Zusammenbrechende Lieferketten und Hyperinflation: Die Einschläge kommen näher

Leere Regale - ein demnächst wohl immer häufigeres Bild (Foto:Imago/UPIFoto)

Während die meisten Menschen in Deutschland dem Irrglauben nachhängen, im Großen und Ganzen sei die Corona-Krise zwar ein lästiges Ärgernis, aber unser Staat würde die Herausforderung schon meistern und wirtschaftlich wären die Folgen beherrschbar, der wird sehr bald hart mit einer der unbequemen Realität konfrontiert werden: Das dicke Ende kommt erst noch – durch Inflation und zusammenbrechende Versorgungsketten. Lieferprobleme und Materialengpässe sind nur die ersten Vorboten dieser unheilvollen Zwangsläufigkeit.

Währen die Grundversorgung zwar (noch) gedeckt ist, werden immer mehr Industriezweige – vor allem Zuliefererbetriebe – und Online-Händler von den Auswirkungen der pandemiebedingten Störungen in den Nachschublinien erfasst. Derzeit werden weitgehend noch Lagerbestände abgebaut – doch deren Wiederauffüllung ist in etlichen Branchen ein Ding der Unmöglichkeit. Nie gekannte Lieferprobleme tun sich nicht nur bei in Fernost gefertigten Konsumartikeln, sondern auch in der Automobilindustrie, in der Fertigungstechnik oder Unterhaltungselektronik auf. „Lieferbar voraussichtlich ab – ???“, zuweilen schon mit Zieldaten von 2022 versehen, verunsichern nicht nur Kunden von Amazon, sondern auch vieler anderer eCommerce-Fachhändler.

Und mittlerweile machen sich die Engpässe auch in weitauis elementareren Sektoren bemerkbar – zum Beispiel in der Bauwirtschaft. So hat sich zuletzt auf Deutschlands Baustellen hat das Materialproblem massiv verschärft, wie aus einer Erhebung des Münchener Ifo-Instituts hervorgeht, die am Dienstag veröffentlicht wurde: Demnach berichteten im Hochbau 43,9 Prozent der Firmen für Mai 2021, sie hätten teils erhebliche Probleme, rechtzeitig Baustoffe zu beschaffen. Damit setzt sich ein fataler Trend fort: Im April waren es noch 23,9 gewesen (zum Vergleich: im März nur 5,6 Prozent); auch im Tiefbau ist die Lage angespannt; dort waren im Mai bereits 33,5 Prozent betroffen.

Noch ist die Kapazitätsauslastung der Branche hoch. Aber die Lieferengpässe machen immer mehr Unternehmen Sorgen„, so Ifo-Experte Felix Leiss laut „dts Nachrichtenagentur“. Die rasant steigenden Rohstoffpreise machten allen zunehmend zu schaffen. Auch in der holzverarbeitenden Industrie wird es langsam ernst: Die Preise für Schnittholz sind in den letzten Monaten geradezu explodiert, die Sägewerke kommen nicht mehr hinterher, so Leiss. Und auch Stahl hat sich bereits erheblich verteuert. Vor allem jedoch sind Dämm-Materialien und verschiedene Kunststoffe so knapp, dass vielerorts die Produktion stillsteht. So etwas hat es in Deutschland seit dem Krieg nicht mehr gegeben.

Firmen zunehmend in großer Sorge

Es ist ein Treppenwitz, dass die Bundesregierung in dieser Situation noch die Chuzpe hat bzw. die Muße findet, das ideologische und wirtschaftsfeindliche „Lieferketten-Gesetz“ auf den Weg zu bringen, auf das sich vorgestern die Koalition einigte und das deutsche Unternehmen für Klimaschutz- und Sozialstandards bis hin zu den Arbeitsbedingungen ihrer Zuliefererfirmen in Mithaftung nimmt; das bereits real existierende Problem bestehender Angebote durch Engpässe wird so noch durch künstliche Hürden weiter akzeleriert.

Dass der Konsum – als Folge pandemiebedingt- globalwirtschaftlicher und demnächst auch politischer Bevormundungsexzesse gestörter Lieferketten – demnächst noch weit größeren Schaden nehmen und es für viele Deutsche bald ein böses Erwachen geben könnte (das bei mancheinem ungute Reminiszenzen an DDR-Zeiten wecken dürfte), hat noch einen weiteren Grund: Die sich erbarmungslos ankündigende Inflation. Noch rollt diese so langsam, dass die wenigsten ihre Auswirkungen bemerken – doch die Anzeichen sind untrüglich.

So steigen derzeit die Preise so schnell wie seit zehn Jahren nicht mehr; die Teuerungsrate liegt bei 2,5 Prozent. Angesichts der coronabedingten Zumutungen fällt es bislang kaum auf, dass Löhne, Renten und Ersparnisse langsam aufgefressen werden. Hingegen sind die Preiszuwächse bei täglichen Bedarfsartikeln und Sprit (hier 24,9 Prozent Anstieg zum Vorjahr!) besonders extrem. Heizöl ist mit 21,1 Prozent über ein Fünftel teurer im Vorjahr. Auch bei Obst und Gemüse sind die Preise hochgeschossen; Erdbeeren oder Himbeeren kosten 15,1 Prozent mehr. Insgesamt kletterten die Verbraucherpreis um 2,5 Prozent zum Vorjahr. Seit über 10 Jahren gab es keinen solchen Preisanstieg mehr – was damals allerdings eine statistische Folge des anziehenden Wirtschaftswachstums in den Jahren nach der letzten Finanzkrise war.

Sinkende Löhne, steigende Preise – und Minuszinsen

Ein Ende des Preisschubs ist nicht in Sicht, so „Bild„:  Die Bundesbank rechnet bis Jahresende sogar mit bis zu 4 Prozent Inflation – womit die Teuerungsrate dann erstmals alarmierende Dimensionen erreicht. Verheerend wirkt sich für die meisten Arbeitnehmer dabei aus, dass ihre Löhne 2021 im Schnitt um gut ein Prozent sinken dürften. Bereits 2020 betrug das durchschnittliche Minus real 1,1 Prozent, als Folge der wiederum pandemiebedingten Nulltarifrunden. Diese gehen zunehmend auch zulasten der Renten.

Zu allem Überfluss setzt die Europäische Zentralbank ihre ruinöse Nullzinspolitik unbeirrt fort – zulasten der deutschen Sparguthaben und Vermögenswerte. Deutsche Banken verhängen immer öfter Strafzinsen. Belohnt wird hingegen, wer auf Pump lebt. Der Staat macht es vor – mit seinen bodenlosen Geldverteilungsexzessen und mit der demnächst auch noch europaweiten Schuldenunion, die Pleitestaaten nach dem Gießkannenprinzip mit Krediten versorgt.

Bayerns CSU-Finanzminister Albert Füracker bringt die Abwärtsspirale in „Bild“ auf den Punkt: „In Kombination mit der nun steigenden Inflation wird die Enteignung für Sparer immer spürbarer.“ Einziger „Trost“: Wenn immer mehr Unternehmen pleitegehen und Lieferprobleme den Konsum so stark beeinträchtigen, dass es eh bald nichts mehr zu kaufen gibt, dann fällt den Verbrauchen umso weniger auf, dass ihr Geld nichts mehr wert ist… (DM)