Bereits im Herbst auf dem Markt: Boris Johnson verspricht den Briten Tabletten gegen Covid

(Symbolbild:Oleksiy Mark/shutterstock)

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson zeigt sich ehrgeizig. Er gründet eine „antivirale Einsatzgruppe“. Wissenschaftler und Experten von Pharmaunternehmen sollen bis Herbst Medikamente entwickeln, die jeder im Falle einer Covid-Infektion zu Hause nehmen kann und die ihn vor einem schweren Verlauf bewahren sollen.

Zwar würden bis dahin alle Briten geimpft sein, aber trotzdem möchte man für eine drohende „dritte Welle“ oder neue Virusvarianten, bei denen die Impfung nicht mehr wirken könnte, gewappnet sein und die Krankenhäuser vor einem Patientenansturm bewahren. Wer in Zukunft positiv getestet wird oder mit einem positiv Getesteten zusammenlebt, könne dann mit einer Tablette, die er ein paar Tage einnimmt, die Erkrankung verhindern, so Johnson auf einer Pressekonferenz.

Großbritannien müsse lernen, „mit dieser Krankheit zu leben, wie wir mit anderen Krankheiten leben“, so Boris Johnson laut MailOnline. Wissenschaftler erwarten, dass das Coronavirus weiter zirkuliert und unweigerlich Menschen krank machen und töten wird, so wie es bei der Grippe auch der Fall ist.

Die Regierung befinde sich bereits in Gesprächen mit Pharmaunternehmen über die Entwicklung „vielversprechender“ antiviraler Behandlungen, heißt es. Die Virostatika sollen – wie Antibiotika bei Bakterien – verhindern, daß sich das Virus im Körper weiter ausbreiten kann. Die Hoffnung sei, dass die Entwicklung von Pillen zur Behandlung von Covid zu Hause den Menschen helfen wird, die Krankheit im Keim zu ersticken und die Zahl der Schwerkranken zu verringern, die ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen.

Um welche Medikamente es sich handelt, darüber schweigt das britische Gesundheitsministerium sich noch aus, doch einige Medikamente wurden Covid-Patienten bereits in experimentellen Studien verabreicht Teil der Pläne der Regierung sein.

Favipiravir soll zu den möglichen Kandidaten gehören, ein antivirales Medikament, das in Japan hergestellt und zur Behandlung der Grippe eingesetzt wird. Es wird in Großbritannien in der PRINCIPLE NHS-Studie getestet. Es ist kein neues Medikament, aber es könnte dem britischen Arsenal hinzugefügt werden, wenn Studien zeigen, dass es auch gegen Covid wirkt.

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Ritonavir und Lopinavir, Medikamente zur Behandlung von HIV, werden auch in Großbritannien bei Coronavirus-Patienten getestet. Die bisherigen Ergebnisse seien zwar widersprüchlich, doch weitere Studien seien noch nicht abgeschlossen.

Das US-Unternehmen Romark versucht, die US-Zulassung für sein antivirales Medikament NT-300 zu erhalten, das unter Verwendung einer Chemikalie namens Nitazoxanid hergestellt wurde. Studien zufolge könnte das Risiko schwerer Krankheiten um bis zu 85 Prozent gesenkt werden. Romark führt noch späte Versuche am Menschen mit dem Medikament durch und verwendet bereits eine etwas andere Version davon, um parasitäre Krankheiten zu behandeln.

Molnupiravir, hergestellt von den Pharmaunternehmen Merck und Ridgeback Biotherapeutics, sei weiterhin vielversprechend als potenzielle Behandlung für nicht im Krankenhaus befindliche Patienten, erklärte das Unternehmen nach ihrer Studie in der zweiten Phase. Das ursprünglich gegen Grippe entwickelte Mittel, habe bei Tierversuchen an Hamstern gegen Covid gewirkt und werde derzeit am Menschen getestet.

Auch in Israel setzt man auf die medikamentöse Behandlung.Dort wird derzeit Tollovir von der Firma Todos Medical an Menschen getestet. Laut Todos Medical hätten frühere  Untersuchungen gezeigt, dass das Medikament generell gegen Coronaviren wirken kann und das Potenzial hat, die Schwere von Covid signifikant zu reduzieren.

In Deutschland sind u.a. Forscher der Universität Regensburg auf Medikamenten-Suche. Für die Vermehrung des Coronavirus im Körper ist das sogenannte N-Protein verantwortlich. Man wolle ein Medikament entwickeln, dass das Protein bei seiner Arbeit stört – und somit eine Ausbreitung des Virus in den Zellen stoppt. Die Forscher verzeichnen erste Erfolge, doch die Hoffnung auf einen schnellen Einsatz neuer Medikamente machen sie nicht. Denn da sind sie auf einmal wieder: die erforderlichen Langzeitstudien, die bei den Corona-Impfstoffen, keine große Rolle spielten. „Mindestens fünf bis zehn Jahre dauert die Entwicklung eines Medikaments in jedem Fall“, so Projektleiter Gernot Längst laut Merkur und bremst jede Euphorie aus.

Hierzulande setzt man lieber auf Angst und die unbewiesene Wirkung von immer härter werdenden staatlichen Maßnahmen inklusive all ihrer „Kollateralschäden“. Da wäre ein Licht am Ende des Tunnels eher kontraproduktiv. (MS)