Wie tief steckt Drosten im Wuhan-Sumpf?

Drosten sonnt sich im Glanz der Medien (Foto:Imago/xim.gs)

Während sich immer mehr die Hinweise darauf verdichten, dass Sars-CoV2 tatsächlich auf einen Laborunfall in Wuhan zurückging, der in einer der größten Vertuschungsaktionen durch die chinesische Regierung verschleiert werden sollte, hält Deutschlands virologischer Hohepriester Christian Drosten tapfer und unbeirrt am Gegenteil fest: Es gäbe „keine Belege“ für die Hypothese, so der Charité-Professor, der seine chinesischen Kollegen vehement verteidigt. Die Tatsache, dass Drosten als Entwickler des PCR-Tests und gefragter Regierungsexperte selbst eine tragende Figur dieser Pandemie ist, weckt Zweifel an seiner Unbefangenheit.

Was monatelang als krude Verschwörungstheorie galt, wurde in Deutschland in den etablierten Medien erstmals Mitte Februar durch eine ausführliche Studie des Hamburger Nanowissenschaftlers Roland Wiesendanger thematisiert: Für einen Laborunfall sprechen zumindest objektiv die meisten Indizien, keine andere Erklärung ist plausibler als diese. Das das Coronavirus Ergebnis des Laborunfalls war, der Ende 2019 – zunächst im Ausland kaum beachtet – zur hektischen Abriegelung Wuhans durch das chinesische Militär und einem anschließendem lokalen Ausbruchsgeschehen führte, wurde seither von immer mehr seriösen Quellen und Insidern aufgegriffen.

In einem Bericht des „Wall Street Journal“ vor zwei Wochen wurde dann unter Berufung auf US-Geheimdienstinformationen berichtet, damals –  im November 2019 – wären als erstes drei Mitarbeiter des Wuhan Institute of Virology (WIV) mit Erkältungssymptomen so schwer erkrankt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die „Welt“ schreibt: Seither wird „auch unter Wissenschaftlern… die These vom Laborunfall zunehmend offener diskutiert. Endgültig befreit aus der Schmuddelecke der Verschwörungstheorien und nationalen Scharfmacher wurde sie am 14. Mai durch eine Veröffentlichung im angesehenen ‚Science‘-Magazin.“ In dem besagten Artikel forderte 18 Autoren, darunter führende Corona-Forscher, in einem offenen Appell: „Untersucht den Ursprung von Covid-19!„.

Drosten war natürlich nicht darunter; dafür aber junge, ehrgeizige Wissenschaftler wie Alina Chan, die am Broad Institute des MIT und an der Harvard University forscht und sich schon früh intensiv mit der Pandemie beschäftigt hat: „Es gibt keinen Beweis für die These eines Laborunfalls, aber genauso wenig gibt es Beweise für einen natürlichen Ursprung„, so die Forscherin laut „Welt.“ Für sie hat der politisch geschönte Untersuchungsbericht der WHO vom 30. März den Ausschlag gegeben, die Stimme zu erheben, der einen Laborunfall als „extrem unwahrscheinlich“ einstuft. In Deutschland hält hingegen Drosten unverbrüchlich an ebendieser WHO-Einschätzung fest.

Natürliche Entstehung noch unwahrscheinlicher als Labor-Hypothese

Doch es gibt auch WHO-Berater, die ganz anders denken –  etwa der US-Sicherheitsexperte Jamie Metzl, seines Zeichens Experte für Zukunftstechnologien und Geopolitik, der sei einem Jahr die Labor-These vertritt und fundierte Indizien gesammelt hat. In einem aktuellen „Welt„-Interview wertet er die Tatsache, dass China eine transparente Aufklärung blockiert, als „Angriff auf die globale Sicherheit„. Für ihn ist es am naheliegendsten, dass es bei der Bildung von Virus-Chimären zu den Ausbruch kam – nur so ist auch die massive anschließende Vertuschung zu erklären. Ob es allerdings durch sogenannte „Gain-of-function„-Experimente zu einer Panne kam, gar durch ein künstliches „Design“ des Virus, welches schief ging, hält Metz für ausgeschlossen. Eine gezielte Biowaffe durch Genommanipulation würde die derzeitigen technischen Fertigkeiten und Möglichkeiten bei Weitem übersteigen. Dennoch sei das chinesische Militär immer stark in die Virenforschung eingebunden gewesen. Die Möglichkeit einer natürlichen Entstehung durch Zoonose, an der Christian Drosten festhält, hält Metz für unwahrscheinlich.

Stur bleibt Drosten jedoch bei seiner Überzeugung, das Virus sei natürlichen Ursprungs. Auffällig: Schon ganz zu Beginn der Pandemie – im Februar 2020, als dies wirklich niemand mit Bestimmtheit hätte sagen können – unterschrieb Drosten ein Statement internationaler Forscher im Fachmagazin „The Lancet“, das sich klar gegen die Labor-Theorie aussprach, wie die „B.Z.“ heute erinnert. Darin hieß es: „Gemeinsam verurteilen wir auf das Schärfste Verschwörungstheorien, die behaupten, dass Covid-19 keinen natürlichen Ursprung hat.“ Trotz der inzwischen massiven Indizien für die Richtigkeit des Gegenteils bleibt Drosten trotzig dieser Haltung treu – und sieht „keine Belege“ für die Vorwürfe gegen seine Wuhaner Wissenschaftskollegen.

Lediglich hat sich seine Theorie zum Ursprungsort modifiziert: Für ihn ist inzwischen die chinesische Pelzindustrie der Entstehungsort, nicht mehr Fledermäuse plus Zwischenwirt auf dem Nachtmarkt von Wuhan. Ob Drosten sich weigert, etwa dieselben Studien wie seine Kollegen aus den USA oder aus Hamburg zu lesen – oder ob er von der Labor-These deshalb nichts wissen will, weil sie seine eigene Forschung (insbesondere die von der WHO weltweit propagierte und hundertmillionenfach angewandte PCR-Diagnostik, die auf seine Arbeit zurückgeht) in ein schales Licht tauchen würde? Tritt er hier – als ruhmreicher Held und Profiteur dieser Pandemie (zumindest was den Zugewinn an Prominenz anlangt) – etwa die Flucht nach vorne an? (DM)