Die „Zeit“: Vom Intellektuellenblatt zum infantilen Zeitgeistblättchen

Ein Zeit-Redakteur bei der Arbeit (Symbolfoto: Von fran_kie/Shutterstock)

Könnte Helmut Schmidt, der verstorbene Altkanzler und Herausgeber der „Zeit“, heute noch lesen, was in seiner Zeitung allwöchentlich abgedruckt wird, dann würde er sich vor lauter Wut wahrscheinlich eine ganze Packung Mentholzigaretten in den Mund stecken, um seine Flüche für die Ohren der Öffentlichkeit zu dämpfen. Schmidt hatte Manieren. Bei Franz Josef Strauß wäre es anders. Der war zu seinen Lebzeiten bereits Nichtraucher und wäre deshalb deutlich vernehmbar, wenn es aus der Familiengruft heraus um Kommentare zu Schmidts ehemaliger Zeitung ginge. Eine Betrachtung.

von Max Erdinger

Es ist eine Begleiterscheinung unserer an Infantilisten so reichen Zeit, daß sich bald jedermann allezeit um sogenannte „sozialverträgliche Formulierungen“ bemüht. Dabei ist das ein ziemlich realitätsferner Scheißdreck. So löblich der Vorsatz auch ist, keine sensible Menschenseele durch allzu drastische Formulierungen zu erschüttern, so bringt diese naive Form der Rücksichtnahme doch einen herben Verlust an Deutlichkeit und Wahrheitsgehalt mit sich – und ermuntert die dümmsten, impertinentesten und bösartigsten Schandmäuler, es mit ihren Frechheiten auf die Spitze zu treiben. In dem Wissen, daß sich die Widerrede „gesittet“ zu geben hat, wird unverfroren der größte Bullshit verzapft.

Gleich zweimal bekommt meinereiner als Leseempfehlung auf der Startseite seines Browsers „Zeit“-Artikel angezeigt, einer verlogener und dämlicher als der andere. Daß die „Junge Freiheit“ nie empfohlen wird, ebenso wie „Tichys Einblick“, „Reitschuster.de“ oder der „Deutschland-Kurier“, um nur vier Publikationen zu nennen, die behandelt werden, als existierten sie nicht, läßt an Beihilfe zur Desinformation denken. Die scheint System zu haben.

Die beiden empfohlenen „Zeit“-Artikel

Der erste ist der hier: „Klimaschutz: Jetzt bitte mal konkret„, der zweite kommt mit der Schlagzeile „Woke, bis es ums Geld geht“ daher. Ihre innere Schlüssigkeit erhalten diese Bullshit-Machwerke allein dadurch, daß die Autoren ihr persönliches Wolkenkuckucksheim zuvor unausgesprochen in ein betoniertes Fundament uminterpretiert haben. Weil das in der Vergangenheit schon oft zu beobachten gewesen ist, gibt es auch das Wort „Betonköpfe“ schon lange. Und denoch wachsen neue Betonköpfe nach, als hätte sie jemand großzügig ausgesät.

Jetzt bitte mal konkret? – Aber gern. Frau Petra Pinzler freut sich schier ein Loch darüber in den Bauch, daß das Bundesverfassungsgericht ein entschiedeneres Handeln der Politik gegen den bösen Klimawandel verfügt hat – und daß deswegen die nächste Regierung in der Pflicht stehe, endlich zu „liefern“. Es geht um Klimaziele und darum, die globale Erwärmung noch früher, als ohnehin schon herbeiphantasiert, auf unter 1,5 Grad zu drücken. Nicht ein Gedanke daran, nirgends, daß es dem Weltklima samt dem „Treibhausgas CO2“ ziemlich schnuppe sein dürfte, was 1,15 Prozent der Weltbevölkerung in einem kleinen Land wie Deutschland unternehmen, um die Welt „auch für die nächsten Generationen lebenswert“ zu erhalten, während jüngst kolportiert wurde, daß der CO2-Ausstoß Chinas inzwischen den aller anderen Industrienationen zusammengenommen übersteigt. Fragen nach der Verhältnismäßigkeit des Beschlossenen werden in Deutschland schon gar nicht mehr gestellt. Und die „Menschengemachtheit“ des Klimawandels steht noch immer dogmatisch auf zivilreligiösen Glaubensgewißheiten fest, nicht auf wissenschaftlichen Unwiderlegbarkeiten. Dennoch heißt Grönland noch immer aus denselben Gründen Grönland, derentwegen es von den Wikingern einst so genannt worden ist.

