Wird oft übersehen: Bundesaußenminister Heiko Maas

Wird oft übersehen: Heiko Maas (nicht im Bild ) - Foto: Autor

Ein kleiner Meister der linkspopulistischen Gefälligkeitsrede ist der Bundesaußenminister. Dieser Tage fand er freundliche, aber sehr bestimmte Worte für den Umgang der Großmacht Deutschland mit der Volksrepublik China und den Vereinigten Staaten von Amerika. Dafür wird er bewundert.

von Max Erdinger

Seit Heiko Maas vom Bundesjustizminister zum Bundesaußenminister geworden ist, wurde es etwas still um ihn. Man hört und sieht kaum noch etwas von ihm. Die Nachrichtenagentur dts hat einmal nach dem Rechten gesehen und wurde fündig. Heiko Maas redet noch.

Die Nachrichtenagentur berichtet, Heiko Maas habe die deutschen Beziehungen zu den USA als „hervorragend“ bezeichnet. Joe Biden habe Wort gehalten: „America is back„, soll er dem Nachrichtenportal T-Online gegenüber geäußert haben. Auf Deutsch: Amerika ist zurück. Nicht zurückgeblieben oder zurückgefallen, sondern einfach zurück. Dabei handle es sich nicht nur um einen Slogan, fügte der gern übersehene Bundesaußenminister an, dessen Worte doch so viel Gewicht hätten, würden sie nur öfter gehört werden. „Ganz konkret in der Außenpolitik“ erlebten wir – wer wir? – daß Amerika zurück sei, so der ganz konkrete Saarländer. Bei allen großen politischen Linien sprächen „wir“ wieder mit einer Stimme. Er muß also „zurück“-geblieben gemeint haben. Zurückgeblieben muß man nämlich sein, um mit einer Stimme über „russische Provokationen„, das „Einstehen für Menschenrechte weltweit“ und den „globalen Kampf gegen den Klimawandel“ zu sprechen – kampf, kämpfer, am globalkämpfigsten.

Heiko Maas: „Mit Tony Blinken, dem neuen Außenminister, habe ich gefühlt schon mehr gesprochen als mit seinem Vorgänger während dessen ganzer Amtszeit.“ Mit gefühlten Gesprächen ist es so eine Sache. Ob er tatsächlich mit dem amerikanischen Außenminister gesprochen hat, kann man daher nicht wissen. Womöglich hat sich Heiko Maas auch schon einmal gefühlt wie ein Zwei-Meter-Hüne, der 120 Kilo auf die Waage bringt. Welchenfalls die Realität sein Gefühl widerlegt hätte. Jedenfalls seien es „aufrichtige und konstruktive“ Gespräche gewesen, die er mit dem amerikanischen Außenminister Tony Blinken gefühlt habe, selbst dann, wenn man mal nicht einer Meinung gewesen sei. Mit „man“ meinte er vermutlich „wir“.

Als wichtigste Entscheidung in den ersten 100 Tagen von Bidens Präsidentschaft sei die Rückkehr der USA in das Pariser Klimaabkommen zu erfühlen, so Maas. Ich bin mir sicher, daß er „zurückgeblieben“ gemeint haben muß, weil Trumps Ausstieg aus jenem gefühligen Abkommen weithin als Fortschritt begriffen worden war. Heiko Maas: „Wir haben jetzt endlich wieder eine US-Regierung …“ – und da braucht es nicht viel Gefühl, um zu erkennen, daß er ganz richtig erkannt hat, was „wir“ endlich wieder haben – „… die im Kampf gegen den Klimawandel vorangeht„. Einstimmig, nicht einbeinig. Zur „Rivalität“ mit Peking – die gemeine Fruchtfliege ist bekanntlich der Rivale des Elefanten – sagte der Außenminister ganz konkret: „China ist und bleibt die absolute Priorität der amerikanischen Außenpolitik. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die Partner. Aber die Biden-Regierung setzt dabei nicht auf Erpressung, sondern auf Kooperation. Die Biden-Regierung hat eine Beschreibung übernommen, die wir in der EU schon länger verwenden: China ist gleichzeitig Partner, Wettbewerber und Systemrivale.“ – Bumm. Es ist wirklich erstaunlich, was diese roten Saarländer alles zugleich sein können, Europäer, die sie gleichzeitig sind. Kämpferisch gefühlt. Der Partner als Wettbewerber und Rivale also. Es kristallisiert sich allmählich heraus, was Maas mit „zurück“ gemeint haben muß: Die USA sind zurückgekommen in die Zurückgebliebenheit, von wo aus sie nun kämpferisch vorangehen. Wohin? – Schwierige Frage. „Voran“ eben. Noch weiter zurück in die Zukunft wahrscheinlich. Mit absoluter Priorität, nicht mit relativer oder gar sekundärer. Es handelt sich auf jeden Fall um einen gefühlten Fortschritt.

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Der Bundesaußenminister über das deutsch-amerikanische Brauchtum: Man brauche Zusammenarbeit bei Themen wie Klima oder der Pandemiebekämpfung, für die es nur globale Lösungen geben kann. So steht es in der Agenturmeldung. Das war ganz klar eine Auforderung zum gefühligen Selberdenken. Was genau sind „Themen wie Klima und Pandemiebekämpfung“? – Fußpilz und Gulaschsuppe vielleicht? Und dann das noch: „Gleichzeitig müssen wir China gemeinsam die Stirn bieten, wenn es um schwere Menschenrechtsverletzungen wie in Xinjiang und die Entwicklungen in Hongkong geht.“ – Tja, da werden „wir“ oder „man“ hoffen müssen, daß sich Xi Jinping die gemeinsame Stirn ganz konkret bieten lassen wird, weil sonst gefühlt Essig ist mit der partnerschaftlichen Rivalität. Hoffentlich fällt Heiko Maas nicht noch ein, daß er die Verletzung von Menschenrechten in ganz China einstimmig mit Joe Biden thematisieren könnte. Aber edelmütig ist das schon, daß Heiko Maas lieber den Chinesen partnerschaftlich die gemeinsame Rivalenstirn bieten will, als, sagen wir, den Iranern. Wegen der Menschenrechte und dem voranschreitenden Kampf unserer amerikanischen Regierung gegen dieselben. Entschuldigung: „für“. Stirn. Im Vergleich zu China wären die Iraner nämlich ganz konkret wehrlos gegen Maas und die Einstimmigkeit.

Was es aus der Agenturmeldung zu lernen gibt, ist gefühlt das folgende: Ein großer Geist findet auch Platz in einem kleinen Menschen. Und: Wer seine amerikanische Regierung im einstimmigen Partnerkampf der Rivalen und sogar der Wettbewerber vorangehen läßt, nachdem er gefühlt mit dem Außenminister seiner Regierung gesprochen hat, ist ganz konkret ein großer Geist. Lang lebe Heiko Maas in Deutschland. Kurz lebt schon in Österreich. Helau.