Freiheitsrechte an seine Untertanen.

Australien fährt seit Beginn der Pandemie die „Zero Covid“ -Strategie, die auch hierzulande von vielen gewünscht wird. Mit atemberaubend einschränkenden Maßnahmen, die darauf abzielen, das Virus vollständig auszurotten, ist es dem Land gelungen nur 29.437 sogenannte Coronafälle und 910 Tote zu verzeichnen – zu einem hohen Preis.

Nach nunmehr 13 Monaten strengster Beschränkungen und Abriegelungen glauben immer mehr Australier, dass die Regierung das Land in eine „Gefängnisinsel“ verwandelt.

Ein Grund für die nicht absehbare Öffnung des Kontinents ist das langsame Impf-Tempo. Bisher seien laut MailOnline nur 1,2 Millionen Dosen verabreicht worden. Australiens Impfprogramm wird möglicherweise erst weit im Jahr 2022 abgeschlossen sein wird, nachdem die Regierung den AstraZeneca-Impfstoff wegen Blutgerinnung-Folgen nicht mehr für unter 50-Jährige anbietet und nun 20 Millionen zusätzliche Pfizer-Dosen geordert hat, die erst spät in diesem Jahr geliefert werden sollen. So wie es aussieht, stehen den Australiern dank ihrer Politiker noch viele Monate, vielleicht Jahre der Isolation bevor.

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Die Abriegelung des Landes hindert die Australier nicht nur daran, auswärts Urlaub zu machen oder Angehörige zu besuchen, sondern hat auch ein Milliardenloch in der Wirtschaft und eine zertrümmerte Tourismusbranche hinterlassen. Der Widerstand gegen die Isolation wird lauter: „Es heißt im Grunde, wir werden weiter vom Rest der Welt abgeschottet sein. Es ist eine schreckliche Politik. Wie lange können wir noch eine Gefängnisinsel bleiben? Irgendwann müssen wir uns wieder dem Rest der Welt öffnen“, so die Sky News-Moderatorin Rita Panahi.

Der Drang nach Freiheit ist offenbar groß, obwohl die Australier dank ihres „Zero Covid“ -Ansatzes im Gegensatz zu anderen viele Vorteile hatten. Sie konnten innerhalb des Landes reisen, und auch Restaurants, Bars und Veranstaltungen besuchen.

Reiseverbote und Quarantänebeschränkungen wurden relativ schnell verhängt, und die Bevölkerung war im Allgemeinen bereit sich häuslicher Isolation und Abstands-Maßnahmen zu beugen.

Während sich andere Länder weltweit 2020 in einem Auf-Zu-Modus befanden, blieb das Leben in Australien nach der Eindämmung des ersten Ausbruchs größtenteils entspannt und normal. Im Bundesstaat mussten die Einwohner im vergangenen Winter eine viermonatige Sperrung erdulden. In den letzten Monaten gab es einige kurze Lockdowns, die schnell gelockert wurden. Heute können Nachtschwärmer sich wieder auf der Tanzfläche austoben und die  obligatorischen Zwangs-Maskierung gehört der Vergangenheit an.

Doch weil es immer noch mehr als 23 Millionen „Corona-Fälle“ auf dem Planeten gibt, weigert sich Premierminister Scott Morrison die Grenzen wieder zu öffnen: „Es ist derzeit nicht sicher, unsere internationalen Grenzen zu öffnen. Auf der ganzen Welt ist COVID-19 immer noch weit verbreitet. Wir sehen immer noch eine Zunahme der täglichen Fälle, insbesondere in den Entwicklungsländern“, erklärte er am Montag. Auf der ganzen Welt herrsche wegen Covid immer noch eine „sehr gefährliche Situation“.

Auch für die Wirtschaft ist diese starre Abschottung-Haltung seitens der Politik eine Katastrophe. So erwartet der australische Ökonom Chris Richardson, dass Reisen nach Australien möglicherweise erst 2024 das Niveau vor der Pandemie erreichen und geht davon aus, dass die Nachfrage wegen der Quarantänebestimmungen auch im kommenden Jahr schwach sein wird.

In einer katastrophalen Lage befinden sich laut Stranded Aussies ebenfalls fast 40.000 Australier, die im Ausland festsitzen und nicht mehr in ihr Heimatland zurückkehren dürfen. Sie würden durch die Politik quasi staatenlos gemacht, befürchtet ein Mitglied der Organisation, Lucy Morrell, laut MailOnline. (MS)