Der Angriff der Delta-Deppen: Lockdown jetzt – und dann für immer

Hoffen auf baldiges Ende der Öffnungen: Brinkmann, Wieler (Fotos:Imago)

Einige Wochen müssen die Zero-Covid-Lockdown-Hohepriester und Verfechter der unbefristeten harten Staatsmaßnahmen nun in Schockstarre mit ansehen, wie die Inzidenzzahlen trotz fortschreitender Öffnungen immer weiter in den Keller stürzen und sich die bundesweite „Inzidenz“ Richtung einstelliger Werte bewegt (10,3 betrug der Wert heute). Jetzt wittern sie Morgenluft – dank der „Delta-Variante“, die doch hoffentlich bald schon auch in Deutschland wieder zuschlagen wird und – wie derzeit schon verhalten in England und Portugal – für „steigende Fallzahlen“ sorgen dürfte. 

Nur falls es jemand vergessen haben sollte: „Delta-Variante“ ist die antirassistische Bezeichnung der „indischen Mutante„, die angeblich im April und Mai reihenweise kerngesunde Menschen auf dem Subkontinent kollabierten ließ und eine, so wurde uns erzählt, beispiellose Explosion inklusive Überlastung des indischen Gesundheitssystems (das, nach westlichen Standards, in der Fläche auch schon vor Corona praktisch nicht vorhanden war) bedingte. Was uns zuvor monatelang aus Brasilien berichtet wurde, wurde dann einfach 14.000 Kilometer weiter auf dem Globus fortgestrickt.

Dumm nur: In Indien fielen die Zahlen sogar noch schneller als bei uns, ganz ohne Lockdown und vor allem ohne auch nur annähernd vergleichbaren Impffortschritt (gerade einmal 3,5 Prozent der Bevölkerung sind dort geimpft, entsprechend Platz 91 der Staatenabfolge). Und trotzdem fallen dort, wo diese so gefährliche „Delta-Variante“ herkommt, seit Wochen konstant die Zahlen- was wiederum auf einen Schnupfen, ein stinknormales und schon immer dagewesenes saisonales Erkältungsvirus hindeutet, und eben nicht auf die „tödliche Pandemie“.

Doch das hält Politik und Medien nicht davon ab, vor der fatalen Potenz dieser Variante zu warnen. „Wesentlich ansteckender“ als die anderen Mutationen sei sie, „laut Studien 60 Prozent„, belehrt „NDR Info„, das Aufklärungsformat des „Norddeutschen Rundfunks“, seine Zuschauer und Hörer. Die Symptome seien andere („Kopfschmerzen, Schnupfen, raue Kehle„), weshalb Jugendliche die Infektion „häufig als Erkältung abtun„, so eine Studie. Dass dies womöglich daran liegt, dass es sich um genau das handelt – eine Erkältung – scheint den öffentlich-rechtlichen Unheilsverkündern nicht in den Sinn zu kommen.

Hoffnung auf „Indisches Wellenreiten“ 

Obwohl diese „Delta-Variante“ derzeit nur sechs Prozent der Corona-Fälle in Deutschland ausmacht (bei etwas über 31.000 aktiven Fällen also rund 1.800 überwiegend symptomlose Betroffene), fährt RKI-Cheftierarzt Lothar Wieler heute schwere Horrorgeschütze auf: Der Anteil der Doppelmutanten steige immer schneller, die Frage sei „nicht mehr ob, sondern wann die Delta-Welle Deutschland voll erfasst„. Wielers Fazit: „Delta wird überhand nehmen„. Man fragt sich inzwischen, welche Tabletten dieser Mann nimmt oder was er geraucht hat, ehe er vor die Öffentlichkeit tritt.

