Facebook sperrte elsässische Stadt Bitsch: Schwachsinnige „Gemeinschaftsstandards“

Irre komisch, skurril oder geradezu drollig mutet diese Geschichte nur für den an, der nicht wenigstens eine leiseste Ahnung von der unfassbaren Zensurwillkür der Social-Media-Krake Facebook hat: Weil die Algorithmen der Zuckerberg’schen Plattform im Namen der elsässischen Stadt Bitsch (französisch Bitche) das englische Schimpfwort „Bitch“ („Schlampe“) erkannten, sperrte Facebook wochenlang die französische Kommune Ville de Bitche. Was sich wie eine harmlose Anekdote liest, beleuchtet ein weit ernsteres Problem.

Denn das, was hier bloß wegen einer harmlosen Doppeldeutigkeit passiert ist und trotz wiederholter Versuche selbst von offizieller Seite, den offenkundigen Fehler zu beheben, wochenlang Bestand hatte, widerfährt tagtäglich hunderttausenden Nutzern: Weil sie etwas angeblich Anrüchiges, Falsches, Unangemessenes oder Strafbares geschrieben haben, wird – auf Verdacht und Meldung von Blockwarten und böswilligen Denunzianten hin oder dank softwaregesteuerter Automatismen – der fragliche Inhalt wegzensiert und sie selbst gesperrt – für von Mal zu Mal längere Zeitintervalle, bis irgendwann die vollständige Entfernung von der Plattform durch Accountlöschung droht.

Revisionsmöglichkeiten gegen die Entscheidung existieren nicht, ebenso willkürlich, wie Facebook zensiert, hebt es seine zumeist auf haarsträubenden Fehleinschätzungen basierenden Entscheidungen auch wieder auf (oft nur, um sie kurz darauf gleich wieder in Kraft zu setzen). Es wirkt wie Launenhaftigkeit – und ist pure Arroganz eines immer weiter wuchernden Konzerns, der von Rechts wegen längst hätte zerschlagen werden müssen. Dass Trump dies nicht gleich 2017 nach Amtsantritt im Oval Office tat, muss rückblickend als eines seiner schwerwiegendsten Versäumnisse seiner Amtszeit gewertet werden – zumal er zum Ende derselben ausgerechnet von Facebook auf Lebenszeit gesperrt wurde.

Das Löschen ist in diesem de facto asozialen Netzwerk zur neuen Normalität geworden: Was immer gegen die ominösen „Gemeinschaftsstandards“ (das Feigenblatt, hinter dem Facebook seine Willkür versteckt) verstößt – ob durch Kritik an den Coronamaßnahmen, angeblich „obszöne“ Bilder sich küssender Männer oder eben einen „verfänglichen“ Ortsnamen – wird wegretuschiert, gekillt, gelöscht. Die Cancel-Culture wurde von Facebook schon lange erfunden, bevor die ersten Kulturmarxisten „Black Lives Matter“ brüllten.

„Digitale Cancel-Culture“ wurde quasi von Facebook erfunden

Und anders als in er Anfangszeit, wo konservative evangelikale Sittenwächter vor allem jegliche „Nacktheit“ reklamierten, sind es heute –  Stichwort Kulturmarxisten – vor allem „woke“ und linksradikale Medienwächter, die die Facebook auf toxische, „rechte“, „populistische“ Beiträge hin durchforsten und diese sodann – zumeist ebenso unbegründet wie unbelegt – mal eben so als „Hetze“ oder „Hassrede“ melden.

Spätestens seit dem Netzwerkdurchsuchungsgesetz prasseln nun täglich Myriaden an Hinweisen und Beschwerden auf die Social-Media-Provider ein und zwingen sie, ihrer gesetzlichen Pflicht zur gewissermaßen „ausgelagerten Drittzensur“ nachzukommen – was dann eben zum Einsatz von Callcentern, outgesourcten „zivilgesellschaftlichen“ NGO’s und privater Löschbütteln oder von KI-Software führt; mit der Folge, dass Facebook zunehmend zu einem Hort geistiger Unfreiheit degeneriert.

Dies kann jedoch keine Entschuldigung sein: Ein sinistrer Milliardenkonzern, dem gratis persönlichste Daten und Metadaten zu fast der halben Weltbevölkerung frei Haus überlassen werden, hat die verdammte Pflicht, sensible Grundrechte zu respektieren und zumindest fallbezogen auf Beschwerden zu reagieren. Ob es sich um Bitche wegen eines Wortspiels handelt oder um die Meinung politischer Dissidenten, ist da völlig sekundär. (DM)