Hund-Mensch-Übertragung von neuartigem Coronavirus: Müssen wir jetzt alle Hunde ausrotten?

Kein Erbarmen mit hilflosen Tieren: Coronazis in Australien (Foto:Imago/Schneider)

Etwas schon immer Dagewesenes plötzlich so wahrzunehmen, als sei es wie eine Geißel Gottes erstmalig und ganz neu über die Menschheit gekommen – das ist der massenpsychologische Impuls hinter der gesamten Corona-Pandemie von Beginn an. Hypervigilanz und Fixierung auf etwas, das zuvor mit Gelassenheit und rationaler Nüchternheit eingeordnet wurde (auch und gerade von den politisch Verantwortlichen), haben dafür gesorgt, dass Viren und ihre Mutationen heute in pathologischer Tiefe unsere Aufmerksamkeit, unser Denken und Fühlen beherrschen, für die sich zuvor nur eine fachkundige Minderheit interessiert hat.

Da ist es kein Wunder, dass inzwischen Forschungsstudien und Meldungen, die unter normalen Umständen allenfalls in wissenschaftlichen Publikationen von einer verschwindenden Minderheit von Nerds und Fachidioten rezipiert worden wären, inzwischen von Mainstreammedien begierig aufgegriffen und zu Sensationsmeldungen hochgeschrieben werden. „Whatever sells“ ist heute fast nur mehr vom Grad der größtmöglichen Verunsicherung und vom Panikpotential einer Nachricht abhängig – und jede vermeintliche Sensationsmeldung von exotischen Einzelfällen wird zum Aufregen.

So machte dieser Tage die Nachricht die Hunde, dass Forscher mal wieder ein „komplett neuartiges Coronavirus“ entdeckt haben, das den Haushund als möglichen Ursprung hatte. „Droht jetzt eine neue Pandemie?„, fragt etwa „InFranken“ besorgt, und sieht bereits die Gefahr einer neuen Zoonose, die „derzeit weltweit anerkannte Virologen“ beschäftige. Dass es hunderte im Menschen wirkende Corona-Stämme auch schon vor Sars-CoV2 gab, die stetigen Mutationen unterworfen waren und sind (und zwar ohne dass hierfür je einzelne Varianten nach Ländernamen identifiziert und publik gemacht wurden), bleibt da natürlich unerwähnt. Immerhin findet sich der Hinweis, es habe „ähnliche Sars-Mutationen bereits in den vergangenen 20 Jahren immer schon gegeben„.

Immer schon dagewesen – aber seit der Pandemie Anlass zu Panik 

Genau so ist es: es hat sie immer schon gegeben – wie auch den Austausch dieser Viren zwischen einzelnen Säugetierarten. Und deshalb wäre der Nachrichtenwert, dass nun canides Coronavirus vom Hund auf den Menschen übergesprungen sein soll, wie ein Forscherteam aus Malaysia in einer neuen Studie anhand eines Einzelfalls herausgefunden haben will, auch eigentlich gleich Null. Aber eben nicht inmitten einer sogenannten Pandemie, in der die jeweils nächste Eskalationsstufe gar nicht abgewartet werden kann. Dabei schreiben die malayischen Wissenschaftler selbst in ihrer Studie, dass seit vielen Jahren und mit „bemerkenswerter Regelmäßigkeit“ immer wieder neue Coronaviren-Mutationen durch Tiere auf den Menschen übertragen wurden.

Dass die Lage jetzt trotzdem als „ernst“ eingestuft wird, soll den Studienautoren zufolge daran liegen, dass das neue Hunde-Corona eine einzigartige, „besorgniserregende“ Mutation im Genom aufweise, die in keinem anderen bekannten Hunde-Coronavirus vorhanden sei – „sehr wohl aber in menschlichen Coronaviren„. Nur deshalb habe das Virus auf den Menschen überspringen können. Es sei allerdings noch nicht so ausgebildet, dass es den Menschen „effizient infizieren“ könne. Außerdem ist es derzeit nicht möglich, dass sich das Virus von einem Menschen zu einem anderen ausbreitet. Für Pessimisten und Unkenrufer klingt das verdächtig ähnlich wie die anfänglichen Erstmeldungen von Sars-CoV2…

Die Besessenheit, mit der hier in der populärwissenschaftlichen und gesellschaftlichen Sphäre die Ankunft des nächsten Horrorvirus anscheinend gar nicht abgewartet werden kann, und das Misstrauen gegen immer neue tierische Wirte – erst Zibetkatzen, Schweine und Vögel, dann Fledermäuse und Schuppentiere und jetzt dann wohl bald Hunde – lässt nichts Gutes ahnen. Sollte hier tatsächlich die nächste „Pandemie“ an den Start gehen, haben diesmal dann wohl wieder die städtischen Hundefänger Hochkonjunktur… denn vermutlich würden die deutschen Angstuntertanen sogar ihre treuesten Gefährten dem Gesundheitsschutz opfern, wenn die staatlichen und wissenschaftlichen Hohepriester dieses Opfer verlangen sollten. (DM)