Inzidenzrückgang wegen Bundesnotbremse? Intensivmediziner biegen sich die Wirklichkeit zurecht

Notstand ohne Patienten: Intensivstation in Corona-Zeiten (Foto:Imago)

Die zusammengeschusterte Scheinrealität der Lockdown-Lobby in den Reihen deutscher Ärztefunktionäre wird aktuell wieder einmal genau so angepasst, dass die die Corona-Politik maximal entlastet: Wochenlang machte die Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) Stimmung für einen harten Lockdown und streute unmittelbar bevorstehende Bergamo-Horrorszenarien unters Volks streute, bis es um die „Bundesnotbremse“ mit Lockerungsrücknahmen und Ausgangssperren geradezu bettelte. Und jetzt, da die „dritte Welle“ viel schneller abflaut als vorhergesagt, preisen sie die positive Entwicklung als Beweis der Wirksamkeit dieser Bundesnotbremse – obwohl dies schon vom Zeitablauf her gar nicht sein kann.

Tatsächlich zeichnete sich der Rückgang der Inzidenzen bereits ab, bevor die bundeseinheitliche Kasernierung der Deutschen vorgegangenen Samstag, 0 Uhr in Kraft tat. Bereits am 12. März in Niedersachsen, am 24. März in Sachsen und am 31. März in Bayern hatte sich die Neuaufnahme von Intensivpatienten zu verlangsamen begonnen. Statistiker der Ludwig-Maximilians-Universität München errechneten hieraus bereits Anfang April, dass die Kurve bereits von alleine wieder abflaut, also ohne zusätzliche Maßnahmen und sogar trotz eingeleiteter Modellöffnungen. Die Politik ignorierte die Prognosen – selbst dann, als sich die von ihren Experten prognostizierten 7-Tages-Inzidenzwerte von 300, 500 oder mehr wieder und wieder nicht realisierten. DIVI-Präsident Gernot Marx warnte laut „Bild“ am 28. März vor „exponentiell steigenden Covid–19-Patienten auf den Intensivstationen„: Bei einer „Inzidenz von 300 Ende April oder Anfang Mai“ drohten „bis zu 6.800 Corona-Intensivpatienten„.

Nichts davon trat wieder einmal ein, auch keine der Warnungen der Regierungsberater, Karl Lauterbachs oder des RKI, weder was die über Ostern beschworene exponentielle Ansteckungsgefahr noch die Erwartungen der drei folgenden Wochen (Drosten: „bis zu 100.000 Neuinfektionen täglich“) anlangt. Nicht nur ignorierte die Regierung die allmählichen mildernden Auswirkungen ihrer eigenen Impfkampagne, sie hörte nach bewährtem Muster wieder ausschließlich auf die Alarmisten.  „Als der DIVI-Chef Alarm schlug, war die dritte Welle bereits gebremst„, stellt „Bild“ fest. Apropos Lauterbach; der TV-Professor zeigte mit zwei völlig widersprüchlichen Vorhersagen zur Inzidenzentwicklung im Mai einmal wieder sein beeindruckend flexibles Verhältnis zu Trends und Zahlen – nach dem Motto: ob 2000 oder 50, Hauptsache, ich habe meinen Senf dazu abgegeben.

(Screenshot:Twitter)

Doch zurück zur Entwicklung der Corona-„Bedrohungslage“: Der Rückgang aller wichtigen Parameter zeichnete sich bereits ab, bevor Merkels Bundesnotbremse überhaupt in Kraft trat; seit Montag vergangener Woche – drei Tage nach deren Rechtskraft – fallen die täglichen Zahlen konstant; viel zu kurzfristig von der Wirkung alleine schon wegen der 10 bis 15-tägigen Inkubationszeit. Der R-Wert sank ebenfalls sofort und lag letzten Freitag bei 0,92; die Inzidenz fiel auf rund 150, und die Zahl der Intensivbelegungen ist ebenfalls rückläufig – wie auch die Todeszahlen. Fazit: Es hätte Merkels zentralistische Peitsche überhaupt nicht gebracht; das Infektionsgeschehen verläuft offensichtlich gänzlich unabhängig von Lockdowns und Alltagseinschränkungen – was ja auch die Entwicklung in nahezu allen Nachbarländern zeigt, die trotz höherer Inzidenzzahlen alles wieder geöffnet haben.

Da fehlte nur noch, dass die positivistischen Politiker und ihre Lockdown-Priester diesen Trend sogleich benutzen, um ihn als Ergebnis ihrer glorreichen Maßnahmen zu verkaufen – und genau dies geschieht jetzt: Angesichts rückläufiger Infektionszahlen haben die Intensivmediziner eine erste „positive Bilanz der Notbremse“ gezogen: In der „Rheinischen Post“ kündigte Marx an, man werde deren Effekte – das rückläufige Infektionsgeschehen – in einer Woche noch deutlicher auf den Intensivstationen sehen können. „Die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen wird sinken – und das hängt dann unmittelbar mit den Maßnahmen der Bundes-Notbremse, wie aber auch dem deutlichen Fortschritt beim Impfen zusammen.

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Letzteres sicher, doch dafür hätte es keinen Knallhart-Lockdown gebraucht; Ersteres aber ganz sicherlich nicht. Denn erstens war der Rückgang auf den Intensivbelegungen – siehe oben – bereits Ende März statistisch feststellbar – und zweitens hatte hatte Marx höchstpersönlich im Januar erklärt, dass Lockdown-Effekte auf Intensivstationen „immer mit einer Verzögerung von 14 Tagen bis drei Wochen“ spürbar würden und vorher nicht feststellbar seien – weil die Belegung der Intensivbetten immer nur zeitverzögert auf die Virusverbreitung erfolgt, was nochmals deutlich länger als die Inkubationszeit braucht. Nach Marx‘ eigener wohlbegründeter Darlegung kann der aktuelle Rückgang also in KEINEM Zusammenhang mit der Notbremse stehen. Es kann sich hier also nur um eine weiteres Propagandamärchen handeln – erkennbar, um der Bundesregierung Argumente zu liefern, wenn nun die öffentliche Akzeptanz für die Lockdownverschärfungen immer wieder schwinden wird. Von den mittlerweile über 260 Verfassungsklagen, die in Karlsruhe zum Thema anhängig sind, gar nicht zu sprechen. (DM)