Preisfrage: Ist Grün das neue Braun?

Klar im Vordergrund: Annalena Baerbock - Foto: Imago

Wer mit dem Gedanken liebäugelt, bei der Bundestagswahl im September die Grünen zu wählen, der glaubt entweder, daß er sich das leisten kann, oder er hat schlicht und einfach absolut keine Ahnung, welchen totalitären Gestalten er damit zur Macht verhilft. Versuch einer Prognose.

von Max Erdinger

„Kreide fressen“ ist eine alte Redewendung, die ausdrückt, daß jemand mit finsteren Absichten versucht, sich den Anschein von freundlicher Harmlosigkeit zu geben. „Kreide fressen“ beschreibt also einen Täuschungsversuch. Die Notwendigkeit, Kreide zu fressen, haben führende Grüne erkannt. So ist zu vernehmen, daß die Grünen künftig Politik für die „Breite der Gesellschaft“ machen wollen, daß sie sich als die „neue Mitte“ begreifen, eine „Partei für alle“ sein wollen und pi-pa-po. So lustig das auch klingt, so abgefeimt ist es: Wer Kreide frisst, will Anderen Sand in die Augen streuen. Grüne: Kreidefressende Sandstreuer.

Don Alphonso, Star-Blogger bei der „Welt“, hat dieser Tage sehr zutreffend bemerkt, daß man sich keinerlei Illusionen zu machen braucht. Am Umgang der grünen Parteispitze mit dem Tübinger Oberbürgermeister und „Parteifreund“ Boris Palmer zeige sich deutlich, was nach einer grünen Machtübernahme im Bund allen, absolut allen Andersdenkenden droht. Und er ist bei weitem nicht der einzige, der sozusagen den Feuermelder betätigt. Boris Palmer soll aus der Partei ausgeschlossen werden. Josef Joffe in der „NZZ„: „Strassen werden umbenannt, Statuen gestürzt, Bücher aus dem Sortiment verbannt, Menschen sozial kaltgestellt. Die Revolution der neuen Erleuchteten hat eben erst begonnen. Und ja, es ist tatsächlich eine Revolution„. Und er fragt: „Wo soll das alles enden?

Eine grüne Bundescancelerin?

Im Augenblick sind die Grünen im Bundestag offiziell noch Opposition. Inoffiziell sind sie eine „Service-Opposition“, die der Regierung dabei behilflich ist, die einzige tatsächliche Opposition, die AfD nämlich, zu drangsalieren und zu schikanieren, wo es nur geht. Wer die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth oder die Landtagspräsidentin Muhterem Aras in Baden Württemberg bei der „Arbeit“ beobachtet, bekommt einen guten Eindruck davon, was mit den Worten „Engstirnigkeit“, „Kniefieseligkeit“, „Verkniffenheit“, „Erbsenzählerei“ und der Phrase „Mißbrauch des Parlaments“ gemeint sein könnte. Es dürfte ziemlich einmalig sein in der Geschichte des deutschen Nachkriegs-Parlamentarismus, daß eine Bundestagsvizepräsidentin dann, wenn sie nicht präsidiert, sondern bei den Abgeordneten sitzt, einem Redner der Opposition demonstrativ den Rücken zuwendet. Eine solche Bundestagsvizepräsidentin verteilt Ordnungsrufe dafür, mit „Frau Präsident“ angesprochen worden zu sein, weil sie lieber mit „Frau Präsidentin“ angesprochen werden will. Es gibt einen unbändigen Willen, Andere zu maßregeln und zu erziehen. Wer das beobachtet, der weiß auch, wofür die Damen sich selbst halten. Der grüne Bundestagsabgeordnete Hofreiter, Anton, befürwortet kurzerhand eine Änderung des Grundgesetzes, weil seine Forderung nach einer Frauenquote in deutschen Parlamenten nicht kompatibel ist mit dem Grundgesetz. Wenn dem Grünen nicht gefällt, woran ihn das Grundgesetz hindert, dann denkt er nicht etwa daran, von seiner Forderung abzulassen, sondern er denkt daran, die „Spielregeln“ zu ändern. Hier: In Hofreiters kleiner grünen Welt sticht die Frauenquote das Grundgesetz. Das ist bezeichnend für die Geringschätzung, die ein Grüner für das Grundgesetz hat. Deshalb ist es auch kein Wunder, daß die derzeit noch amtierende Bundeskanzlerin von der Regierungspartei CDU nicht ein kritisches Wort zu den Grünen findet.

