Lug und Trug: Regierung gibt „keine Entwarnung“ für Sommer – trotz sinkender Inzidenzen

Bald wieder Lockdown und kein Ende? (Foto:Imago)

Was ist der Unterschied zwischen „Und täglich grüßt das Murmeltier“ und der Corona-Krise? Am Ende des Hollywood-Klassikers wacht sogar Phil Connors aus seiner Dauerschleife endlich auf. Die Freiheitseinschränkungen hingegen sind endlos – und jeder vermeintliche Silberstreif am Horizont erweist sich bald als nächste Fata Morgana. Da überrascht es nach acht Monaten Dauerlockdown kein bisschen, dass die Bundesregierung „trotz der Entspannung der Corona-Lage“ mal wieder keinen Anlass zur Entwarnung sieht.

Der neueste Pessimismus deckt nun nicht mehr prospektive Zeiträume von „ein paar Wochen“ oder „ein paar Monaten“ ab, in denen es nicht nur für Gesundheitsminister Jens Spahn oder RKI-Cheftierarzt Lothar Wieler „die Pobacken zusammenzudrücken“ gilt – sondern gleich den kompletten Sommer: In diesem sei noch mit keinen allzu großen Überraschungen und Freiheiten zu rechnen, erklärte gestern die Bundesregierung – und raubte damit den unverbrüchlichen Optimisten der Bevölkerung in ihrer treudoofen Duldungsstarre gleich wieder die nächste Portion Hoffnung.

Täglich fallende Neuinfektionszahlen und die „mit großem Schwung laufende Impfkampagne“ könnten zuversichtlich machen, aber „nicht voreilig„, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert gestern in Berlin laut „dts Nachrichtenagentur“: „Wir haben noch nicht die Voraussetzungen dafür erreicht, einen genauso entspannten Sommer wie letztes Jahr zu genießen.“ Abgesehen davon, dass schon der letzte Sommer eine Zumutung voller Einschränkungen von Maske bis Adressdokumentation bei jedem Feierabend war, und von Entspannung keine Rede sein kann: von „Genuss“ können nach 14 Monaten Corona wohl nur noch Masochisten sprechen.

Shift der Kriterien – und keiner hat’s gemerkt…

Die von Merkel im ersten Lockdown durch ihre „Verdoppelungsintervalle“ und beim R-Wert bereits angewandte, durch und durch miese Tour, trotz Erreichen ausgegebener Ziele am taktischen Daueralarmismus festzuhalten und Zwangsmaßnahmen unverändert weiterzuführen, indem eben ganz unbemerkt einfach ein Shift der Bedingungen vorgenommen wird, funktioniert in Deutschland nach wie vor: Aktuell sind, laut RKI, 83,1 gemeldete neue Fälle pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen zu verzeichnen – weniger als die Hälfte der Zahlen, die vor einem Monat doch angeblich noch Ausgangssperren notwendig gemacht hatten. Trotz dieses klaren Anlasses zu Entwarnungen ist nun, wie erwartet, von Öffnungen wieder keine Rede; stattdessen unkt die Regierung in Richtung lockerungswilliger Länder: Oberstes Ziel müsse bleiben, die Zahl der Ansteckungen „deutlich weiter zu senken„.

Äpfel mit Birnen verglichen

Und plötzlich wird wieder mal auf einen völlig neuen Wert abgestellt: Diesmal den Vorjahres-Inzidenz-Vergleichswert der jeweiligen Woche. Obwohl vor einem Jahr der 7-Tages-Schnitt noch gar keine pandemische Kennziffer war UND vor allem damals weniger als ein Viertel der heutigen Tests durchgeführt wurde (die zudem eine wesentlich niedrigere Vortestwahrscheinlichkeit abbildeten als die jetzigen, durch eine „Vorauswahl“ positiver Schnelltest selektierten PCR-Testungen, die demzufolge auch von einer rund 10-12 mal höheren Positivenrate als letzten Sommer geprägt sind!), werden Äpfel mit Birnen verglichen – und die heutigen Inzidenzwerte mit denen vor Jahresfrist verglichen.

Seibert ficht dies nicht an: Vor einem Jahr, so erklärt er unbeirrt, habe die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz „um diese Zeit bei fünf“ gelegen. Also ein Siebzehntel der jetzigen Größenordnung. Zwei wie gesagt überhaupt nicht vergleichbare Werte – doch sie sind ideal geeignet, um jetzt vom ursprünglich versprochenen Ziel (die Inzidenzen „unter 100“ zu drücken) ablenken, kaum dass es erreicht ist. Und selbst wenn der Bundesschnitt unter 50 sänke, würde sich daran nichts ändern – denn er wäre dann ja immer noch zehnmal so hoch wie letzten Sommer! Sogar bei einer Nullinzidenz gäbe es keine Entwarnung – denn es könnte ja sein, dass er wieder auf 1 klettert, und dann exponentiell auf 2 explodiert!

Triumphales Lügengebilde

Kein Zweifel, die Regierung hat gesiegt. Das Volk ist geschlagen. Inzwischen hat sie ihre untertänige Herde da, wo sie sie haben will: Niemand hinterfragt mehr den Sinn von Impfungen, die kein einziges der formulierten Impfziele erfüllen können (und per definitionem eigentlich gar keine Impfungen, sondern Gentherapien sind). Keiner muckt auf, wenn inzwischen schwarz auf weiß wohldokumentiert nachzulesen steht, dass die gesamte „Bundesnotbremse“ mit Ausgangssperren auf einer politischen Lüge über die angeblich kollapsgefährdeten Intensivstationen basierte.

Und niemand wundert sich, wieso nicht nur in den USA, in Russland und inzwischen auch weiten Teilen Europas nach und nach wieder „vorpandemische“ Normalität zurückgekehrt ist – während in Deutschland, auf Grundlage marginaler Willkür-Inzidenzen ohne jeden Aussagewert zur Krankheitslast, das öffentliche und soziale Leben weiter kujoniert und abgewürgt wird.

Der Wille, das Rückgrat und die Seele der Deutschen sind gebrochen, sie haben sich fatalistisch in ihr Schicksal gefügt, und ganz gemäß dem klassischen Stockholm-Syndrom haben sie ihre Kerkermeister und Sklavenhalter lieben gelernt. Sie wollen von der einmal gekosteten Unfreiheit gar nicht mehr lassen, seit man sie ihnen als altruistische Nächstenliebe, als Engagement für „Gerechtigkeit“ (ob für „vulnerable Risikogruppen“ oder die Klimazukunft kommender Generationen) schmackhaft gemacht und als moralische Noblesse veredelt hat. Vielleicht können sie es deshalb auch kaum erwarten, eine grüne Kanzlerin ins Amt zu wählen, die zwar weder die charakterlichen noch qualifikatorischen Voraussetzungen zur Führung einer 83-Millionen-Industrienation mitbringt, dafür jedoch die nahtlose Transformation der Pandemie-Einschränkungen zu Klima-Einschränkungen und „zivilgesellschaftlichen“ Opfern verheißt. (DM)