Widerliche Pandemie-Propaganda: Zukunftsforscher feiern „Konsumverzicht“ im Lockdown

Marode Innenstädte in Deutschland - Folge des "neuen Konsumverhaltens"?(Foto:Imago/Rinke)

Zuerst werden funktionierende Volkswirtschaften, reibungslos eingespielte globale Lieferketten, freies Konsumverhalten durch einen beispiellosen autoritären Coup im Zeichen eines Virus kaputtgeschlagen, erfolgreiche Gesellschaften in eine historische Krise gestürzt und schleichend in Richtung sozialistischer Mangelwirtschaft gedreht – und dann werden uns die Folgen dieses Zerstörungswerks schöngeredet: Im Stil lupenreiner DDR-Staatspropaganda preisen jetzt Zukunftsforscher euphemistisch das „geänderte“ – weil unmöglich gemachte – Konsumverhalten als Ausdruck einer bewussten, intelligenten neuen Bescheidenheit an.

Ganz so, wie angesichts des ständigen Mangels im Ostblock die dortigen Regimes einst die Genügsamkeit der sozialistischen Bürger und ihre angebliche Ablehnung des überwundenen kapitalistischen Konsumterrors lobten, werden nun die Folgen von Lockdown und Freiheitsbeschränkungen als zivilisatorische Weiterentwicklung gefeiert: So dichtet das „Opaschowski-Institut für Zukunftsforschung“ (OIZ), das die Konsumgewohnheiten der Deutschen untersucht hat, die krankmachenden und oft tödlichen Schäden, die die autoritäre Politik im Namen von Corona angerichtet hat, zu einer Erfolgsstory, ja einem wahren Segen um – und zwar auf eine Weise, die nicht einmal die PR-Abteilung des Kanzleramts oder der bayerischen Staatskanzlei gewiefter hinbekommen hätte.

„Materielles tritt hinter Immaterielles wie Gesundheit, Sicherheit und soziale Geborgenheit zurück. Familie, Freunde und Nachbarn rücken in den Vordergrund. Und auch Zeit wird fast so wertvoll wie Geld“, schwärmt Zukunftsforscher Opaschowski da über die Corona-Wirklichkeit. Der Lockdown, Homeoffice- und schooling, die Schließungen des Einzelhandels als großer gesellschaftlicher Glücksfall also? Weil „Familie, Freunde und Nachbarn“ seit 13 Monaten nur im Rahmen enger Kontaktbeschränkungen zueinander finden durften, kann der Forscher hiermit eigentlich nur die Zeit vorm Bildschirm und die Digitalisierung der Sozialkontakte meinen; virtuelles Zusammenleben (à la „gemeinsam einsam“) als neuer, hygienekonforme Gemeinschaftsform? Geraubte Lebenszeit einer ganzen Jugend und der Aktivbevölkerung zum wertvollen Gewinn umzudichten, ist an Zynismus jedenfalls kaum zu überbieten.

Propagandistischer Zynismus der neuen Sozialisten

In diesem Stil geht es bei Opaschowski weiter: Anstelle des bisherigen „Shopping-Spaßes als Glücksgefühl“ trete nun „zunehmend die bewusste Wahrnehmung von Werten„.  Dies, prognostiziert der Forscher, werde folgenreiche Spuren bei Menschen und in Märkten hinterlassen. „Konsumkultur und Sinnkultur nähern sich an. Aus Werbebotschaften werden auch Wertebotschaften, wonach nicht immer alles käuflich erworben werden muss. Mehr mieten als kaufen und mehr teilen als besitzen können der Anfang einer neuen Sharing-Ökonomie der Zukunft werden.“ Wie derartige akademischen Ausblicke und Verrenkungen wohl bei in die Pleite getriebenen Einzelhändlern ankommen? Ein Blick auf den Wert- und Umsatzzuwachs alleine des weltgrößten Unternehmens Amazon während dieser Pandemie, das – dank einer selbstherrlichen, willkürlichen Notstandspolitik – seit über einem Jahr einen Großteil des Endverbraucherhandelns und Privatkonsums der Industrienationen besorgen darf, zeigt, wie sachlich falsch dieses postmodernistisch eingefärbte OIZ-Geschwurbel ist.

Corona, so scheint es, lässt die Herzen altlinker Nostalgiker und Freiheitsfeinde mit jedem Tag höher schlagen. Sie propagieren die staatlich erzwungene Wiederauferstehung all dessen, was längst zu Recht auf dem Müllhaufen der Geschichte verschwunden war: Plan- und Staatswirtschaft statt freiem Handel, Mangel statt Überfluss, Zwang statt Selbstentfaltung. Bevormundung und hypermoralisch aufgeladene Verbotskultur als Modell der Zukunft. Hier wirft Baerbock-Deutschland bereits seine Schatten voraus.

Abgenötigter Verzicht wird zur freiwilligen Bescheidenheit

Und wieder einmal wird der Homo novus heraufbeschworen, der aus angeblich noblem inneren Antrieb und gereifter Einsicht freiwillig und gerne Verzicht und Bescheidenheit übt (oder dies ersatzweise anderen umso mehr abverlangt, je weniger er sich selbst daran hält). Willkommen im Sozialismus, bei dessen Wiedererrichtung Viruspandemie oder Klimawandel nur Katalysatoren waren, durch die der Staat ihm auf die Sprünge helfen durfte.

In Wahrheit aber ticken die Menschen seit jeher gleich – und keine staatliche Gehirnwäsche, kein ideologischer Terror wird daran jemals etwas ändern: Sie wollen für sich das bestmögliche Leben, in Freiheit und Wohlstand. Sie möchten vom Staat in Ruhe gelassen werden, so weit wie möglich, und weder durch autoritäre Gewalt noch durch einen permanenten Gesinnungsterror eingeengt werden. Falls es sich bei Opaschowskis „Erkenntnissen“ nicht um eine bestellte Propagandaarbeit für das Corona-Regime handelte, dann hat er in seiner Rezeption der Corona-„Veränderungen“ eines gründlich missverstanden: „Nicht stets ist’s Tugendhaftigkeit, was Mangel an Gelegenheit“, lautet eine alte Volksweisheit. Und: Verzicht ist kein echter Verzicht, wenn er alternativlos ist.

Dazu passt auch, dass die eigenen OIZ-Umfrageergebnisse, auf die sich Opaschowskis schönfärberische Deutungen beziehen, ein völlig anderes Bild abgeben als das, was da in sie hineininterpretiert wird. Das Institut hatte, wie „dts Nachrichtenagentur“ berichtet, bis Ende Februar 2021 insgesamt 1.000 Personen ab 14 Jahren deuschlandweit nach ihren Konsumgewohnheiten befragt. Zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) stimmten dabei der Aussage zu: „Das Schlaraffenland ist abgebrannt“ Eine glasklar pessimistische Einschätzung. 61 Prozent erklärten: „Die Coronakrise hat meine Lebenseinstellung nachhaltig verändert„.

Vor allem letzterer Punkt scheint es gewesen zu sein, der bei Opaschowski hoffnungsfroh die Glocken klingeln ließ – und ihn zu seinen Propagandaelogen auf eine konsumkritischere Zukunft verleitete: „Die veränderte Konsumhaltung ‚Weniger ist mehr‘ kann zum Zukunftscredo im Leben nach der Pandemie werden„, verkündet der Forscher. Erzwungener Mangel ist also eigentlich der neue Überfluss? Von hier ist es dann nicht nicht mehr weit bis zum Credo aus „1984“: Freiheit ist Sklaverei. (DM)