Sollte die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock tatsächlich Bundeskanzlerin werden, dann wäre sie in Tat und Wahrheit nicht die zweite Bundeskanzlerin der Bundesrepublik, sondern die erste Bundescancelerin, eine Verbotskanzlerin aus der Verbotspartei. Allein schon ihre Einlassung, daß die Grünen zu einer Partei „aus der Mitte der Gesellschaft“ geworden seien, die für die „Breite der Gesellschaft“ regieren wolle, führt zwangsläufig zu der Frage, warum sie nicht gleich dem Einparteienstaat das Wort redet. Formal sind die Grünen eine Partei, realiter sind sie eine fanatische Glaubensgemeinschaft, bereits viel zu groß, als daß man sie noch zutreffend als Sekte bezeichnen könnte. Grüne wollen bestimmen, wie alle anderen zu denken, zu handeln und zu reden haben. Wer ihnen widerspricht, wird dann, wenn er argumentativ nicht zu widerlegen ist, ad personam angegriffen, etikettiert, und seine Worte – auch davor schreckt man bei den Grünen nicht zurück – werden in ihr exaktes Gegenteil verdreht, wie sich aktuell im Umgang mit dem Tübinger Oberbürgermeister zeigt. Massiv unterstützt wird die Partei und ihre Kandidatin für das Amt der Bundescancelerin von den Haltungsjournalisten, Aktivisten, selbsternannten Volkspädagogen, Subjektivisten und Gesinnungspredigern einer vormals freien und unabhängigen Presse, die inzwischen zur vierten Gewaltlosigkeit mutiert ist.

Ahnungslosigkeit und Blendungsversuch

Annalena Baerbock fiel in der Vergangenheit bereits durch völlig skurrile Aussagen auf, mit denen sie ihre Ahnungslosigkeit dokumentierte. Kobolde statt Kobalt in Lithium-Ionen-Akkus, ein Stromnetz, das Energie speichert, ihre Ankündigung, das Bundeskanzleramt nur „Teilzeit“ ausfüllen zu wollen, weil sie Mutter zweier kleiner Kinder sei, die sie bisweilen dringender bräuchten als das Land – das alles warf bisher schon die Frage auf, was diese Frau eigentlich qualifiziert für das Amt der Bundeskanzlerin. Klar: Es ist die Gesinnung. Dieser Tage beschäftigen sich Journalisten von außerhalb des Mainstreams mit ihrem akademischen Werdegang – und es sieht nicht gut aus für die Behauptung, bei Annalena Baerbock handle es sich um eine „Juristin“. Als solche wurde sie vom ZDF aber den unbelehrbaren Glotzern des öffentlich-rechtlichen Desinformationsfenrsehens angedient. Ihr neuester Klopper besteht in der Behauptung, der „Vater der sozialen Marktwirtschaft“, Ludwig Erhard, zweiter Kanzler der Bundesrepublik nach Konrad Adenauer, sei Sozialdemokrat gewesen. Unterdessen wird die „Muttermilch“ zur „Menschenmilch“.

Alarmierend ist dabei nicht so sehr, daß Annalena Baerbock offenbar keine Vorstellung davon hat, wer Ludwig Erhard überhaupt gewesen ist – immerhin war der Franke aus Fürth nicht nur zweiter Bundeskanzler der BRD, sondern auch über ein Jahr lang Bundesvorsitzender der CDU (1966/1967, ab da dann Ehrenvorsitzender) – , sondern alarmierend ist die erkennbare Absicht Baerbocks, sich zur „Kennerin“ selbstzustilisieren, indem sie große Phrasen wie „die soziale Marktwirtschaft“ so verwendet, als habe sie schon einmal gründlich darüber nachgedacht. Tatsächlich ist es so, daß, wer über die soziale Marktwirtschaft räsoniert, ohne zu wissen, wer Ludwig Erhard gewesen ist, einen Täuschungsversuch unternimmt, mithin also versucht, den Wählern Sand in die Augen zu streuen. Die potentielle Bundescancelerin Frau Baerbock ist die personifizierte Ahnungslosigkeit bei gleichzeitiger Meinungs – und Gesinnungsstärke, deshalb auch absolut ungeeignet, ein Amt zu bekleiden, das möglichst objektives Urteilsvermögen verlangt. Nach 16 Jahren Merkel bräuchte das Land aber endlich wieder einen Bundeskanzler mit Durchblick statt moralistischer Gesinnungsstärke. Die vormalige Demokratie ist ohnehin schon zu einer Gesinnungsdiktatur verkommen, in welcher jene Leistungsträger, die sozusagen das ganze Land ernähren, vom Fiskus in den Status von steuernerwirtschaftenden Arbeitssklaven abgedrängt worden sind. Euphemistisch wird das mit den Wortern „gesellschaftliche Solidarität“ bzw. „Sozialstaat“ bemäntelt. Dabei ist der deutsche Sozialstaat schon längst zum „Asozialstaat“ mutiert, die „soziale Marktwirtschaft“ ein Euphemismus für staatlich bevormundete Planwirtschaft. Wären E-Autos eine gute Idee, würden sie sich wohl ohne Subventionen und staatliche Propaganda verkaufen wie geschnitten Brot. Tun sie aber nicht.

