Villa zum Schnäppchenpreis? Spahns goldenes Immobilien-Händchen

Der Mann mit dem goldenen Finger (Foto:Imago/Heinrich)

Der rund ein Jahr zurückliegende Kauf der Dahlemer Nobelvilla durch das Ehepaar Jens Spahn und Daniel Funke sorgt weiterhin für offene Fragen. Nun nährt ein mit der Berliner Immobilienszene bestens vertrauter Personenkreis erneute Spekulationen, dass das hippe Ehepaar – er/sie Gesundheitsminister, sie/er Medienlobbyist – das Anwesen zu offenbar extrem vergünstigten Konditionen erwarb. Unklar bleibt, ob hierbei besondere Beziehungen eine Rolle spielten, ob das Paar „geschickt verhandelt“ hat – oder einfach nur Glück hatte.

Im Netz kursierten am Wochenende Meldungen, wonach die Spahn-Villa in Dahlem mit 300 Quadratmetern Wohnfläche 4,125 Millionen Euro extrem unter Wert über den Tisch ging. Referenz und Vergleichsgrundlage für diese Mutmaßung bilden auf einschlägigen Immobilienportalen und Maklern aufgerufene Preise von Objekten in ähnlicher Lage, die deutlich höher liegen. Die Diskrepanz ist so groß, dass sie zumindest eine plausible Erklärung für Jens Spahns vehemente (letztlich jedoch gescheiterten) Versuche liefern, die Veröffentlichung des Kaufpreises gerichtlich unterbinden zu lassen und gegen Journalisten, die zu dem Immobiliengeschäft recherchierten, anwaltlich vorzugehen.

Die zuletzt in den 1950er Jahren generalsanierte Villa samt Nebengebäude und großzügige Garage soll von einem Grundstück von 1.300 Quadratmeter umgeben sein, die tatsächliche Fläche könnte allerdings – überschlägigen Berechnungen nach Geodistance und Google Earth – noch größer sein. Für sie also haben Spahn & Funke 4,125 Millionen hingeblättert – eine stolze Summe, doch verglichen zum Marktwert offenbar ein Schnäppchen. So finden sich nämlich auf dem Portal Immoscout einige derzeit verkäufliche sonstige Filet-Grundstücke in derselben Gegend; sie weisen jedoch erstaunlich höhere Preisvorstellungen auf.

Filetstücke deutlich teurer

So werden für ein ebenfalls 1.300-Quadratmeter-Objekt 5,6 Millionen aufgerufen, außerdem für eine Villa plus 1.000 Quadratmeter Grund ebenfalls 4,125 Millionen (dieselbe Summe wie bei Spahn für das mindestens 1,3fache). Eine Gründerzeitvilla mit 880 Quadratmeter Fläche kostet 5,3 Millionen, eine weitere mit 720 Quadratmetern 3,3 Millionen, und ein Einfamilienhaus mit 300 Quadratmeter Gesamtfläche immerhin 1,5 Millionen Euro. Die Relationen stimmen nicht.

Wie Kommentatoren im Netz anmerkten, errechnet sich seit aus den angegebenen Angeboten ein ungefährer Mittelwert von durchschnittlich 4.150 Euro pro Quadratmeter inklusive Bebauung. Geht man von einem marktüblichen Verhandlungsspielraum von großzügigen 20 Prozent aus, so landet man immer noch bei mindestens rund 3.300 Euro pro Quadratmeter, plus noch einige Kosten für das Gebäude und etwaige Sanierungskosten. Wenn man, wie im Fall der Villa Spahn angemessen, noch von einem Zuschlag wegen der parkähnlichen Gesamtanlage ausgeht, kommt man allerdings auf deutlich mehr.

Völlig am Markt vorbei

So oder so: Ein realistischer Preis läge deutlich höher, mindestens in der Größenordnung von 1 Million Euro. Was Spahn/Funke hinlegten, dürfte laut Aussagen der Makler hinter vorgehaltener Hand „nicht einmal in Kleinmachnow für ein Objekt dieser Größe und Qualität reichen“. Selbst dort, in einer Berliner Vorstadt also, bekäme man für 4,125 Millionen nichts als einen feuchten Händedruck.

Ein Kommentar auf Facebook zur Villa-Affäre im Lichte dieser neuen Erkenntnisse lautete vorgestern: „Was passiert bei jedem Normalsterblichen, der offenkundig weit unter Marktpreis eine Immobilie kauft oder verkauft: Am nächsten Tag bekommt man Besuch von der die Steuerfahndung. Normalerweise…„. Doch wir wollen nichts unterstellen: Dieser Spahn hat einfach ein goldenes Händchen. Das hat er ja bereits beim Kauf seiner Luxusimmobilie in Schöneberg unter Beweis gestellt, die er ebenfalls deutlich unter Marktwert erstand – und deren Verkäufer er später bei annähernder Gehaltsverdopplung zum Geschäftsführer einer Bundes-GmbH machte. Hier läuft also alles ganz korrekt; kein Zweifel! (DM)

 

UPDATE: In einer früheren Version dieses Artikels war unter Verweis auf Netzquellen fälschlicherweise von einer Adresse am Finkenweg sowie einer Grundfläche von 5.400 Quadratmetern die Rede gewesen. Dabei handelte es sich jedoch NICHT um die Villa Spahns/Funkes. Wir bitten das Versehen zu entschuldigen.