Es wird nie mehr so wie früher sein: Viele Friseure und Selbständige resignieren

(Sybolfoto:Imago/IPA-Photo)

Zunehmend gewöhnen sich die Unternehmen, die Arbeitnehmer und die Bürger an einen Zustand, der vor einem Jahr, im ersten Lockdown, als etwas grotesk Unnatürliches und Fremdes, Bedrohliches wahrgenommen wurde: Geschlossene Schulen und Geschäfte, „Zuhause bleiben“ und Kontakte vermeiden als neue Verhaltenskodizes, Gesunde unter dem Generalverdacht der Infektiosität. Das größte Verbrechen dieser Regierung ist es, die „pandemische Lage“ konserviert und damit etwas genuin Widernatürliches, Krankes zur neuen Normalität gemacht zu haben. Mit jedem weiteren Monat wird der kollektive psychische und soziale Schaden größer.

Kinder und Jugendliche verlernen das Feiern, das Tanzen, das Ausgelassensein. Sie wissen nicht mehr, was Unbeschwertheit und Ungezwungenheit heißt, sich ohne die permanente Pflicht kafkaesker Regeln im Nacken frei und sorglos bewegen zu können. Vollbesetzte Kneipen und Discotheken, Shoppingerlebnisse in überfüllten Malls und Fußgängerzonen wird es auch dann nicht mehr geben, wenn wieder einmal „Lockerungen“ kommen – und selbst wenn das „Impfziel“ erreicht ist, schwebt das Damoklesschwert jederzeit drohender neuer Viren oder Mutationen bestehender über der trügerischen Freiheit. Denn „Öffnungen“ und geduldete Interaktionen stehen fortan unter der jederzeitigen Nachweisvoraussetzung von „Immunität“ – zu dokumentieren durch Impf- oder Genesenenzertifikate (erst analog, dann digital) – oder, bis es soweit ist, durch Tests.

Und eben der Aufwand dieser Tests vergällt jenen Dienstleistern, die gegenwärtig zwar geöffnet haben, aber diese schikanöse Einlasskontrolle zu bewerkstelligen haben, zunehmend den Spaß am Arbeiten und die Freude am Geschäft. Immer mehr Friseure klagen derzeit landauf, landab über Umsatzrückgänge seit Einführung der Schnelltestpflicht; vielen Kunden ist die Terminvereinbarungspflicht UND die entwürdigende Vor-Ort-Chemiestunde zwecks Negativnachweis schlichtweg zu stressig. Sie lassen sich deshalb lieber privat bzw. schwarz frisieren. Manche Friseure planen bereits wieder zu schließen oder in Kurzarbeit zu gehen.

Kurzarbeit statt Öffnung

Man kann getrost annehmen, dass auch Gastronomen, Fitnessstudiobetreiber, Spielhallen, inhabergeführte Einzelhandelsgeschäfte und viele andere der Testpflicht Unterworfene über ähnliche Umsatzverluste und Kundenrückgänge wie die Friseure klagen würden, wenn ihnen die Merkelregierung mit ihrer willkürlichen „Bundesnotbremse“ das baldige Garaus beschert hätte. Selbst da, wo vielversprechende Modellversuche liefen (etwa in Tübingen oder Rostock, nach Ostern dann kurzzeitig auch im Saarland) war die Referenzzeit zu kurz, um die langfristige Akzeptanz der Gäste und Kunden austesten zu können – doch es spricht vieles dafür, dass die ständige Test- und Nachweisbürokratie die Umsätze weiter hinter denen der „vorpandemischen“ Zeiten zurücklassen würde.

Wenn nun nach und nach immer mehr Regionen wieder unter die „Notbremseregel“ und fallen und Öffnungen riskieren, wird sich schnell zeigen, dass von einer Erholung, geschweige denn einer Rückkehr zum Status Quo Ante, keine Rede sein wird. Ob die Menschen nun Impfnachweise oder Schnelltestresutate präsentieren: Einkaufen, Einkehren und Ausgehen wird nie mehr dasselbe sein wie zuvor. Testpflicht und spätere Impfnachweise zögern, so gesehen, den endgültigen Ruin nur noch etwas länger hinaus… (DM)