Was also wäre zu erwarten, wenn die erste Bundescancelerin tatsächlich ins Bundeskanzleramt einziehen würde?

Willkommen im Grünen Reich: Die Baerböck*in zur Gärtner*in gemacht

In der Corona-„Pandemie“ haben sich bereits Tendenzen abgezeichnet. Als Verteidiger von bürgerlichen Grundrechten haben sich die Grünen nicht profiliert. Daß nach allen Regeln der kognitions- und kommunikationspsychologischen Kunst eine Massenpsychose installiert wurde, fand keinen Widerspruch -, geschweige denn Gegenwehr durch die Grünen. Vielmehr haben sie, die ursprünglichen „Basisdemokraten“, sich weggeduckt so gut es ging, wohlwissend, daß sich beispielsweise unter den Demonstranten bei den „Querdenker“-Demos viele Grünsympathisanten befanden und befinden. Die grüne Indifferenz sollte möglichst unentdeckt bleiben – und dafür gab es einen Grund. Die grüne Parteiführung hatte vermutlich erkannt, daß die Einübung einer Untertanenhaltung per „Lockdown“, Ausgangssperren und pausenloser Gefahrenpropaganda etwas ist, das ihren eigenen Plänen, das Coronaregime Merkels in Form einer grünen Klimadiktatur fortzuführen, sehr entgegenkommt. Das grüne Kalkül sieht höchstwahrscheinlich so aus: Warum sich gegen Mißstände positionieren, die man später auszunutzen gedenkt?

Wer das grüne Wahlprogramm wenigstens quergelesen hat, weiß, was passieren wird, wenn Annalena Baerbock Bundescancelerin werden sollte. Und wenn sie es nicht werden sollte, dann wüsste er, was die Einknicker aus der Union in einer Koalition mit den Grünen als verhandelbar begreifen würden. Die Bundesbürger im Lande der inzwischen höchsten Steuerquote weltweit würden, noch stärker als bisher schon, fiskalisch ausgenommen werden wie die Weihnachtsgans, ausgepreßt wie Zitronen. Begleitet werden würde das mit hemmungslosen Repressalien gegen jeden, der weder grün denkt noch grün spricht. Die grüne Deutungshoheit würde eher über kurz oder lang zur (in)offiziellen Staatsreligion werden. Am deutschen Wesen würde wieder einmal die ganze Welt genesen sollen, die Menge der ubiquitär vorhandenen „die Menschen“ würde weiter reduziert werden dadurch, daß immer mehr vormalige „die Menschen“ mit dem Label „Unmensch“ etikettiert werden würden, Claudia Roth und Muhterem Aras würden final dem Größenwahn anheim fallen, Frauen würden endgültig gar zum „besseren Menschen“ deklariert werden, der motorisierte Individualverkehr würde künstlich so verteuert werden, daß ihn sich nur noch die Wohlhabenden überhaupt leisten können, pausenlose Belehrungen und dümmliche Slogans am laufenden Band inklusive. Und Annalena Baerbock wäre die perfekte Galionsfigur für das alles – warum?

