Linke Heuchler: Die Autos der Grünen sind super umweltverträglich (SUV)

Cadillac Escalade - Foto: Imago

Ulf Poschardt, Chefredakteur der „Welt“ hat einen Tweet rausgehauen, bei welchem dem Liebhaber von allem, was grün ist – Entenkacke zum Beispiel – das Blut in den Adern gefriert. Offensichtlich kommentierte Poschardt mit seinem Tweet einen Entlarvungs-Artikel in der „F.A.Z.“, demzufolge niemand so gern Geländewagen fährt wie die grüne Öko-Klientel. Das schockiert sogar solche Realisten, die das Wort „Grüner“ bisher schon mit „Heuchler“ übersetzt hatten. Die Schocktherapie.

von Max Erdinger

In der „F.A.Z.“ steht es schwarz auf weiß: Eine Umfrage zeigt dem Blatt zufolge, daß niemand so gerne Geländewagen fährt wie ausgerechnet die grüne Öko-Klientel. Und daß dieses Phänomen System habe. Das steht da auch noch. Verwundert reibt sich da nur derjenige Träumer die Augen, der Grüne bislang noch nicht für das Furunkel am Hintern der Hochanständigkeit gehalten hatte.

Was ist ein SUV?

Die Abkürzung „SUV“ kommt aus dem Amerikanischen und stand bislang für „Sports Utility Vehicle“. Das „Sports“ vor „Utility Vehicle“ kommt daher, daß hoch gebaute SUVs meistens über mehr Stauraum verfügen als herkömmliche Kombis, weswegen sich Sportartikel gut in SUVs transportieren lassen. Golftaschen zum Beispiel, die dringend zum grünen Golfplatz gekarrt werden müssen. Grüne sind rhetorisch großartige Gegner von SUVs, da diese Fahrzeuge als nicht besonders umweltverträglich gelten. Oft haben sie den Luftwiderstandsbeiwert von Wohnzimmerschrankwänden, weswegen sie deutlich mehr kostbare Fossilenergie verbrauchen, als die mit einem identischen Motor ausgestatteten, windschlüpfrigen Fahrzeugmodelle aus demselben Konzern. Weil der Schwerpunkt von SUVs deutlich höher liegt als bei niedrigeren Fahrzeugen, bezieht sich das „Sports“ auch mehr auf „Utility“ als auf „Vehicle“. Allerdings müssen grünliche „die Menschen“ nicht unbedingt SUVs fahren, wenn sie nicht gerne Golf spielen. Auch andere Fahrzeuge, die viel Sprit verbrauchen, sind durchaus salonfähig bei überzeugten Ökos. So tauchte vor kurzem das Foto vom extrabreiten Heck eines Porsche 911 turbo in den sozialen Netzwerken auf, das wegen seines Diplomatenkennzeichens zu weiteren Recherchen führte. Halter des Fahrzeugs ist demzufolge eine internationalökologistische Lobby-Organisation, deren Tätigkeit zum Teil in der Verankerung des korrekten Energiewende-Bewußtseins in Politikerköpfen besteht.