Es geht wieder einmal um ein verfickt utopistisches „Weltprinzip made in Germany“. Und für Frau Petra Pinzler geht es in erster Linie darum, sich in eitler Selbstbespiegelung einen aussichtsreichen Platz auf der Anwärterliste für den ersten Preis bei „Schöner Denken“ zu sichern. Schön gedacht ist die deutschen Weltenrettung zweifellos. Das wär´s dann aber auch. In der Realität verankert ist sie nicht. Einen meßbaren Effekt auf das Weltklima wird das keinesfalls haben, wofür sich die Schriftpinzlerin bei der „Zeit“ begeistert; auf die Lebensfreude, die Freiheit und die deutsche Wirtschaft allerdings schon – und zwar ausschließlich negative Effekte. Mit anderen Worten: Frau Petra Pinzlers Schöndenkerei in der „Zeit“ ist schlicht und einfach komplett asozial. Totalitär ist ihre „Schöndenkerei“ sowieso. Zu Zeiten, als „sozialverträglicher Stil“ noch nicht Zwang gewesen ist, hätte man bedenkenlos kommentieren können, daß „die Alte“ einfach „strunzhummelblöd“ sei. Sozialprotestantische Hirnerweichung, vermutlich, in deren gräßlichem Krankheitsverlauf das vormals überall bekannte „Arschloch“ nicht etwa zur „Arschloch:in“ mutierte, sondern zum „Mitmenschen“, der einen „sozialethisch fragwürdigen Charakter“ hat. Grundlos sind „wir“ nicht allesamt unterschiedslos zu den „die Menschen“ degradiert worden.

Der Wokeness-Experte

Der nächste Schöndenker bei der „Zeit“ ist ein gewisser Herr Wimalasena. Er lieferte aus New York eine „Analyse“ zur Wokeness in den USA und bricht in heulsusigen Jammer aus angesichts der Tatsache, daß große Firmen in den USA seiner überaus geschätzten Wokeness nur mit Lippenbekenntnissen zur Seite stehen, jedoch kneifen, wenn sie ihren Lippenbekenntnissen auch noch ein paar Dollar hinterherwerfen müssten. Auch der Herr Wimalasena ist komplett außerstande, sich die wesentliche Frage zu stellen: Was für ein gottverdammter Totalitarist bin ich eigentlich? Nicht ein Gedanke des „Analysten“ Jörg Wimilasena daran, was die ganzen Bezeichnungen und Eigenbenennungen, mit denen er in seiner gedruckten Totalitaristenshow um sich wirft, in der Konsequenz eigentlich bedeuten. Was heißt „Gerechtigkeit unter den Ethnien“? Worin soll der Segen von „Diversitätsquoten“ bestehen? Wie lautet die korrekte Übersetzung von „Creative Investment Research“ im Zusammenhang mit „Diversitätsquoten“ und „Gerechtigkeit unter den Ethnien“? Was ist das alles anderes, als zeitgeistig aufpoliertes Kommunistengerotze? Hat die alte Katze neue Füße bekommen, oder was? Soll es keiner merken, oder wie? Was soll dieses bescheuerte Gejammer: „Der Coca-Cola-Konzern ist mittlerweile auch schon wieder von seinem Plan abgerückt, mit dem Unternehmen verbundene Kanzleien zur Erfüllung ethnischer Diversitätsquoten zu verpflichten.“ – ?? Wäre es gut, wenn in der Geschäftswelt ein Unternehmen seine Kooperation mit einem anderen davon abhängig machen würde, daß es gesinnungstechnisch „auf Linie“ ist? Was soll diese ubiquitäre Gesinnungs-Zwangsverpestung von allem und jedem? Gibt es nicht massenhaft Gegenargumente gegen diesen haltungsjournalistischen Gesinnungsterror? – Doch, gibt es. Warum finden sie keine Berücksichtigung? Ja, das war eine rhetorische Frage. „Wir“ wissen nur zu genau, warum sie keine Berücksichtigung im Geschreibsel dieser pestilenzartigen Figuren finden: Weil ihnen demokratische Gepflogenheiten nur so lange gefallen, wie sie selbst in ihrem Wahn davon profitieren können. Je stärker sie jedoch selbst unter argumentativen Druck geraten, desto totalitärer gerieren sie sich. Nicht im Traum denken diese Individuen daran, sich per besserem Argument die Schönheit ihrer komplett wahnsinnigen Utopien madig machen zu lassen. Das sind die systematischen „Gegenwartsnazis“ – eine widerliche Mischung von rot, braun und grün – niemand sonst! Rotlinkstotalitär ist das Wolkenkuckucksheim. „Denk“-systematisch braunlinkstotalitär sind die Methoden dieser zu jeglicher kritischen Selbstreflexion unfähigen Schriftgriffel in ihrem Wahn vom eigenen Moral-Ariertum, dem grünlichen. Das ist die wahre Seuche der Gegenwart.

