Größenwahn trotz Krise und Lockdown: Jetzt rettet Deutschland auch noch Indien vor dem Virus

Coronapatienten vor einem Hospital in Kalkutta (Foto:Imago/ZUMAWire)

Was am Vorabend von Corona die medizinischen Hilfslieferungen an China und im ersten Lockdown dann die Nothilfen für europäische Nachbarländer durch Aufnahme von Intensivpatienten waren, das setzt sich jetzt, im bereits ein halbes Jahr laufenden Dauerlockdown, erneut fort. Neuestes Ziel des deutschen Weltenrettungswahns: Indien. Selbst der Subkontinent mit über 1,4 Milliarden Einwohnern ist für den grenzenlosen deutschen Helferkomplex nur ein Klacks – wir schaffen auch das! Bei soviel gelebter globaler Solidarität verdrängt der gemeine moralische Herrenmensch dann sogar, dass zur selben Zeit die eigene Bevölkerung doch gerade deshalb eingesperrt ist (und die Wirtschaft hierzulande weiter ruiniert wird), weil wir doch angeblich selbst vorm systematischen Kollaps des Gesundheitssystems stehen…

Doch wie üblich interessiert die Politik das Los der eigenen Bevölkerung, die Zukunft des eigenen Landes einen feuchten Kehricht, wenn sich doch zugleich die Möglichkeit bietet, die endlose Leistungs-, Hilfs- und Rettungsbereitschaft Deutschlands vor der Weltgemeinschaft zu beweisen. Erst die anderen, dann wir – oder das, was von uns noch übrig ist. Es gibt dabei nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir haben die Kapazitäten und Ressourcen für diese Indien-Hilfe – dann sollten sie zu allererst und schleunigst im eigenen Land eingesetzt werden, um die Situation zu beseitigen, mit der ein unerträglicher Ausnahmezustand samt Ausgangssperren und Grundrechtsaushebelung gerechtfertigt wird. Oder wir haben sie nicht, was zwingend und konkret bedeutet, dass die Regierung Menschenleben im eigenen Land gefährdet, um die in einem 8.000 Kilometer entfernten Schwellenland zu retten. In Deutschland taugt das eigene Leiden und Krepieren der Bevölkerung gerade noch zum Popanz, um uns ad infinitum einzusperren.

Es ist wie bei der Flüchtlingsaufnahme inmitten der Pandemie: Wem die inszenierte Indien-Hilfe ausgerechnet in der jetzigen Situation nach christlicher Morallehre oder ethisch geboten erscheint, der muss sich wie so oft auch hier wieder den Vorwurf der Heuchelei und grotesken Wahrnehmungsverzerrung gefallen lassen. Auch ganz ohne Corona sterben in Indien täglich weit über 30.000 Menschen. Und wenn denn jemals vor der Pandemie ein vergleichbares mediales Interesse wie jetzt an der sozialen und gesundheitlichen Situation dieses Landes bestanden hätte (was eben nicht der Fall war), dann hätte man auch früher schon an Seuchen, Trinkwasserverunreinigungen, Chemieunfällen und sogar Unterernährung sterbende oder auf den Straßen kollabierende Menschen filmen und die gewünschten Horrorbilder in die Wohnzimmer der deutschen Wohlstandsbetroffenen schicken können. Aber niemand, außer Zuschauer des Discovery-Channels oder von Arte, interessierte sich hierzulande bislang für das Los totgeprügelter junger Männer, vergewaltigter oder zwangsverheirateter Frauen, verschleppter und zur faktischen Sklavenarbeit gezwungener Kinder in Indien, oder die oft entwürdigenden Auswirkungen des Kastensystems vor allem in den rückständigen und ländlichen Bundesstaaten des Subkontinents.

Bergamo goes India

Jetzt aber plötzlich, nachdem das Pandemie-Schlaglicht binnen weniger Wochen von Brasilien nach Indien switchte, wird das inszenierte Fern-Entsetzen ausgebeutet und zum Politikum gemacht; erstaunlicherweise während hier plötzlich niemand mehr von den angeblich doch überlasteten Kliniken redet. Es ist so, als würde das angebliche Infektionsgeschehen in Indien das emotionale Argument liefern, warum wir in Deutschland unbedingt im Lockdown verharren müssen. So drängt der deutsche Botschafter in Neu-Delhi, Walter Lindner, neben Masken und Medikamenten auf rasche Sauerstofflieferungen für Corona-Infizierte aus Deutschland: „Jeder Tag zählt!„. Die ersten Transporte sind bereits angelaufen. Randbemerkung auch hier: Wieso sind dem deutschen Botschafter die Defizite des erbarmungswürdigen indischen Gesundheitssystems erst jetzt aufgefallen, im Zusammenhang mit Corona auf, und noch nie in früheren Jahren, wo diese ebenfalls alljährlich für Millionen vermeidbare Tote verantwortlich waren; Menschenleben, die bei damals schon erflehter entsprechender Hilfe aus dem Westen ebenfalls hätten gerettet werden können?

