Willkommen im Impf-Idiotistan Deutschland: Tagsüber Super-Spreading vorm Impfzentrum, nachts Ausgangssperre

Eine Spritze wird mit dem AZ-Vakzin aufgezogen (Foto:Imago/Emmefoto)

Abends ab 22 Uhr gilt im zweiten Corona-Sommer nach wie vor in über zwei Dritteln aller deutschen Kreise und Städte eine strikte Ausgangssperre – und wer als Ungeimpfter, aber negativ getesteter und kerngesunder Deutscher – vor 0 Uhr mit einer weiteren Person oder mehreren im Freien ertappt wird (und sei es mit der eigenen Ehefrau), ab 0 Uhr auch alleine, der darf satte Strafen zwischen 400 Euro und 25.000 Euro zahlen, je nach „Schwere“ des Delikts. Dafür geht dann aber auf einmal völlig in Ordnung, wenn sich tausende Menschen dichtgedrängt zur priorisierungsfreien Impf-Party versammeln. So wie gestern in Freiburg.

Mit Speck fängt man Mäuse – und mit Astrazeneca-Impfdosen, die monatelang keiner wollte (und die in anderen EU-Ländern wie Dänemark wegen Sicherheitsbedenken inzwischen nicht mehr eingesetzt werden), fängt man ausgelaugte, mürbegemachte Angstbürger, die nach fast acht Monaten Dauerlockdown an einen Punkt gebracht wurden, an dem sie sich buchstäblich alles in den Körper jagen lassen würden, um die erwinselten „Grundrechte“ zumindest teilweise zurückzuerlangen: Gestern lud das Freiburger Impfzentrum zu einem „Impftag“ ohne vorherige Terminvergabe – ein vom grün-woken und maßnahmenkonformistischen Publikum der badischen Studentenstadt anscheinend heiß ersehntes Event, was sich prompt in einem geradezu infernalischen Menschenandrang niederschlug. Es gab kein Freibier, sondern Frei-Vaxzevria (so der geänderte Name des umstrittenen AZ-Impfstoffs), für das die Priorisierung seit letzter Woche aufgehoben wurde.

(Screenshot:Facebook)

Wir sehen auf diesem Screenshot hier also dichtgedrängte Menschenmassen, teilweise ohne Maske und Abstand – anscheinend ein gedankenverlorener Vorgeschmack der Impfverzückten auf ihre scheinbar mit einem Piks zurückgewonnene Freiheit, die sie vermeintlich fortan von der Einhaltung solcher Regeln enthebt. Ein gleich doppelter Irrtum: die AHA-Regeln gelten auch nach der Impfung auf unbestimmte Zeit fort – und die Infektiosität ist auch nach erfolgter Durchimpfung nicht ausgeschlossen. Lediglich dass sich Geimpfte ohne lästige Schnelltest fortan ihrer „Privilegien“ erfreuen dürfen und beim Terminshoppen oder Friseurbesuch kein negatives Testresultat mehr vorweisen müssen, scheint ausgereicht zu haben, um die Impfwilligkeit der Bevölkerung signifikant nach oben zu treiben.

Es waren überwiegend jüngere Interessenten, für die die Impfung von der minimalen Prävalenz schwerer oder gar tödlicher Covid-Verläufe her eigentlich keine Notwendigkeit darstellt – erst recht nicht, seit das Ziel der „Herdenimmunität“ als Illusion feststeht und die Impfungen nur einen Individualschutz gegen schwere Krankheitsbilder bieten kann (was somit eher bei Älteren und Risikopatienten relevant ist). Doch die kollektive Gehirnwäsche lässt die Impfgeilen aller Altersstufen exakt die Verhaltensweisen reproduzieren, die sie in weitaus harmloserer Form bei Grundrechtsdemonstranten oder „rechten“ Querdenker-Kundgebungen als Akt besonderer Rücksichtslosigkeit verteufelten: Eigentlich waren in Freiburg, so der „Südwestrundfunk„, zum gestrigen „Impftag“ nur 1.400 Impfungen für Personen ab 18 Jahren ohne Terminbuchung vorgesehen.

Überwiegend jüngeres Publikum „ganz heiß auf den Scheiß“

Tatsächlich aber geriet die Situation recht schnell außer Kontrolle –  wegen der, so der Sender, „für die Organisatoren unerwartet großen Zahl der Interessenten„. Es bildeten sich laut Lokalmedien „bereits in der Nacht“ bzw. früh am Morgen lange Menschenschlangen; schon um 6 Uhr waren es über 1.000 Interessenten – manche mit Wohnmobilen und Campingstühlen -, die auf den Schuss warteten. Die Mehrzahl waren „junge Leute“ – was zu alterstypischen Rangeleien und sogar einigen gewalttätigen Zwischenfällen führte.

Die Leitung des Zentralen Impfzentrums (ZIZ) bat „um Verzeihung“ für den Andrang, beeilte sich jedoch nachzuschieben, es habe zu keinem Zeitpunkt „eine akute Gefahr für die Menschen bestanden„. Sieh an – tatsächlich nicht? Dies freilich kann nur relativ gelten, aus Sicht des Corona-Staats und seiner Kerngebote: Versteht man unter „Gefahr“ eine Massenpanik à la Love-Parade-Desaster von 2010, dann vielleicht nicht; erkennt man jedoch in der Verletzung von Abstandsregeln ein Schwerverbrechen (so wie dies hysterisierend seit einem Jahr der Fall ist), dann war das Freiburger Massen-Schlangestehen ein lupenreines Superspreader-Event. Aber keine Sorge: Dafür gilt ja abends ab zehn Uhr wieder die Ausgangsperre. (DM)