Nach Merz-Spott über Genderwahn: Linksmedien rasten aus

Foto: Friedrich Merz (über dts Nachrichtenagentur)

Die Kulturrevolutionäre sind mal wieder in ihrem Allerheiligsten herausgefordert worden. In der von ihnen wie selbstverständlich reklamierten ausschließlichen Deutungshoheit über die deutsche Sprache. Ex-Unions-Fraktionschef Friedrich Merz gilt deutschen Lagerjournalisten seit jeher als neoliberale Reizfigur, und die Freude über seine zweimalige (und wohl endgültige) Verhinderung als CDU-Chef ist noch nicht verebbt – da bot Merz‘ gestriger Tweet, in dem er die „gendergerechte“ Sprachverbiegungen aufgriff, einen willkommenen Vorwand für die nächste Attacke.

Nachdem er sich zuvor schon auf dem CDU-Nominierungsparteitag im Hochsauerlandkreis ähnlich eingelassen hatte (und anschließend unter anderem vom „Spiegel“ gekreuzigt worden war), hatte Merz gestern auf Twitter unter Anspielung auf die Verhunzung des Deutschen durch Gendersternchen und krampfhafte Gleichmacherei von Sexus und Malus, süffisant höchst ketzerische Fragen gestellt: „Grüne und Grüninnen? Frauofrau statt Mannomann? Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Mutterland? Hähnch*Innen-Filet? Spielplätze für Kinder und Kinderinnen? Wer gibt diesen #Gender-Leuten eigentlich das Recht, einseitig unsere Sprache zu verändern?„.

Sein Tweet traf einen Nerv; binnen kürzester Zeit gab es dafür 5.000 Like-Herzen und Kommentare, die in der Mehrzahl Zustimmung bis Begeisterung signalisierten. Für die in den social-medialen Echokammern heute üblichen Zusammenballungen überwiegend Gleichgesinnter an sich nichts Ungewöhnliches – doch da Politikeraccounts regelmäßig auch von Oppositionellen und Feinden besucht werden (zumal auf dem eher vom linksgrünen Publikum genutzten Twitter), ist dieses Stimmungsbild beachtlich. Zumal der Applaus auch von solchen kam, die ganz offensichtlich ansonsten mit dem CDU-Mann wenig anfangen können, hier aber absolut konform mit ihm gehen.

Verschärfte Meinungsklitterung

Für die publizistische Gegenfront jedoch zählt nur, wer und was ihrer eigenen Denkschule folgt, der Rest wird ausgeblendet – und so stellte es die „Zeit“ dreist dar, als habe sich Merz mit seiner Genderkritik durchweg ins Abseits katapultiert: Er habe „dafür im Netz reichlich Kritik bekommen„, auf seinen Spott hätten „hämische Reaktionen nicht lange auf sich warten“ gelassen. Und die Schere im Kopf sorgte in den Redakteursköpfen dafür, dass nur der gerechte Zorn im Bewusstsein bleibt: „In unzähligen Kommentaren unter dem Tweet wurde Merz aufs Schärfste kritisiert. „Die Autorin Sophie Passmann etwa schrieb: ‚Der Witz war 2008 ganz lustig und damit sind Sie sich selbst im Vergleich zu Ihrem restlichen Weltbild weit voraus.‘ Die Europaabgeordnete Katrin Langensiepen (Grüne) erklärte: ‚Es schMERZt‘.

Wahrlich eine bemerkenswerte Auswahl von Beispielen: Eine von Frank-Walter Steinmeier ausgezeichnete linke Politikwissenschaftlerin aus dem Dunstkreis von Systemkomikern wie Joko&Klaas, die ihre Bekanntheit einer Abrechnung in Buchform mit „alten weißen Männern“ (so auch der Titel) verdankt, übrigens einer methodisch nach woken BLM-Maßstäben klar rassistischen Arbeit, und eine Grünen-Funktionärin: Dass diese politische Richtung über jede Kritik am Genderwahn wutschäumt, ist wenig überraschend. Für die „Zeit“-Meinungsmache gegen „antiprogressive“ Ewiggestrige liefert sie genau die richtigen Quellen. Kein Wunder, dass das Merz-Bashing auch von der szenenimmanenten linken „Fachpresse“, etwa „queer.de„, fast wortgleich geteilt wurde. (DM)