Quasi besoffen von der eigenen moralischen Unübertrefflichkeit in der Ignoranz, wäre Annalena Baerbock die perfekte Marionette an den Fäden derer, die tatsächlich die Weltgeschicke lenken. Die brauchen niemanden, der selbst etwas weiß und selber denkt. Baerbock ist im Grunde nichts anderes als eine demokratische Kunstfigur, ein Hologramm fast, „auf Linie gebracht“ in einem Schulungsprogramm namens „European Young Leaders“, einem sogenannten „Think-Tank“ der Atlantikbrücke – und alles andere als ein deutsches Demokratiegewächs, Betonung auf „deutsch“. Eine besondere Verbindung hat sie zu Prof. Schwabs „World Economic Forum“ (WEF), dem vehementesten Vorantreiber des sog. „Great Reset“. (Schwab sinngemäß: „Es wird nie wieder eine Rückkehr zur Normalität geben. In zehn Jahren werden Sie nichts mehr besitzen und Sie werden froh darüber sein“). Analoges gilt, soweit es die „European Young Leaders“ betrifft, übrigens für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Der Baerbock-Hype gründet nicht auf Baerbock selbst, sondern darauf, daß „Baerbock gemacht“ wird. Die ihr zugedachte Aufgabe ist wahrscheinlich ganz gut beschrieben, wenn man sie als „gehorsames oberstes Mädchen“ begreift, von sich selbst überzeugt genug, um Deutschland in ein durch seine Landesgrenzen definiertes Protektorat der Neuen Weltordnung zu verwandeln, unter deren Schutz sie dann auch steht. Und ignorant genug, um sich einerseits im Glanz des Amtes selbst zu bespiegeln, andererseits aber unfähig zu einem originär eigenständigen Gedanken. Mit Baerbock im Cancelerinnenamt wäre die fundamentalste aller Spaltungen der Gesellschaft gar perfekt, die zwichen Regierung und Volk nämlich. Der aktuelle Wahlslogan der Grünen lautet zwar noch „Deutschland. Alles ist drin“, aber schon regen 300 Grüne an, das Wort „Deutschland“ aus dem Slogan herauszustreichen. Im Juni ist Parteitag der Grünen, wo über dergleichen Änderungsanträge abgestimmt werden wird.

Und so wird man sich das Leben im vormaligen Deutschland vorstellen müssen, wenn Baerbock Bundescancelerin werden sollte: Der Staat regiert in absolut alles hinein, Dissidenten werden sozial geächtet bis hin zu ihrem sozialen Tod und ihrer beruflichen Vernichtung, der Grundrechtsentzug wg. „Pandemie“ wird nahtlos weitergeführt werden wegen „Klima“, die deutsche Sprache wird weiterhin mit Doppelpunkten und Gendersternchen vergewaltigt werden, mißliebige Literaturklassiker werden in der Verbannung verschwinden, alte deutsche Märchen, die ein „überkommenes Frauenbild“ transportieren, dürfen Kindern nicht mehr zugänglich gemacht werden, das Land wird strotzen vor Geschwindigkeitsbeschränkungen und Durchfahrtsverboten, jegliche Lebensfreude wird „ökologisch korrekt“ auszusehen haben, wenn sie nicht verboten werden soll, weitere Straßen und Plätze werden umbenannt werden, die Bismarcktürme werden bald anders heißen oder abgerissen werden, für das Wort „Vogelschiss“ werden saftige Strafen verhängt werden – und wenn dann doch endlich einer Mehrheit auffällt, welche Reinkarnation des übelsten Totalitaristen der deutschen Geschichte das Heft in der Hand hat, wird es wieder einmal zu spät sein. Der Mensch als solcher ist nurmehr ein parasitärer Schädling in der Welt – der alte weiße Mann ganz besonders – und die Welt selbst wird nur noch eine „Umwelt“ sein, in die der Mensch recht eigentlich gar nicht hineingehört.

Wer glaubt, das alles könne er etwa durch Wahlen noch abwenden, muß ein Optimist sein. Seit der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen im Februar 2020, den US-Wahlen im Novemer 2020, den mehr als seltsamen Bedingungen, unter denen Kurz Kanzler in Österreich und Macron Präsident von Frankreich geworden sind, steht mindestens zu vermuten, daß Wahlen nicht unbedingt mehr von den Wählern entschieden werden – und wenn doch, dann von solchen, die zuvor gründlich hinters Licht geführt worden sind. Die Grün-Groupies bei den Öffentlich-Rechtlichen und der grünaffinen „Qualitätspresse“ tun bereits alles dafür, daß es niemandem seltsam vorkommen wird, wenn Grün im September tatsächlich gewinnt. Allerweil vergeht kein Tag, an dem nicht die „neuesten Umfrage“ zur Führungsrolle der Grünen veröffentlicht werden. Das ist die Inszenierung der sogenannten „sich selbst erfüllenden Prophezeiung“.