Wie tief ist Söders CSU im Maskensumpf verstrickt?

FFP2 Masken Einkauf (Bild: shutterstock.com/Von Hadrian)

Einer der größten Corona-Maskendeals Deutschlands mit völlig überzogenen Preisen und sagenhaften Provisionen scheint von Andrea Tandler, Tochter des Strauß-Freundes und Ex-CSU-Politikers Gerold Tandler, abgewickelt worden zu sein. Bei den genutzten Seil- und Freundschaften wird einmal mehr die Frage laut, wie tief Markus Söders CSU tatsächlich im Maskensumpf steckt.

Andrea Tandler ist die Tochter des früheren CSU-Amigos Gerald Tandler, der 1978 unter Franz Josef Strauß Minister wurde. Und auch Strauß-Tochter Monika Hohlmeier, die – nachdem sie den Kahlschlag im bayerischen Bildungswesen vorbereitete, in Korruptionsvorwürfe verwickelt war – 2009 ins EU-Parlament entsorgt wurde, ist Teil dieser Geschichte.

Tandler hatte als Lobbyistin des Schweizer Maskenhändlers Emix im März vergangenen Jahres an die Adresse von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ein Angebot für einen Masken-Deal in Millionen-Größenordnung geschickt. Im Email hieß es laut Spiegel: „Auf Empfehlung von Monika Hohlmeier sende ich Ihnen im Anhang unser Angebot.“

Das Bundesgesundheitsministerium habe danach Ausrüstung für sagenhafte 670 Millionen Euro bestellt, Spahn – einen „Riecher“ für gute Geschäfte – habe mitverhandelt und auch telefonischen Kontakt gehabt.

Am 4. März 2020 dann hatte das Gesundheitsministerium mit der Handelsfirma Emix aus Zürich den Kauf von einer Million FFP2-Masken zum Preis von 8,90 Euro pro Stück vereinbart. Wenig später boten die Schweizer dem von Bankkaufmann Jens Spahn geleiteten Bundesgesundheitsministerium in Berlin noch sehr viel mehr Masken an und verlangte 7,95 Euro pro Stück. Spahns Ministerium schloss vom 12. März bis in den April 2020 hinein mehrere Verträge mit Emix ab; über den Kauf von Masken und anderer Schutzkleidung. Spahns Leuten gelang es, den Preis auf durchschnittlich 5,58 Euro pro Maske zu drücken. Und am 20. März kam wiederum in Bayern schließlich jener Vertrag mit einer hessischen Textilfirma zustande, der dazu beitrug, die CSU-Karrieren der Abgeordneten Georg Nüßlein und Alfred Sauter zu beenden.

Die beiden Emix-Betreiber dürften vermutlich 130 bis 200 Millionen Euro verdient haben. Wohlgemerkt Steuergeld! Davon schafften sich die umtriebigen Maskendealer laut dem WDR einen 963-PS-starken Ferrari (Spitzengeschwindigkeit 350 Kilometer pro Stunde) und einen Bentley an.

Auch für Frau Tandler muss sich das Corona-Lobbygeschäft mehr als nur gelohnt haben. Wie sehr, das will sie jedoch nicht mitteilen. Ihre Rechtsanwältin äußerten sich auf Anfrage nicht zum Honorar, ebenso wenig wie die Firma Emix. Letztere teilt laut dem WDR mit, dass Tandler als „Projektmitarbeiterin“ für Emix gearbeitet habe. „Andrea Tandler war nicht nur eine Vermittlerin, sondern hat alle logistischen Herausforderungen wie zum Beispiel Liefer- und Flugpläne der eigens von Emix gecharterten Flugzeuge mit den abnehmenden Ministerien in Deutschland koordiniert.“ Sie habe den ganzen Prozess „mit größtem persönlichen Arbeitseinsatz begleitet“, schreibt Emix per E-Mail. „Sie werden Verständnis haben, dass wir uns zu Aufwendungen für externe Projektmitarbeiter nicht äußern.“

Das Geschäft ihres Lebens zog Emix nicht nur mit dem Gesundheitsministerium von Jens Spahn durch, sondern auch das  bayrische Gesundheitsministerium und an das NRW-Gesundheitsministerium sind in den Deal verwickelt. Und: der Kontakt zur damaligen, von Söder wegen kompletter Unfähigkeit auf einen anderen Posten verschobenen, ehemaligen bayrischen Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) soll über Hohlmeier gelaufen sein.

Bei den genutzten Seil- und Freundschaften wird einmal mehr die Frage laut, wie tief Markus Söders CSU tatsächlich im Maskensumpf steckt.