Kliniken am Limit? Deutschland ist wieder die Intensivstation Europas

Alarmstufe Rot - wieder mit leeren Betten? (Symbolbild:Imago/pacificpress)

Preisfrage in Pandemiezeiten: Wohin mit Covid-Patienten aus einem EU-Land, dessen heillos überfordertes Gesundheitssystem kurz vor dem Kollaps steht? Antwort: Natürlich nach Deutschland, das nicht nur für alles und jeden sprichwörtlich „Platz hat“ und alles „schaffen“ wird, sondern den Gedanken der europäischen Solidarität so weit auf die Spitze treibt, dass es für Corona-Hilfen zugunsten Südeuropas die volkswirtschaftliche Leistung von Generationen opfert und sogar die Impfstoffversorgung der eigenen Bevölkerung einer europäischen „Lösung“ unterordnet. So kommt es, dass derzeit vor allem Covid-Intensivfälle aus Belgien, aber auch aus Frankreich, Holland, Dänemark, Polen und Tschechien in erheblicher Zahl auf Intensivstation in Deutschland liegen. 

Dieses Deutschland beklagt zwar – dem unermüdlichen Panikcrescendo seiner Politiker und Leitmedien zufolge – ein ebenfalls angeblich heillos überfordertes Gesundheitssystem, das kurz vor dem Kollaps steht. Seine Intensivstationen sind nach offizieller Darstellung sogar derart am Limit, dass doch gerade ein beispielloses Freiheitsberaubungsgesetz samt nächtlichen Ausgangssperren in Kraft getreten ist und noch weit schwerwiegendere Grundrechtseinschränkungen beinhaltet (bis hin zur Aufhebung des Brief- und Postgeheimnisses übrigens, wie jetzt erst bekannt wurde, offenbar sogar zur Überraschung der Jasager-Abgeordneten im Bundestag). Doch plötzlich hat dasselbe Deutschland dann reichlich Kapazitäten frei, um – wie schon letztes Frühjahr – wieder massenweise Intensivpatienten aus anderen Ländern einzufliegen und hier zu behandeln?

Soviel zunächst zur Klarstellung: Vom humanitären Standpunkt her, unter partnerschaftlichen Aspekten, ist dies eine große Geste und rundum zu begrüßen – würde sich damit die deutsche Krisenpolitik jedoch selbst widersprechen und ad absurdum führen. Die schiere Tatsache zur Aufnahme von Intensivpatienten aus dem Ausland zeigt nämlich, dass die Situation definitiv nicht so existenziell bedrohlich war und ist, wie uns seit Wochen weisgemacht wird. Die einzige Alternativerklärung wäre ansonsten nämlich die, dass der Bundesregierung die Behandlung und damit das Leben von Ausländern wichtiger als das der eigenen Bevölkerung.

Ein Fall von Hochverrat

Eine dritte Erklärung gibt es nicht und vor diesem Hintergrund steht der Vorwurf des Verrats im Raum, ja eines regelrechten Hochverrats der Regierung am eigenen Volk: Entweder hat sie Grundrechte in beispielloser Weise unter Proklamation eines Gesundheitsnotstands unter Vorspiegelung falscher Tatsachen außer Kraft setzen lassen – oder sie nimmt wissentlich und vorsätzlich in Kauf, dass die medizinische Versorgung deutscher Bürger verzögert und nachrangig erfolgt (womit sie Frage der „Triage“ bereits politisch über die Staatsangehörigkeit beantwortet hat). Also entweder Lüge oder Auslieferung.

Die Frage birgt insofern höchste Brisanz, als ausgerechnet Belgien (dem Deutschland gestern „unbürokratisch“ die Aufnahme von Patienten zusagte, nachdem dort mindestes 82 High-Care-Betten zur Versorgung aller akuten Fälle fehlten) nicht nur in der Pandemie und davor schon eine sträfliche Unterversorgung mit Intensivbetten aufweist, sondern paradoxerweise einen Lockerungskurs fährt, der das genaue Gegenteil der deutschen Linie darstellt: Ungeachtet der Lage in den Krankenhäusern hält die Regierung von Ministerpräsident Alexander De Croo nämlich an den für Anfang Mai geplanten weiteren Öffnungsschritten fest, wie der „Spiegel“ schreibt. So dürfen ab nächste Woche dort Restaurants und Cafés im Außenbereich wieder öffnen, und auch im Geschäftsleben kehrt Normalität zurück. Ausgangssperren gibt es keine.

Die gibt es dafür umso schärfer in Deutschland. Andere EU-Länder machen sich frei und „lockern“ eifrig, während das deutsche Gesundheitssystem für sie den Notnagel spielt und ihnen „solidarisch“ seine Intensivstationen öffnet, die doch angeblich so katastrophal überlastet sind, dass sich die obrigkeitshörigen Angstbürger bereitwillig ab 22 Uhr im Sommer zuhause einsperren lassen. Nicht für unsere eigenen Beatmungsfälle, sondern für die aus dem Ausland machen wir hier also gerne alles dicht. Mit diesen Deutschen kann mans offenbar machen – und jedes Volk hat genau die Regierung, die es verdient. (DM)