Gibt´s doch noch so etwas wie Berufsethos? Kommission spricht sich für Aberkennung von Giffeys Doktortitel aus

Franziska Giffey (Bild: shutterstock.com/Von Bjoern Deutschmann)
Franziska Giffey (Bild: shutterstock.com/Von Bjoern Deutschmann)

SPD-Bundesfamilienministerin Franziska Giffey scheint nun doch ihren Doktortitel zu verlieren. Wie das Wirtschaftsmagazin „Business Insider“ berichtet, hat sich so etwas wie Berufsethos Bahn gebrochen: Die Prüfungskommission der Freien Universität (FU) soll sich für die Aberkennung des Doktortitels von Giffey ausgesprochen haben. Ob bei Giffey so viel Restgewissen vorhanden ist und es für einen Rücktritt reicht, darf bezweifelt werden.

Im Februar 2019 wurde bekannt, dass die Dissertation von Giffey von der Freien Universität Berlin aufgrund eines Plagiatsverdachts überprüft wird. Die SPD-Funktionärin im Amt der Bundesfamilienministerin hatte die Überprüfung ihrer Doktorarbeit selbst beantragt, nachdem auf dem VroniPlag Wiki massivste Plagiate – insbesondere liegt laut VroniPlag Wiki ein hoher Anteil an willkürlichen Referenzierungen vor, bei denen sie bewusst falsche Quellenangaben gemacht habe – festgestellt hat. Im April des selben Jahres bezeichnete dann der Politikwissenschaftler Peter Grottian die Vorwürfe als nicht so gravierend wie bei Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), aber gravierender als bei Merkels Busenfreundin, Annette Schavan (CDU). Er legte Giffey nahe, von ihrem Ministeramt zurückzutreten und die FU Berlin um die Aberkennung ihres Doktorgrades zu bitten.

Am 30. Oktober dann gab die FU Berlin überraschenderweise bekannt, Giffey für ihre Dissertation eine Rüge zu erteilen und ihr den Doktorgrad nicht zu entziehen. Kritiker sprachen von einem „geschenkten Doktortitel“. Von VroniPlag Wiki wiederum wurde kritisiert, dass die 72 Textstellen, bei denen der Verdacht auf willkürliche Referenzierung vorliegt, vom Prüfungsgremium nicht überprüft wurden. Wahnwitzigerweise kam hinzu, dass die Politikwissenschaftlerin Tanja Börzel, jene Frau also, die Giffey Dissertation betreut hatte, als Vorsitzende des Promotionsausschusses an der Einsetzung des Prüfungsgremiums beteiligt war. Damit hatte die Doktormutter selbst mit aussuchen dürfen, wer ihre Bewertung kontrolliert. Nachdem mehrere FU-Gutachten zu dem Schluss gekommen waren, dass eine Rüge unzulässig sei, kündigte die FU eine erneute Prüfung an.

Die Prüfungskommission kommt nun offensichtlich, wie „Buisness Insider“ berichtet, wieder zu einem anderen Ergebnis. Aktuell hat die Plagiats-Politikerin noch knapp drei Wochen Zeit für eine Stellungnahme eingeräumt bekommen. Dann wird das Präsidium der FU eine endgültige Entscheidung treffen.

Nachdem Giffey gebetsmühlenartig betonte, sie habe nicht bewusst kopiert, sie habe ihre Arbeit „nach bestem Wissen und Gewissen verfasst“ kann schon fast fest davon ausgegangen werden, dass die SPD-Politikerin trotz wahrscheinlicher Aberkennung ihres Doktors wegen massiven Plagiats – ungeschminkt könnte man auch sagen: wegen unrechtmäßige Aneignung von Gedanken und Diebstahl geistigen Eigentums – keinen Grund sehen wird, zurückzutreten. So viel Ehrgefühl gehört schon längst der Vergangenheit an. (SB)