Propaganda im Endstadium: „Impf-in-den-Mai“-Party im Bierzelt mit DJ

Man meint ja, in dieser Pandemie inzwischen schon alles Erdenkliche gesehen zu haben und es könnte nicht mehr irrer werden… doch da kommt schon die nächste von Realsatire nicht mehr unterscheidbare Meldung herein: In Karlsberg, im oberbayerischen Landkreis Dachau, hieß es statt dem üblichen „Tanz in den Mai“ gestern Abend „Impf in den Mai“.

Die vom Landkreis, dem lokalen Impfzentrum und den Johannitern e.V. organisierte Party mit eigens engagiertem DJ „lockte“ mit der unbürokratischen anmeldungsfreien Impfung – auf dem Angebot stand diesmal der Astrazeneca-Ladenhüter Vaxzevria – vor allem jene Bevölkerungsgruppen, die sich außerhalb der Priorisierungsliste und ohne Registrierung eine schnelle Immunisierung gönnen wollten. Entsprechend viele jüngere Interessenten fanden sich ein. „Gute Musik hier!“, befand einer.

Statt – wie noch bis 2019 üblich – zünftig und ausgelassen in den Maifeiertag hineinzufeiern und dabei mit Freunden gerne auch mal einen über den Durst zu trinken, gierten gestern kerngesunde Menschen aller Altersstufen nach ihrem goldenen Schuss. Propagandistisch wurden sie angefeuert von Dachaus CSU-Landrat Stefan Löwl, der den angereisten TV-Reportern von „n-tv“ frenetisch ins Mikrofon rief: „Der Impfstoff muss in den Arm!“

„Der Impfstoff muss in den Arm!“

Mit eigens gebrandeten Lebkuchenherzen und teilweise im Dirndl-Look hatten die Partygäste schon am frühen Abend hunderte Meter weit angestanden, um das Spontanangebot zu nutzen. Denn nachdem mittlerweile sieben Bundesländer Erleichterungen und Lockerungen für Geimpfte angekündigt haben (in Bayern stehen Immunisierten unter anderem bereits „testfreie“ Friseurtermine offen), ist der Andrang auf die erlösende Spritze besonders groß – selbst wenn Astrazeneca drin ist.

Rund 1000 Impfwillige waren es am Ende, die diese zeitgeistkonforme und zum kollektiven Irrenhaus Deutschland passende Maiparty besuchten – und glücklich geimpft, mit brennendem Arm und goldenem Herzen, den Nachhauseweg antraten. Derweil werden „Södolf“ Söders Impf-Einpeitscher immer kreativer, um die Kampagne im Freistaat voranzubringen: Mittlerweile fährt ein eigenes „Impfmobil“, ein Bus voll mit Astrazeneca-Dosen, quer durchs Land und macht Jung & Alt „glücklich“. (DM)