Wie oft denn noch?

Es ist zum Verzweifeln, wenn man mitbekommt, wie die Erkenntnisse zur Psychologie der Massen mindestens zum dritten Mal binnen eines Jahrhunderts Anwendung bei einem traditionell bräsigen und apolitischen Volk finden, ohne daß es endlich einmal aufsteht, um klarzumachen, daß es sich diese zielgerichteten Hinterfotzigkeiten nicht noch ein drittes Mal bieten lassen wird. Kann es wirklich wahr sein, daß die Masse niemals etwas dazulernt? Ist die Demokratie wirklich derartig wehrlos gegen solche doktrinären Figuren, daß sie die gewähren lassen muß? Trägt die Demokratie ihre eigene Abschaffung bereits ihrer Idee nach in sich? Und hätte in einer Demokratie, in der solche stocktotalitären Individuen ihre „Berechtigung“ haben, nicht einer, sondern viele „McCarthys“ ebenso ihre Berechtigung? Oder hätten wir gar keine Demokratie mehr, sondern nur noch die Einbildung davon? Was soll eine „wehrhafte Demokratie“ eigentlich sein, wenn sie sich nicht wehrt gegen diejenigen, die sie für ihre eigenen ideologischen Zwecke lediglich ausnutzen, ansonsten aber mit Füßen treten? Gibt es wirklich keine Möglichkeit, das endlich und ein für allemal so zu regeln, daß künftige Generationen vor dieser pestilenzartigen Brut verschont bleiben? Feminismus, Egalitarismus, Ökologismus, Genderismus, Globalismus – was anderes, als die strategische Zerlegung des ganz großen Themas „Weltkommunismus“ in unverdächtig erscheinende – weil auf den ersten Blick in keinem Zusammenhang zueinander stehende – Kleinteile wäre denn diese mediale Dauerpropaganda, mit welcher dem deutschen Michel permanent das Gehirn gewaschen werden soll? Will er sich das wirklich noch länger bieten lassen? Wie blöde wird´s denn noch?

Es ist höchste Zeit, sich dieser miserablen Indoktrinatoren in den Medien endlich zu entledigen, auf daß Vernunft, Augenmaß, Selbstreflexion und Realitätssinn wieder den Rang zurückerhalten, den sie in einer Nation, die sich selbst noch immer als Kulturnation begreift, zwingend haben müssen. Es ist doch so: Wer in der Demokratie ein ums andere Mal erkennen läßt, daß er die Gedanken des anders Argumentierenden unberücksichtigt lassen will, der hat doch sein Einverständnis zu den totalitären Methoden bereits gegeben, mit denen er evtl. selbst mundtot gemacht werden könnte. Würden sich genau die Figuren, um die es hier geht, im Jammerton darüber beschweren, daß man sie zensiert, mundtot macht, ihre Publikationen totschweigt, sie übelst diffamiert, etikettiert und ins gesellschaftliche Aus schießt, dann hätte man eine ganz einfache Antwort für sie: „Worüber beschwert ihr euch eigentlich? Ihr habt es doch genau so vorgemacht! Ihr werdet schon an eurer eigenen „Medizin“ genesen. Zuversicht ist alles!“ – Und der Tag rückt näher, an dem die Deutungshoheit dieser medialen Heimsuchung in sich zusammenbricht. Hoffentlich erlebe ich´s noch.