Kanzleramtschef Helge Braun darf Doktortitel behalten – er muss nur „nachbessern“

Helge Braun (Foto: Bundesregierung/Kugler)
Helge Braun (Foto: Bundesregierung/Kugler)

Merkels Kanzleramtschef Helge Braun darf seinen Doktortitel behalten. Seine 2007 erstellte Dissertation ist so unsauber wie ein Bahnhofsklo – die zuständige Uni Gießen stellte jedoch nur „formale Fehler“, aber keine „Täuschungsabsichten“ fest. Jetzt hat Herr Braun ein halbes Jahr Zeit, seine Arbeit „nachzubessern“. 

Helge Braun ist seit März 2018 Merkels „Chef des Bundeskanzleramts und Bundesminister für besondere Aufgaben“. Roland Tichy schreibt  Ende März über den Parteisoldaten Braun: „Kanzleramtschef Helge Braun, er ist die wandelnde Fehlerkultur der Regierung Merkel. Er hat nach ihr das zweitwichtigste Amt: ihr Manager. Über seinen Schreibtisch läuft alles. Alles“.

Die Doktorarbeit von „Merkels wandelnder Fehlerkultur“ wurde von der Gießener Universität auf Verstöße gegen wissenschaftliche Standards überprüft, nämlich „auf mögliche Überschneidungen mit anderen Schriften“, worum Braun nach dem Aufkommen solcher Vorwürfe selbst gebeten hat. Eine mittlerweile gängige Praxis bei Politikern, die im Verdacht stehen, sich am geistigen Eigentum anderer gütlich getan zu haben und dies als eigene Leistung ausgaben.

Und nun – Überraschung geht anders – teilt die Gießener Justus-Liebig-Universität am Mittwoch mit, man habe keine Täuschungsabsichten feststellen können, ein Entzug des Doktortitels komme nicht in Betracht. Laut der Kommission fehlten aber an „einigen Stellen detaillierte Einzelnachweise“. Braun müsse daher die Dissertation an den betroffenen Stellen korrigieren. Dafür habe er sechs Monate Zeit.

Der 49-jährige CDU-Funktionär, Braun promovierte 2007 im Alter von 35 Jahren zum Doktor der Medizin und soll sich in seiner unsauberen Arbeit mit dem Einfluss intraoperativer Tachykardien (Herzrasen während einer Operation) auf die postoperative Prognose befasst haben, freut sich indes und zwitschert in die Welt:

Karl Theodor zu Guttenberg, Angela Merkels Busenfreundin Annette Schavan, knapp vorbei geschrammt Ursula von der Leyen, das SPD-Gewächs Franziska Giffey und noch ein Dutzend anderer Politikgestalten aus der ersten Reihe, haben neben anderen unappetitlichen Eigenschaften gemein, dass sie bei der Erstellung ihrer Doktor­arbeit plagiiert haben.

Von keinen der Genannten aus der langen Plagiatskandidatenliste ist jedoch bekannt, dass sie für ihre Betrügereien neben dem Entzug des herbeigeschummelten Doktortitels ein Bußgeld bezahlt hätten. Denn: Jedes Bundesland hat neben den Verwaltungsverfahrensgesetzen zur Rücknahme von Verwaltungsakten – die Vergabe des Doktortitels gehört dazu – im Landeshochschulgesetz oftmals Spezialregelungen in Verbindung mit der Promotionsordnung. Nach diesen können neben dem Entzug des Doktortitels Bußgelder in bis zu sechsstelliger Höhe anfallen.

Das „Nacharbeiten“ der Doktorarbeit wie im Fall von Merkels Kanzleramtschef Braun scheint auch keine Verfahren zu sein, das der „Normalplagiator“ für sich in Anspruch nehmen kann. Das Portal „Anwaltsauskunft“ schreibt hierzu: „Manche Hochschulen erlauben dies, vor allem in der jüngeren Vergangenheit. Es wird dann eine Rüge ausgesprochen und der Doktorand arbeitet nach. Das ist zum Teil auch eine Maßnahme der Hochschulen, um ihren Ruf zu wahren. Wenn nämlich im Nachhinein herauskommt, dass der Doktorvater nicht richtig geprüft hat, ist das für die Reputation der Uni ja nicht gerade vorteilhaft“.

Davon, dass Merkels „wandelnde Fehlerkultur“ Braun eine Rüge von der Gießener Justus-Liebig-Universität erhalten hätte, womit  „nacharbeitenden“ Doktoranten, selten aber dennoch, sanktioniert werden, scheint aber auf Dr. Braun nicht zuzutreffen.

Im Kommentarbereich der „Welt“ hält sich das Verständnis für so viel Nachsicht in Grenzen:

„Aha, er soll nachbessern, was viele Jahre (2007) zurück liegt. Darf ich jetzt auch mein Abitur oder mein Vordiplom oder mein Diplom „nachbessern“ ? Gleiches Recht für alle – oder gilt das nicht mehr, weil eben manche „gleicher“ sind ? Deutschland auf dem Weg in eine Bananenrepublik.“

„Braun hat leider keine 6 Monate Zeit, die „formalen Fehler“, die er als einflussreicher Bundeskanzleramtschef verbrochen hat, wieder in Ordnung zu bringen. Tote kann man nicht wieder zum Leben erwecken. Diese Regierungs-Equipe ist wirklich eine Gurkentruppe, von Merkels Gnaden. Sowas muss man erst einmal zusammen bringen. Widerwärtig!“

„Alles nur Rosstäuscher! Unsere politische Klasse ist korrupt (Maskenaffäre, Aktienoptionen) und es sind Täuscher (Giffey, zu Guttenberg, Schavan, Koch-Mehrin, ….). Und wir haben sie per Wahl zu unseren Führenden gemacht.“

„Echt jetzt, das ist das aktuelle Uni-Niveau? Man kann seine fehlerhafte Prüfungsleistung „nachbessern“? Und keiner stutzt, keine Dienstaufsicht, keine Staatsanwaltschaft, keine Uni-Selbstverwaltung, niemanden interessiert’s? Kein Professor / Betreuer bekommt was auf die Finger für offensichtlich nicht erfolgte Betreuung und sachgerechte Prüfung der Arbeit? Irgendwas läuft hier schief, aber richtig…“

„Schoen waers wenn Braun nur seine Dissertation vermurkst haette, da koennten wir locker damit leben. Leider hat Herr Braun die deutsche Coronapolitik (mit-)vermurkst, zusammen mit anderen akademisch geadelten Damen und Herren. Ergebnis: 8 Monate mehr lockdown als Schweden und nur 0,3 Tote pro 1000 Einwohner weniger als Schweden. Da kann man nur sagen: Summa cum Laude, Merkel, Drosten und Lauterbach! Grandios!“

(SB)