Es geht hier eben einmal mehr um Panikmache, und der „Bergamo-Effekt“ wird nun anhand des nächsten Drittweltlandes repetiert: „Es gibt Situationen, wo Menschen auf den Straßen vor den Krankenhäusern ersticken, weil sie abgewiesen wurden, auch weil aktuell zu wenig medizinischer Sauerstoff verfügbar ist„, so Lindner zum Bonner „General-Anzeiger„. Indien brauche jetzt vor allem Atemgeräte. Von denen hatte Deutschland übrigens bis vor kurzem soviel über, dass Jens Spahn im vergangenen Sommer in großer Zahl neue Bestellungen stornierte – und die ganz zu Beginn der Pandemie (in Erwartung des hunderttausendfachen Massenerstickens hierzulande) georderten Einheiten großzügig gleich wieder verschenkte. Nun fehlen sie – und falls nicht, dann stellt sich abermals die bereits genannte Frage, weshalb wir dann eigentlich im Lockdown sind, wo unsere Intensivmediziner und Pfleger doch angeblich am Hyperlimit stehen?

Dass die realen Zahlen sowohl an Neuinfektionen in Indien – in der Gesamtrelation betrachtet – bei weniger als der Hälfte der gegenwärtigen deutschen Inzidenzen liegen, dass auch die Zahl der Verstorbenen bei einem Volk mit der 16-fachen Bevölkerung der Bundesrepublik, bei aller Würdigung des tragischen Einzelfalls, ein marginales Randphänomen ist, sei einmal beiseite gelassen. Auch dass im überwiegend hinduistischen Indien Feuerbestattungen und damit auch „der Rauch der Krematorien“ eine ganz andere Verbreitung als in der westlichen Hemisphäre erfahren und deshalb entsprechende Berichte grotesk irreführend sind: Geschenkt.

Deutschland verharrt im Lockdown, aber hilft der ganzen Welt

Viel erhellender wäre da doch vielleicht die Frage, wieso eigentlich erst seit kurzem und ganz plötzlich neuerdings Menschen (wie in Smartphoneclips weltweit wild herumgeschickt und mit passenden Erzählungen ausgeschmückt) „auf den Straßen kollabieren“ oder „tot umfallen„. Um ein typisches Krankheitsbild von Sars-CoV2 in jeder seiner bislang bekannten Mutationen kann es sich dabei jedenfalls nicht handeln  – ansonsten hätte uns Karl Lauterbach von dieser Symptomatik sicher schon berichtet. Wahrscheinlicher ist hier deshalb eine andere Todesursache. Vielleicht die Impfungen? Auf den ketzerischen Gedanken, dass die plötzlich spontan auftretenden Fälle womöglich ja im Zusammenhang mit in Indien – neben Biontech/Pfizer und Astrazeneca ebenfalls verabreichten – experimentellen Vakzinen stehen könnten, scheint bislang jedenfalls niemand kommen zu wollen.

Noch nicht einmal die gebührenfinanzierten Mainstreammedien bemerken diesen logischen Bruch der eigenen Berichterstattung: Noch vier drei Wochen lobten sie die indische Corona-Impfkampagne (inzwischen sind dort 120 Millionen Menschen geimpft) über den grünen Klee; die ARD-„Tagesschau“ bescheinigte dem „ehrgeizigen Projekt“ am 1. April, im Eiltempo nun 300 Millionen über 45-jährige Menschen durchzuimpfen, es laufe „bisher überraschend reibungslos„. Jetzt am Sonntag dann, drei Wochen später, hörte sich die „Tagesschau„-Berichterstattung zu Indien ganz anders an: „Ein Höchststand nach dem anderen – Indien meldet den vierten Tag in Folge einen neuen Höchstwert bei den Neuinfektionen. Die Krankenhäuser sind am Limit!„. Dem geneigten Zuschauer, vor allem hier in Deutschland, kommt dies irgendwie vertraut vor. Einen möglichen Zusammenhang mit der Impfung, der sich zumindest zeitlich aufdrängen würde, wollen die Staatsfunker freilich nicht vermuten. (DM)