Doch Wieler ist angesichts dieser grotesken Panikhetze angesichts eines schlichtweg marginalen, vernachlässigteren „Infektionsgeschehens“ nicht der Einzige, bei dem die Frage nach seinem Geisteszustand zwingend angezeigt ist. In vorderster Reihe derer, die einfach nicht damit klarkommen, dass wieder Normalität einkehrt, gehört auch die Helmholtz-Virologin Melanie Brinkmann, die angesichts des „steigenden Anteils der Delta-Variante in Deutschland“ – wohlgemerkt sind dies derzeit ganze 1.800 Fälle, bei 84 Millionen Einwohnern! – „erschüttert über die derzeitigen Öffnungsschritte“ ist, wie sie heute erklärte. Besonders schockiert zeigt sich Brinkmann über die Debatten zur Abschaffung der Maskenpflicht, die sie (wie schon Wieler heute früh, der die FFP-/OP-Lappen am liebsten für alle Ewigkeit beibehalten würde) für „kontraproduktiv“ – denn Masken seien von allen Maßnahmen noch „das geringste Übel„, so die Wissenschaftlerin.

Nicht alle durch den Gang der Dinge in den vergangenen zwei Monaten blamierten Katastrophenpropheten von gestern bleiben so stur und realitätsresistent wie Brinkmann. Andere Dauerbegleiter dieser Pandemie, um die es in den letzten vier Wochen tröstlich-erfrischend ruhig geworden, reagierten ganz unterschiedlich: Christian Drosten etwa – dessen Prognosen von März zufolge wir um aktuell ja bis zu 100.000 Neuinfektionen haben müssten – hüllt sich ganz in Schweigen, und Karl Lauterbach konzedierte diese Woche gar ganz kleinlaut, Virologe Hendrik Streeck, der den schnellen Rückgang der „dritten Welle“ vorhergesagt hatte, habe „recht gehabt„.

Blamierte Katastrophenpropheten sind zurück

Ihrer Warn- und Drohbesessenheit blieb allein die vergeistige Nerds- und Wissenschaftsfraktion treu, die in dieser Pandemie zum ersten Mal so etwas wie soziale Akzeptanz oder Wichtigkeit erfahren durfte (und darum das Erreichte offenbar nicht gefährden bzw. die eigene „Systemrelevanz“ durch eine Rückkehr zur Normalität wieder verlieren möchte). Deshalb wehrt sie sich mit Händen und Füßen gegen jede Renormalisierung des Alltags. In diese Kategorie gehört auch der Physiker und Modellierer Dirk Brockmann, der „die vielen parallelen Lockerungen“ für „gewagt“ hält: „Wir machen die gleichen Fehler noch einmal„, so der Theoretiker, der es laut „dts Nachrichtenagentur“ „klüger“ fände, wenn zunächst einzelne Maßnahmen zurückgenommen und abgewartet würde, welche Auswirkung dies auf das Infektionsgeschehen habe.

Dass es sich bei all diesen „Experten“ nicht um verschrobene Außenseiterstandpunkte handelt, die ihre verdiente Antwort durch Ignoranz und entschiedene öffentliche Zurückweisung erhielten, sondern im Gegenteil um einflussreiche Stimmen, zeigte sich heute auf der Bundespressekonferenz in Berlin: dort nahm Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den Ball gerne auf – und verkündete „mit Blick auf den Herbst„, künftig dürfe man „nicht mehr erst bei einer Inzidenz von 50“ eingreifen, „sondern früher„.

Konkret sagte dieser Skandalminister damit nichts anderes als dies: Harte Einschränkungen bei (wohlgemerkt völlig willkürlich zusammengetesteten) Inzidenzwerten von 20 oder 30 positiven Fällen (selbst wenn die Getesteten kerngesund sind) auf 100.000 Einwohner – und schon gehen die Schließungen und Verbote wieder los. Wozu dann eigentlich die Bevölkerung geimpft werden soll, scheint niemanden mehr zu interessieren. Schon die Meldung, dass laut Einreiseverordnung der Bundesregierung  auch Geimpfte nach Rückkehr aus Risikogebieten in Quarantäne müssen, machte offenbar kaum jemanden stutzig. Taugt die Impfung also gar nichts? Oder dient sie ganz anderen Zwecken? Wer lügt hier? Angesichts des grassierenden Irrsinns und der bleibenden Einschnitte, die diese Psychose unrettbar als Tribut für alle Zukunft fordert, bleibt nur noch die Wahl zwischen Resignation, Rebellion oder Exil. (DM)