Israel: Mehrheit der Eltern will das eigene Kind nicht als Impfversuchskaninchen zur Verfügung stellen

Impfung (Symbolbild: shutterstock.com/Von VidEst)
Impfung von Minderjährigen (Symbolbild: shutterstock.com/Von VidEst)

In keinem Staat wurden im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße bisher so viele Impfdosen gegen Covid-19 verabreicht. Nun sollen, obwohl die Infektionszahlen niedrig sind, auch Kinder geimpft werden. Doch viele Eltern sind verunsichert. Und manche Ärzte sind skeptisch, ob Impfungen für Kinder sinnvoll sind.

Israel impft, was das Zeug hält. Bereits frühzeitig hatte das Land Verträge mit der deutsch-amerikanischen Unternehmenskooperation Biontech/Pfizer abgeschlossen. Die Israelis fugieren seither als weltweites Impftestlabor. Stammen doch die medizinischen Daten rund um den unausgetesteten Impfstoff mehrheitlich aus Israel.

In Kürze wolle man nicht nur mit der Auffrischung bei den Komplettgeimpften beginnen. Die Immunisierung junger Teenager sei der nächste Meilenstein. Bisher dürfen alle ab 16 Jahren die Spritze bekommen. Vor drei Wochen hat das Unternehmen auch die Notzulassung seines Impfstoffs für Zwölf- bis 15-Jährige bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde beantragt. Am Freitag dann folgte der Antrag bei der europäischen Zulassungsbehörde EMA. Studien mit Kindern ab dem Alter von sechs Monaten sollen bis zum Herbst abgeschlossen sein.

Sobald die Genehmigung erteilt ist, werde man mit der Impfkampagne der Kinder beginnen, heißt es laut der „Welt“ aus dem israelischen Gesundheitsministerium.

Nun scheint es laut aktuellen Umfragen jedoch so, dass eine überwältigende Mehrheit der israelischen Eltern nicht bereit ist, ihre Kinder als Impfversuchskaninchen zur Verfügung stellen zu wollen. Nur 41 Prozent gaben an, ihre Kinder gegen Covid-19 zu impfen. Zudem sprachen sich 93 Mediziner in einem offenen Brief dagegen aus, Kindern das Vakzin in den Oberarm zu jagen. Man wisse noch lange nicht genug über das Virus und das Vakzin, so die Stellungnahme zum israelischen Kinderimpfexperiment.

Einer der Unterzeichner des offenen Briefes ist Yoav Yehezkeli, Spezialist für Innere Medizin und Dozent an der Universität Tel Aviv, der es als fraglich bezeichnet, ob die Behandlung überhaupt nötig sei: „Kinder sind sehr resistent gegen das Coronavirus. Die Sterblichkeitsrate geht gegen null, und auch schwere Krankheitsverläufe sind selten.“ Dagegen stehe das Risiko von Nebenwirkungen, die noch nicht ausreichend untersucht seien. „Solche Studien dauern sonst Jahre. Der Impfstoff könnte langfristige Nebenwirkungen haben, die erst später auftreten.“ Deswegen appellieren er und seine Kollegen an die Regierung, mit der Impfung der Kinder zu warten. Doch der Druck, weiterzumachen, sei groß. Dahinter vermutet Yehezkeli den Deal mit Biontech/Pfizer und deren Forschung zur Herdenimmunität. „Die Behörden wurden um eine Notzulassung gebeten. Aber wir sind in Israel nicht mehr in einer Notsituation. Die Infektionszahlen sind sehr gering.“ (SB)