Kretschmanns Transportprobleme

Der grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, Ex-Maoist und totaler – , wenn nicht sogar totalitärer Umweltfreund, lieferte vor einigen Jahren eine einleuchtende Erklärung dafür, daß er ungern im Fond einer herkömmlichen S-Klasse von Mercedes transportiert wird: Zu wenig Platz auf der Rückbank. Kretschmann ist 1,93 m groß. Wahrscheinlich ist das auch der Grund dafür, daß er die sündteure Dienstlimousine am liebsten für Kurzstrecken benützt. Kurz nach seiner erstmaligen Wahl zum MP von Baden-Württemberg war vor einigen Jahren publik geworden, daß er sich per Hubschrauber von Stuttgart aus zu einem Ministerpräsidententreffen an die Ostseeküste hatte fliegen lassen. Seine Dienstlimousine hatte er, lediglich mit seinem Chauffeur besetzt, leer vorausgeschickt, auf daß ihm an der Ostsee ein standesgemäßes Vehikel (SV) zur Verfügung stehe, um die kurze Fußstrecke zwischen Hubschrauberlandeplatz und der Eingangstür des Tagungshotels zu überbrücken. Es ist ein Jammer in der deutschen Neidgesellschaft, daß Kretschmann so wenig Verständnis für die Erfordernisse fand, welche ihm die frische Ministerpräsidentschaft damals unter Berücksichtigung der ubiquitären Anwesenheit von Fernsehkameras hinsichtlich der Dokumentation seines neuen Status´ aufgezwungen hatte. Gottlob konnte Kretschmann den Vorwurf der ökologistischen Heuchelei entkräften. Als Ministerpräsident habe er einen derartig vollgepackten Terminkalender, hieß es damals, daß er sich unmöglich stundenlang auf der Rücksitzbank einer S-Klasse quer durch die Republik quälen lassen könne. Dadurch, daß Kretschmann selbst nicht an Bord der Dienstlimousine – , sondern an Bord eines Hubschraubers gewesen ist, entfiel für die lange Fahrt von Stuttgart an die Ostseeküste auch die ansonsten übliche Fahrzeugeskorte. Das sparte eine Menge Sprit auf der Straße, was als ökologisch vorbildlich zu betrachten ist.

Ist der SUV umweltschädlich?

Das ist eine überflüssige Frage in Zeiten, zu denen über die begriffliche Neubefüllung von Wörtern mit anderen Inhalten auch ein neues Bewußtsein etabliert werden kann. „SUV“ muß ja nicht unbedingt für alle Zeiten die Abkürzung für „Sports Utility Vehicle“ bleiben. Gerade Grüne sind gedanklich flexibel genug, um „SUV“ künftig mit „super umweltverträglich“ zu übersetzen. Schon sind sie aus dem moralischen Schneider. Und tatsächlich sind SUVs auch super umweltverträglich, wenn man den Luftwiderstand gering hält. Wie erreicht man das? Ganz einfach dadurch, daß man die Autobahn meidet und den SUV hauptsächlich im Stadtverkehr einsetzt, wo wegen der geringen Geschwindigkeiten kein hoher Luftwiderstand entsteht. Da viele SUVs außerdem mit einem Allradantrieb ausgestattet sind, kann man sie auch außerhalb der Stadt umweltverträglich einsetzen, wenn man anstatt der Autobahn die langsame Route durch die Naturschutzgebiete entlang der Autobahn wählt, wo es vor Morast, querliegenden Baumstämmen und seichten Furten zur Fahrt durch die Flüsse und Bäche nur so wimmelt. Nur weil es in Gründeutschland viele Autobahnen gibt, muß man sie mit seinem SUV noch lange nicht benutzen, zumal dann nicht, wenn man ohnehin zu den Befürwortern eines allgemeinen Tempolimits zählt.

