1001 Meisterwerke: „Vatertag“, Deutschland, drei Künstler, 1. Hälfte 21. Jh.

Gian Lorenzo und Pietro Bernini: (Männer)- "Herbst" - Foto: Imago

Da wir nicht wissen können, wie lange es den Vatertag noch geben wird, bis er in „Elter-2-Tag“ umbenannt wird und das Bier aus elektrischen Kühlflaschen kommt, ist tiefe Besinnlichkeit angesagt. Denken wir nach. Über den Vater. Und über den Tag. Zwei Kunstwerke, die nach einem ergänzenden dritten förmlich schreien.

von Max Erdinger

Zuerst ein Schrift- „BILD“ von Franz-Josef Wagner, Deutschland, 1. Hälfte 21.Jhdt.

Schrift-„BILD“, Deutschland, 1. Hälfte 21. Jh. Künstler: Franz-Josef Wagner – Foto: Screenshot „BILD“

 

Hier nun das zweite Bild. Wagners Schrift-„BILD“ in der gemalten Version. Entanden ist es offensichtlich, bevor das Modell zum Rauchen auf den Balkon gegangen ist. Oder danach. Gestochen scharf. Von einer Fotografie kaum zu unterscheiden. Künstler unbekannt, defintiv aber ebenfalls Deutschland, 1. Hälfte 21. Jhdt.

Meisterlich hingepinselt, Titel: „Auf dem Platz der Opfer des Nationalfeminismus“ – Foto: Screenshot Facebook

 

Der Experte für Künstliches aller Art

Was wollen uns diese beiden Bilder in ihrer kongenialen Einzigartigkeit sagen, liebe Lesende und Leser : innen? Die Botschaft ist klar. Im Schrift-„BILD“ des ersten Künstlers ist sie deutlich zu erkennen, weil Wagner die Buchstaben in seiner Genialität fett aufs Blatt gepinselt hat: „Sie sind nicht mehr die saufenden Männer, aber sie sind noch Männer. Es sind interessante Männer.“ Subtile Nebenbotschaft: Wagner hält sich selbst nicht für einen interessanten Künstler. Schade.

Das Modell für das Werk des unbekannten Künstlers (zweites Bild) fand sich wahrscheinlich auf einem Grünen-Parteitag. Kein Wunder, daß der geniale Künstler lieber unbekannt bleiben wollte.

Inspiration

Am gestrigen Vatertag habe ich mich, von den beiden obigen Bildern inspiriert, selbst ans Werk gemacht und in meinem Atelier mit den Arbeiten an einer Skulptur begonnen. Arbeitstitel: „Deutscher Vater, Skulptur von Max Erdinger, Deutschland, 1. Hälfte 21. Jh.“ Ich wollte ebenfalls etwas schaffen, das nach „interessante Männer“ aussieht. Wenn ich Lust haben sollte, daran weiterzuarbeiten, wird das Kunstwerk auch ganz bestimmt fertig.

Bisher habe ich bereits einen vollen Eimer Mayonnaise mit einem unten angeklebten Wurstzipfelchen an zwei Holzbeine aus Triebholz hinmodelliert. Moment. Treibholz heißt das, glaube ich. Lachen Sie nicht. Der Künstler weiß schließlich nicht immer so genau, welcher Trieb ihn zur Arbeit treibt.

Jedenfalls bekommt der Mayonnaise-Eimer noch ein Brustimplantat mit angeklebter Barbiepuppe umgeschnallt. Der schwierigste Teil scheint mir zu sein, den Eimer auf der Rückseite so für ein durchlaufendes Staubsaugerrohr anzubohren, daß der Mayonnaise-Vater die Glimmstängel rauchen kann, welche vom Kunstwart in eine Zigarettenspitze oben auf dem Deckel des Eimers zu stecken sind, ohne daß die ganze Mayonnaise unten neben dem Rohr aus dem Kübel herausläuft. Aber es hilft ja nichts. Der Künstler Wagner: Die neuen Väter sind interessante Männer, die sanft auf dem Balkon rauchen und dabei ein Brustimplantat umgeschnallt haben, an dem ein Baby nuckelt. Deshalb kann ich auf den Staubsauger nicht verzichten. Sonst geht die Skulpturzigarette dauernd aus.

Zum Schluß muß ich noch einen Balkon unter die Treibholzbeine montieren – und dann wäre mein ergänzendes Kunstwerk fertig.

Fördermittel

Da fällt mir auch ein, welcher Trieb den Künstler in diesem Fall treibt. Es ist der Erwerbstrieb. Ich beabsichtige nämlich, die Skulptur auf einem öffentlichen Platz aufstellen zu lassen und dafür Fördermittel aus dem feministischen Kulturfonds einzusacken, die zugleich mein Künstlerhonorar abdecken. 80.000 Euro sollten da schon zu holen sein. Ich biete das dem zuständigen Referat als geschlechterkritisches Kunstwerk an – ha! – die beiden grünen Erbsen links und rechts neben dem Wurstzipfelchen darf ich nicht vergessen – und preise seinen volkspädagogischen Erziehungsmehrwert. Das können sie eigentlich nicht ablehnen.

Zur Sicherheit nenne ich die Skulptur wahrscheinlich doch lieber „Modern Man“. Eine Skulptur mit dem Namen „Deutscher Vater“ würde das Referat vielleicht nicht so gern fördern. Erwerbstrieb macht schlau. – Wie lang hält sich Mayonnaise eigentlich, bevor sie ranzig wird? – Das muß ich auch noch googeln.

Eindruck schinden

Clever wäre wahrscheinlich auch, mich als Beuys-Schüler vorzustellen, der bisher unbekannt geblieben ist, weil der Beuys ein Nazipatriarch und Unterdrücker gewesen ist, der seinem feministischen Schüler den Ruhm nicht gönnte und ihn deshalb totgeschwiegen hat. Und daß es in den Händen des Referats liegt, endlich feministische Gerechtigkeit zu schaffen. Hoffentlich sind ihnen 80.000 Euro nicht zu wenig. Soll ich vielleicht gleich 100.000 Euro fordern? Ach was, ich fordere 500.000, lasse mich auf 247.500 herunterhandeln und pinsele ihnen den Bauch mit der Behauptung, sie hätten ein Verhandlungsgeschick, für das sie zu meinem Leidwesen mit der Verdienstmedaille des Bundes der Steuerzahler ausgezeichnet gehören.

Künstlerkollektiv aus der Kulturwerkstatt?

Vielleicht haben der berühmte Wagner und der unbekannte Künstler des zweiten Bildes ja Lust, ihr Schrift-„BILD“ und das vom Platz der Opfer des Nationalfeminismus neben meiner Skulptur aufzuhängen. Mit einem Windspiel zusammen. Wegen der vatertäglichen Akustik bei der Betrachtung der Kunstinstallation. Im Rahmen des interpretatorischen Spielraumes der Moderne. An einem stürmischen Tag.  Ich sage es immer: Jeder Zeitgeist bietet dem Findigen eine Chance.