Französische Ex-Generäle warnen vor Bürgerkrieg – und halten Eingreifen des Militärs für möglich

Französische Soldaten (Foto:Imago/Becker+Bredel)

Wann werden sich auch in Deutschland führende Militärs aus der Deckung wagen und solche deutliche Töne anschlagen? In Frankreich haben sich nun Ex-Generäle mit einem eindringlichen Appell zu Wort gemeldet, weil sie die Nation und Gesellschaft in höchster Gefahr sehen. Allerdings handelt es sich auch hier wieder nur um bereits ausgeschiedene Funktionäre, keine noch im Dienst stehenden; ein Phänomen, das wir auch hierzulande kennen. Dennoch ist die Botschaft beunruhigend.

Die Generäle a.D. und eine große Zahl französischer Offiziere fordern Staatspräsident Emmanuell Macron darin auf, die Ehre Frankreichs und seiner Institutionen sicherzustellen und den französischen Patriotismus zu stärken. Auf Initiative des einstigen Stabschefs Jean-Pierre Fabre-Bernadac hin unterzeichneten rund zwanzig Generäle, einhundert hochrangige Offiziere und mehr als tausend pensionierte Berufssoldaten den vom konservativen Politmagazin „Valeurs actuelles“ dokumentierten Aufruf, der mit den Worten beginnt: „Die Stunde ist ernst, Frankreich ist in Gefahr, mehrere tödliche Gefahren bedrohen es. Uns, die wir auch im Ruhestand Soldaten Frankreichs bleiben, kann unter den gegenwärtigen Umständen das Schicksal unseres großen Landes nicht gleichgültig bleiben.

Angeprangert wird die Cancel-Culture im Namen des sogenannten „Antirassismus“, der Spaltung und Hass erzeugt und einen „neuen Rassenkrieg“ heraufbeschwört, getragen von „hasserfüllten und fanatischen Anhängern„, die Frankreich, seine Traditionen und seine Kultur verachten und seine Auflösung propagieren, indem man ihm „seine Vergangenheit und seine Geschichte wegnimmt“. Zudem prangern sie „Verschwörungen“ von Islamisten und gewaltbereiten Parallelgesellschaften in den Vorstädten an, um rechtsfreie und verfassungsfeindliche Zonen zu schaffen; ein Unding, denn: „Es kann und darf keine Stadt oder Nachbarschaft geben, in der die Gesetze der Republik nicht gelten!“.

Mit Blick auf die bestialische Ermordung von Samuel Paty heißt es weiter: „Wer hätte noch vor zehn Jahren für möglich gehalten, dass in Frankreich eines Tages ein Lehrer nach dem Verlassen des Schulkollegs auf offener Straße enthauptet wird?“ Die Unterzeichner des Appells warnen vor einer zunehmenden Gewalteskalation und vor einem drohenden Bürgerkrieg mit tausenden von Toten.

Subtile Warnungen an die Truppe

Auch gegen die Diskriminierung der eigenen Bürger erheben die Militärs ihre Stimme: Hass habe bei Demonstrationen Vorrang vor dem Prinzip der Fraternité, der Brüderlichkeit, indem die Behörden die Polizei als Stellvertreter und Sündenböcke gegen Demonstranten für Freiheitsrechte und Franzosen in gelben Westen einsetzten, die nichts weiter täten, als ihre Verzweiflung zum Ausdruck zu bringen.

Wie eine unterschwellige Handlungsempfehlung an die aktiven Streitkräfte liest sich das Fazit des Aufrufs: „Es ist daher unerlässlich, dass diejenigen, die unser Land regieren, den Mut finden, diese Gefahren auszurotten. Um dies zu erreichen, reicht es oft aus, bestehende Gesetze ohne Schwäche anzuwenden…. Wenn andererseits nichts unternommen wird, wird sich die Ohnmacht weiterhin unaufhaltsam in der Gesellschaft ausbreiten und letztendlich in eine Explosion der Gewalt münden, die das Eingreifen unserer aktiven Kameraden zum Schutz unserer zivilisatorischen Werte und zum Schutz unserer Landsleute auf dem nationalen Territorium zur Folge haben könnte.“ (DM)