Die Inflation steht vor der Tür: Rohstoffknappheit, Lieferengpässe, steigende Preise

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Rohstoffe werden teurer, der Transport wird teurer, die Löhne steigen, das Material wird knapp und teuer: Die Vorboten der Inflation werden immer sichtbarer, und immer größer wird in der deutschen Wirtschaft die Sorge, dass knappe Rohstoffe und steigende Energiepreise die konjunkturelle Erholung infolge des Corona-Desastern ausbremsen oder ganz verhindern könnten. Inzwischen sehen zwei Drittel der Industriebetriebe die Energie- und Rohstoffpreise als Gefahr für ihre wirtschaftliche Entwicklung.

Diese Zahl ist ein alarmierender Anstieg gegenüber Jahresbeginn, als „nur“ 45 Prozent der Firmen so pessimistisch dachten. Schlimmer noch: Neben dem Aufschwung ist ab einem gewissen Kipppunkt auch die Grundversorgung gefährdet. In der besagten Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), über die diverse Medien heute berichten, wird kein anderes Risiko häufiger genannt als die aktuellen Rohstoffknappheit, von der insbesondere Metalle, Mineralien, Kunststoffe und Holz betroffen sind. Insbesondere Metallverarbeitende Betriebe klagen darüber, dass Aluminium sowie höhere Güteklassen Stahl „derzeit und auf mittlere Sicht nicht verfügbar“ seien. Auch Maschinenbauer melden längere Lieferzeiten. In der Holzindustrie sei es aus Mangel an Nachschub bereits zu Produktionsstopps gekommen, auch in der kunststoffverarbeitenden Industrie gebe es Einschränkungen.

Die Lageeinschätzung der Unternehmen wird von Wirtschaftsexperten geteilt. So befürchtet auch Ifo-Präsident Clemens Fuest, dass die Versorgungsengpässe der Wirtschaft mit Rohstoffen und Vorprodukten eine ökonomische Renormalisierung aufhalten oder gar verunmöglichen könnten: „Es gibt auch eine besorgniserregende Knappheit. Etwa wenn Halbleiterfabriken wegen der Pandemie nicht richtig produzieren können, der Suezkanal blockiert ist oder sich durch Zölle und andere staatlich gesetzte Handelsbeschränkungen Lieferungen verzögern und verteuern„, so Fuest zur „Zeit„.

Preiserhöhungen in der Gastronomie durch Lohnsteigerungen?

Auch in einer aktuellen Ifo-Umfrage hatte fast die Hälfte der Unternehmen angegeben, Lieferprobleme bei Zwischenprodukten zu haben – der Anteil sei noch nie so hoch gewesen. All dies bremse die wirtschaftliche Erholung aus, sagte Fuest. Hinzu komme eine Verknappung mancher Produkte, weil anderswo auf der Welt die Nachfrage durch heißlaufenden Wiederaufschwung so durch die Decke schieße, dass es zu Engpässen auf dem Weltmarkt kommt –  zum Beispiel, wenn immer Firmen in Fernost Halbleiter brauchten und deshalb die Preis stiegen.

Für den deutschen Fachkräftemangel hat Fuest eine reichlich naive, seiner theoretisch Sichtweise geschuldete Empfehlung: Einfach die Löhne raufsetzen! So rät er dem Hotel- und Gaststättengewerbe, das aktuell kaum Servicekräfte findet, weil diese nach acht Monaten staatlicher Zwangsstillegung Jobs in anderen Branchen gefunden haben: „Es gibt eine einfache Antwort – die Löhne müssen steigen„. Wenn Gastwirte für zehn Euro die Stunde niemanden fänden, „muss ich wohl zwölf Euro bieten, vielleicht auch mehr„. Welch eine „geniale“ Idee – denn wie diese Mehrkosten dann gegenfinanziert werden, ist unvermeidlich: Über Preiserhöhungen. Soll das Bier dann am Ende 30 Euro kosten? Damit hätten sich dann auch künftige Lockdowns von selbst erledigt – denn bei solchen Tarifen geht keiner mehr in die Kneipe. (DM)