Der Grüne heuchelt nicht

In der Vergangenheit sahen sich Grüne schon des öfteren dem Vorwurf ausgesetzt, sie seien ökologistische Heuchler. So hieß es beispielsweise, die grüne Öko-Klientel bestehe aus jenem Personenkreis, der am häufigsten auf das extrem umweltschädliche Strahlenflugzeug zurückgreift, um sich zwei- bis dreimal jährlich an die entlegensten Urlaubsziele des ökologisch so vulnerablen Erdenrunds zu begeben. Dieser Klientel einen Vorwurf deswegen zu machen, ist regelrecht unmenschlich, denn der Grüne liebt die Authentizität des aufrichtig empfundenen Gefühls. Sollten Sie selbst jemals in einem Strahlenflugzeug gesessen haben und sich über die verheulten Augen eines Mitpassagiers gewundert haben, so wundern Sie sich bitte nicht mehr länger. Sehr wahrscheinlich handelte es sich um einen Grünenden, eine Grün:in oder einen Grünwählenden auf dem Weg in den Urlaub, der an seinem eigenen Schuldbewußtsein psychisch zu zerbrechen drohte. Vielleicht war die traurige Gestalt sogar blond? Dann könnte es sich um Katharina Schulze gehandelt haben, oberste Bayerngrüne auf dem Weg nach Kalifornien. Wie schwer sie an ihrem Dasein als Flugpassagier in einem Düsenjet gelitten haben muß, kann man daran erkennen, daß sie sich nach ihrer Ankunft in San Francisco erst einmal einen Eisbecher gönnen mußte, um über die Farbenfreudigkeit des dazugehörigen Plastiklöffels zu ihrem gewohnten Frohsinn zurückzufinden. Daß ihr das gelungen ist, läßt sich unschwer an den Selfies erkennen, die sie mit ihrem Smartphone beim Eisessen anfertigte, um sie dann an die internetfähigen Displays in den SUVs derjenigen Grünwähler in der Heimat zu versenden, die sich wegen der Klimakatastrophe mit voll aufgedrehter Heizung durch die Jungfichtenpflanzung neben der deutschen Autobahn quälten, um den Luftwiderstand kleinzuhalten.

Auch, daß Cem Özdemir mit Sohn einen pädagogisch wertvollen Wandertag in den argentinischen Anden unternahm, zu dessen Durchführung eine weite Anreise mit dem vermaledeiten Strahlenflugzeug notwendig geworden war, verdient keinerlei Kritik. Schließlich kann Cem Özdemir nichts dafür, daß seine Schwiegereltern in Argentinien wohnen. Es ist ja auch nicht jedermanns Sache, den Atlantik mit einer energieaufwendig aus kostbaren Kunststoffen gefertigten Hochsee-Renn-Segelyacht zu überqueren, wie es die löbliche Greta Thunberg vorgemacht hatte, zumal dann nicht, wenn die Crew für die Rückreise erst einmal mit dem Düsenjet nach Argentinien eingeflogen werden müsste. Der elektrisch angetriebene und hochseetaugliche Amphibien-SUV ist eben noch nicht erfunden worden.

Daß die grüne Wählerklientel statistisch betrachtet diejenige mit dem höchsten Durchschnittseinkommen ist, stellt das grüne Umweltvolk sowieso vor allerlei Probleme, von denen sich der Normalverdiener keine Vorstellung macht. Luxussanierte Altbauwohnungen im Jugendstil sind Residenzen, denen der Grünwähler zwanghaft verfallen ist. Sie verfügen oft über sehr hohe Räumlichkeiten – höher noch als ein SUV – und das bedeutet einen erhöhten Energieaufwand für das Heizen, besonders in den krass klimaerwärmten Monaten April und Mai des Jahres 2021. Die Gewissensbisse, denen sich der gutsituierte Grünwähler deshalb ausgesetzt sieht, mag man sich gar nicht ausmalen, so schrecklich müssen sie sein. Vor allem, wenn man bedenkt, daß der Norwegerpullover und die gestrickten Wollsocken auch bei den Grünen längst out sind.

