Veranstaltungen unter staatlicher Kontrolle: Feine Sahne Fischfilet ja, Xavier Naidoo nein?

Es war einmal...(Foto: Von Goran Djukanovic/Shutterstock)

Berlin – Gerade eben wurde die pandemische Lage bis in den September hinein verlängert und wenn es dann wieder losgeht, weil die nächste Grippesaison gestartet ist, geht auch diese Verlängerung noch einmal, oder gleich mehrmals in die Verlängerung. Es wird also nichts mehr so sein, wie es einmal war. Dazu lässt es sich in dieser ewigen Ausnahmesituation einfach zu bequem durchregieren.

Von daher bleibt der Wunsch, wieder einmal ein größeres Event zu genießen wohl ein Traum, auch wenn das einige Veranstalter anders sehen:

Die Chancen, dass es in diesem Sommer noch große Konzerte geben wird, sieht Stephan Thanscheidt, Geschäftsführer des Veranstalters FKP Scorpio, auf jeden Fall schon mal skeptisch. Als möglichen Zeitpunkt für einen vorsichtigen Neustart des Konzertlebens nennt er November oder Dezember dieses Jahres. Aber erst 2022 werde die Branche wieder richtig loslegen: „Mit dem wirtschaftlich komplett tragfähigen Geschäft, wie wir es kennen, und all den Dingen, die wir uns so lange zurückwünschen, rechnen wir erst im nächsten Jahr wieder zu hundert Prozent“, sagte Thanscheidt der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ).

Dafür fordert die Veranstaltungsbranche von der Politik einheitliche Öffnungsszenarien in Deutschland. „Nachdem Hilfsprogramme und Sonderfonds mittlerweile auf dem Weg sind, fordern wir nun von der Politik wirklich eine kontrollierte und geordnete, am besten über alle Bundesländer gleich ausgerollte Öffnungsstrategie, die uns und der gesamten Wertschöpfungskette, die an uns hängt, eine gewisse Planungssicherheit gibt“, sagte Thanscheidt. FKP Scorpio zählt zu den größten Veranstaltern von Pop- und Rockkonzerten in Deutschland.

Unter anderem führt das Unternehmen das Hurricane-, das Southside- und das Deichbrandt-Festival durch. Diese Festivals wurden für diesen Sommer wie eine Reihe weiterer Festivals nach 2020 zum zweiten Mal um ein Jahr verschoben. Das setzte die Branche unter Druck, zumal die ersten Hilfsprogramme nur schlecht gegriffen haben.

„Die ersten vorsichtigen Gehversuche waren `Neustart Kultur`, die Überbrückungshilfen – das war teilweise sehr unglücklich, hat sich dann aber zum Besseren entwickelt“, so Thanscheidt. Als Vorstandsmitglied im Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) war Thanscheidt mit Beginn der Pandemie an Gesprächen mit Vertretern aus der Politik beteiligt. Er hat damit eine Branche vertreten, die zwar einerseits rund 1,5 Millionen Arbeitnehmer vertrete, andererseits sehr divers sei: „Wir sind schwer zu greifen, in teilweise sehr viele kleine Untereinheiten aufgegliedert“, sagte Thanscheidt.

Außerdem sei die Branche bisher weitgehend ohne staatliche Unterstützung ausgekommen: „Tatsächlich hat unsere Branche in dieser Form noch nie Hilfe benötigt.“ Umso mehr begrüßt der FKP-Scorpio-Geschäftsführer den neuen Sonderfonds des Bundes für Konzertveranstaltungen – an dessen Ausgestaltung er selbst mitgewirkt hat. „Das ist definitiv eine Hilfe, weil dieses Programm absichert, was wir jetzt planen und zukünftig durchführen wollen, vor allem mit Blick auf 2022, aber auch auf den Rest des Jahres 2021.“ Der Staat steigere so den unternehmerischen Mut, sagte Thanscheidt. „Damit soll nicht nur der Kulturbetrieb in unseren Firmen positiv beflügelt werden, sondern die gesamte Wertschöpfungskette zurück zur schmerzlich vermissten Arbeit bringen, mit insgesamt 1,5 Millionen Menschen, die in diesem Bereich arbeiten.“

Was da gut klingt, könnt einem bösen Plan entsprungen sein. Wie fast in allen anderen Bereichen auch, versucht der Staat mit den Sonderfonds die Totalkontrolle zu erringen. Denn an wen hier ausgezahlt wird, entscheidet nicht der Steuerzahler, der mal wieder zur Kasse gebeten wird, sondern irgendwelche regierungstreue Staatsbeamte, die dann genau prüfen werden, wann wer förderungswürdig ist.

Und das würde bedeuten: Feine Sahne Fischfilet ja, Xavier Naidoo nein. (Mit Material von dts)