Von wegen „diktatursozialisierte“ AfD-Wähler: Im Osten sind die wahren Demokraten

(Symbolbild:Imago)

Die unerträgliche Arroganz der von einem ausgesprochen „westlichen“ Blickwinkel geprägten Regierungseliten, den AfD-Erfolg in den ostdeutschen Ländern auf eine „Diktatursozialisation“ zurückzuführen, zeugt davon, wie abgehoben die politischen Eliten inzwischen sind – und wie wenig sie 32 Jahre nach dem Mauerfall verstanden haben, wie die Bürger in den neuen Ländern ticken.

Staatsbürgerlich ist dort nämlich, anders als im dekadenten Westen, eben noch nicht Hopfen und Malz verloren, was Bewusstsein für Heimat, Wertschätzung für die eigene Geschichte und Identität und Traditionen bedeuten. Wenn es um demokratische Wachsamkeit und bürgerliche Autonomie geht, dann sind die Ossis vermutlich die weit besseren Demokraten: Sie lassen sich nicht vom „Zeitgeist“ überrollen und haben, bedingt durch ihre Vergangenheit, ein gesundes Misstrauen gegenüber einem staatspolitischen institutionellen Überbau, der ihnen vorschreibt, was sie zu sagen und zu denken haben.

So gesehen ist die „Diktatursozialisierung“ segensreich, da sie den Wert der Freiheit unauslöschlich in den Köpfen verankert hat – der den wohlstandsverwahrlosten Westdeutschen abhandengekommen ist, die bürgerliche Grundrechte für etwas so selbstverständliches halten, dass es nicht einfach so verloren gehen könne (nicht einmal durch ein „Infektionsschutzgesetz“).

Dass die Theorie der „diktatursozialisierten“ AfD-Wähler, die zuerst Merkels oberster Ost-Verhetzer Marco Wanderwitz aufs Tapet gebracht hatte, ein blühender Unsinn ist, wird schon daran ersichtlich, dass die unter 30-jährigen in Sachsen-Anhalt mehrheitlich mit der AfD sympathisieren bzw. sie in dieser Gruppe am stärksten war – also bei denen, die überhaupt keine DDR-Sozialisation erfahren haben konnten.

Blühender Blödsinn

Und was gestern Abend Sahra Wagenknecht bei „Anne Will“ treffend entgegnete, stimmt natürlich uneingeschränkt: In ganz Europa sind die „Rechtspopulisten“, die verbliebenen bürgerlich-konservativen Kräfte – vom Wählerreservoire in etwa gleich stark. In welcher Diktatur sind dann eigentlich die Franzosen sozialisiert worden, die zu 20 Prozent hinter Marine Le Pens Rassemblement National stehen?

Zudem müsste in Deutschlands Osten –  wenn Wanderwitz‘ krude Theorie zuträfe – dann wohl eher eine hohe Affinität für die Ex-Mauerschützenpartei SED bestehen – und danach sah es ja tatsächlich in den ersten Nachwendejahren aus und es war die CDU, die damals – durchaus angebracht (und mit ähnlicher Verve wie heute gegen die AfD) – die „Rote-Socken-Kampagne“ lostrat, um diese Fehlentwicklung, diesen Rückfall in den Sozialismus zu verhindern.

Heute steht die Union – mit dem kompletten Linksparteienblick – selbst für diesen Sozialismus, und dass sie in Sachsen-Anhalt so passabel abschnitt, liegt – neben der Person Reiner Haseloff als vertrauenserweckenden Ministerpräsidenten – gerade daran, dass sie sich dort immer deutlich konservativer präsentiert hat als im Rest der Laschet-Luschenpartei. (DM)