Steigender Meeresspiegel und untergehende (H)eilande

Denken Sie einmal an die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth. Weil die trotz ihres ökologisch wertvollen Bewußtseins darauf angewiesen ist, erst einmal mit eigenen Augen gesehen zu haben, woran sie sonst nur glauben müsste, machte sie sich vor zwei Jahren auf den beschwerlichen Weg zu den Fischi-Inseln, um dem Meeresspiegel beim ansteigen – und den Inseln beim Versinken im Ozean zuzuschauen. Auch, weil das gut für die korrekte Betroffenheitsstimmung ist. Claudia Roth läßt sich gern mit feuchten Augen ablichten. „The European“ vor zwei Jahren dennoch mit hämischer Gehässigkeit: „Sie war mit zwei Bundestagsabgeordneten, einer von der CDU (Prof. Dr. Matthias Zimmer) und ein Parteikollege (Dr. Frithjof Schmidt ) insgesamt 42 000 Flugkilometer unterwegs, Business natürlich, alles andere wäre nicht zumutbar gewesen. Das Ganze war dienstlich, denn es lag eine Einladung der parlamentarischen Versammlung von Fidschi vor.“ – Das mußte sein, weil die grüne Bundestagsvizepräsidentin nicht als die hellste Kerze auf der Parlamentstorte gilt. Erst vor Ort auf Fidschi konnte sie davon überzeugt werden, daß die Fidschi-Inseln – genau wie die „Titanic“ anno 1912 – nicht wegen eines ansteigenden Meeresspiegels im Wasser versinken. Im Fall der Fidschi-Inseln liegt es daran, daß sich die ostpazifische Kontinentalplatte aufgrund einer tektonischen Verschiebung absenkt. Wäre die Bundestagsvizepräsidentin nicht dorthin geflogen, würde sie vermutlich heute noch die verkehrte Ansicht vertreten, der Meeresspiegel steige und verschlinge die Inseln. Böse Zungen behaupten, sie habe trotz ihrer beschwerlichen Flugreise zu den Fidschi-Inseln noch heute Probleme damit, das Wort „Plakettentonic“ … äh… „Plattentektonik“ auf Anhieb richtig auszusprechen. Es würde hier aber zu weit führen, die Frage zu erörtern, wo Claudia Roth noch überall hinfliegen müsste, um auch noch den letzten ihrer Irrtümer loszuwerden.

Vom Eiland zum Heiland: Einer nach dem anderen der grünen Heilande geht derweil baden. Al Gore ist entzaubert, weil entgegen seiner Ankündigung, bereits im Jahr 2013 würden die Polkappen abgeschmolzen sein, die Eismassen dort anwachsen. Jürgen Resch und seine Abmahnbande von der „Deutschen Umwelthilfe“ sind ebenfalls als gierige Raffkes entzaubert. Von der schwedischen Klimagretl ist allerweil auch nicht mehr viel zu hören. Zwar hat sie sich, nachdem „Weltklima“ wegen „Pandemie“ an medialem Stellenwert eingebüßt hatte, noch einmal als Top-Virenepidemiologin in Szene zu setzen versucht, aber wahrscheinlich konnte ihre verbiesterte Mimik ohnehin niemand mehr ertragen. Die deutsche „Klimagretl“, Luisa Neubauer, ist zwar wesentlich hübscher, aber die Klimaliese aus dem Hause Reemtsma erzählt dafür so viel dummes Zeug zum Antisemitismus anderer Leute, daß sie künftig nur noch als Centerfold für das Lifestylemagazin der Gehörlosen zu gebrauchen sein dürfte.

Aus den USA ist dieser Tage zu vernehmen, daß jene Gutgläubigen, die als erste auf hochentzündliche und reichweitenarme E-Autos umgestiegen waren, ihren Weg zum Verbrennungsmotor zurück gefunden hätten – usw.usf. – aber das alles ändert nichts daran, daß, wer heutzutage den ersten Preis bei „Schöner Denken“ abräumen will, immer noch am besten grünliches Zeug daherlabert. Mit sanfter Stimme schön daherreden kann man wahrscheinlich am besten in einem stattlichen Cadillac Escalade. Der Escalade ist ein Bild von einem SUV. Sogar Winfried Kretschmann dürfte sich dort komfortabel genug aufgehoben fühlen. Groß, schwer, üppig motorisiert, komfortabel, geräumig – und so leise, daß dem aufmerksamen Passagier nicht die kleinste Nuance in den ökologistischen Äußerungen seines grünen Lenkers entgehen dürfte. Was seiner Läuterung unter gesinnungstechnischen Gesichtspunkten überaus dienlich wäre.