Ist die „Indien-Mutante“ ein Schwindel? Selbst die WHO kennt sie nicht…

Krankenhaus in Neu-Delhi (Foto:Imago/Hindustan-Times)

In den hiesigen Medien wird seit Tagen die verkürzte Meldung verbreitet, Indiens Regierung habe den Begriff „indische Variante“ verboten und gehe gegen deren Gebrauch in sozialen Netzwerken und Onlinemedien vehement vor, weil sich dahinter eine Verunglimpfung der indischen Republik verberge. Tatsächlich zielt das Verbot Neu-Delhis in eine andere Richtung: Es wird nämlich die Existenz dieser Mutation per se in Frage gestellt. Anders ausgedrückt: eine „indische Variante“ gab wohl gar nicht.

In einer jetzt veröffentlichten amtlichen Erklärung des des indischen Ministeriums für Elektronik und Informationstechnologie verlangt die Behörde von den Social-Media-Plattformen (insbesondere Twitter und Facebook/Instagram), sämtliche Inhalte zu löschen, die über eine angebliche indische Corona-Variante berichten. Die Begründung ist ebenso einleuchtend wie irritierend – und trifft tatsächlich zu: Nicht einmal die WHO selbst führt eine sogenannte indische Variante mit der Bezeichnung B.1.617 in ihren Unterlagen und Bekanntmachungen auf.

(Quelle: Indische Regierung)

Dass die „dort zuerst entdeckte aktuelle Coronavirus-Mutante“  nicht mit dem Subkontinent in Verbindung gebracht werden möge, dafür schien gekränkte nationale Eitelkeit das bisherige Hauptmotiv der Inder zu sein. Liest man allerdings das obige Schreiben des Ministers, so steht die Existenz der Mutation – jedenfalls als eigene lokale Mutante – insgesamt in Frage.

Folgt mandeutschen Mainstreammedien wie etwa dem „Deutschlandfunk„, so stehe hier „neben der Sorge vor Stigmatisierung“ auch die Tatsache im Raum, dass „die hindunationalistische Regierung von Premierminister Modi wegen der gravierenden Ausmaße der Pandemie in Indien stark unter Druck steht„, so die Staatsfunker.

„Indische Mutante“: Für deutsche Journalisten natürlich nicht rassistisch

Bemerkenswert hieran: Dieselben deutschen Medien, die sich jetzt fast spöttisch-herablassend über die gekränkten Inder mokieren, die tatsächlich zu Unrecht mit einer angeblich todbringenden „Mutante“ assoziiert werden, schlugen vor Jahresfrist noch Donald Trump ans Kreuz, weil dieser vom „Chinesischen Virus“ gesprochen hatte und damit anti-asiatischen „Rassismus“ angefacht habe.

Dabei gibt es myriardenfach mehr gute Gründe und Anlässe, bei Sars-CoV2 tatsächlich von einem China-Virus zu reden, als irgendeine (nicht einmal von der WHO verwendete) Variante mit der Bezeichnung „indische Mutation“ zu belegen. (DM)