Finnland: Christin drohen sechs Jahre Haft wegen Bibelzitaten

Päivi Räsänen, (Bild: https://www.paivirasanen.fi/)
Päivi Räsänen, (Bild: https://www.paivirasanen.fi/)

Die finnische Generalstaatsanwaltschaft hat Anklage in drei Punkten wegen angeblicher Hassrede gegen die christdemokratische Parlamentsabgeordnete und frühere finnische Innenministerin Päivi Räsänen erhoben. Sie hatte öffentlich ihre Meinung über Ehe und Sexualität kundgegeben und dazu aus der Bibel zitiert. Im Fall einer Verurteilung droht ihr eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von insgesamt sechs Jahren.

Gegen die Politikerin, die der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Finnland angehört und früher den Vorsitz der Christdemokraten führte, wird seit Juni 2019 eine polizeiliche Ermittlung geführt. Nach Angaben der christlichen Webseite „Christian Post“ werfe die Anklagebehörde ihr „kriminelle Hetze gegen eine Minderheitengruppe“ vor.

Konkret geht es unter anderem um eine Broschüre mit dem Titel „Er schuf sie als Mann und Frau – Homosexuelle Beziehungen stellen das christliche Menschenbild infrage“, die Räsänen 2004 verfasst hatte. Außerdem hatte sie sich 2019 in sozialen Netzwerken kritisch über die Teilnahme der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands an einer Homosexuellen-Parade geäußert. Darüber hinaus äußerte Räsänen ihre Ansicht im Dezember 2019 im Radio in einer Diskussionsrunde des Finnischen Rundfunks zum Thema „Was würde Jesus über Homosexuelle denken“.

Nun werde die promovierte Ärztin, fünffache Mutter und sechsfache Großmutter mit jeweils bis zu zwei Jahren Freiheitsentzug für jeden einzelnen Anklagepunkt konfrontiert. Das teilte die Politikerin in einer Presseerklärung mit.

Die Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft sei für sie überraschend und schockierend. Räsänen erklärte, sie habe sich nicht der Bedrohung, Verleumdung oder Beleidigung einer Minderheit schuldig gemacht, sondern lediglich die Lehre der Bibel über Ehe und Sexualität vertreten. Auch habe sie in keiner Weise Homosexuelle diffamiert, sondern sich stets dafür ausgesprochen, deren Menschenrechte und ihre Menschenwürde zu respektieren. Die Lehre der Bibel sei jedoch sehr klar in der Lehre, dass die Ehe eine Verbindung zwischen Mann und Frau ist und dass das Praktizieren von Homosexualität gegen den Willen Gottes sei, so die Politikerin.

Der Geschäftsführer der Menschenrechtsorganisation ADF International, Paul Coleman, der sich mit dem Fall beschäftigt, fügte laut der Tagespost hinzu: „Die Entscheidung der finnischen Generalstaatsanwältin, diese Anklagen gegen Dr. Räsänen vorzubringen, erzeugt eine Kultur der Angst und der Zensur“. Es sei „ernüchternd“, so Coleman weiter, „dass solche Fälle in ganz Europa allzu alltäglich werden. Wenn engagierte Staatsdiener wie Päivi Räsänen für das Aussprechen ihrer tiefsten Glaubensüberzeugungen strafrechtlich verfolgt werden, dann hat das eine abschreckende Wirkung auf das Recht aller, sich frei zu äußern“. (SB)