Cancel-Culture erreicht Entenhausen: Jetzt wird auch Donald Duck politisch korrekt

Donald Duck goes PC (Foto:Imago/Pixsell)

Das zersetzende Säurebad des Kulturmarxismus, der linke Talibanismus macht vor nichts und niemandem halt – weder vor der Zukunft, der Gegenwart noch der Zukunft. Die „Dekontextualisierung“, das bornierte Herauslösen und Bewerten von Aussagen, Inhalten, Darstellungen und Überzeugungen aus ihrer soziokulturellen Einbettung, die Nichtberücksichtigung der zur Entstehungszeit von Werken herrschenden Weltsicht und Denkweise zerstört unser gesamtes geistiges und kulturelles Erbe. Jetzt hat es auch die Comics des legendären Zeichners Carl Barks erwischt.

Der deutschsprachige Rechteinhaber der Donald-Duck-Hefte, die ganze Generationen von Kindern und Jugendlichen begleitet haben, lässt nun die Texte der Comics über Donald, seine drei Neffen, Dagobert, Daisy, Daniel Düsentrieb und Konsorten, Micky Maus, Goofy & Co. gender- und woke-konform umschreiben und dem „Zeitgeist“ anpassen. Im zuletzt erschienen Aprilband wurden nicht weniger als 109 Panels geändert. „Das wird wohl ein Dammbruch sein„, kommentiert der Literaturwissenschaftler Achim Hölter in einem Gastkommentar im österreichischen „Standard“ bitter.

Besonders pervers: Das Vermächtnis der vielfach ausgezeichneten legendären Übersetzerin Erika Fuchs, die für die geniale und originelle Übertragung der US-Texte ins Deutsche verantwortlich war, wird durch die retrograde Zensur bzw. Umschreibung der Comicpanels nachhaltig zerstört. Die zwischen 1992 und 2004 erschienene Carl Banks Library aus nicht weniger als 133 Alben, wie auch die bis 2008 verlegte Carl Banks Collection in 30 Leinenbänden, beinhaltet jede Menge lustige Dialoge und Passagen, die aus Sicht der modernen BLM- und diversitätsgepolten Reichsschrifttumskammer als „kulturunsensibel“ oder „diskriminierend“ sind oder sein könnten.

Der Ehapa-Verlag, der dieses Kompendium im Zweitverwertung als Taschenbuchserie verlegt, begann unmerklich ab Band 9 mit der inzwischen verbreiteten, politisch beabsichtigten vorauseilenden Selbstzensur – und setzte den Rotstift an bzw. dichtete die Texte im Sinne des herrschenden Wahns um. Zuerst, schreibt der „Standard“, tauchte eine Klausel auf: „Die hier abgedruckten Geschichten sind reine originalgetreue Nachdrucke in ihrer ursprünglichen Übersetzung, die zum Teil nicht den heutigen Zeitgeist widerspiegeln.“ Ein Hinweis, der den sämtlichen Disney-Filmen neuerdings vorangestellten Warnhinweisen ähnelt.

Vorauseilende Selbstzensur

Doch ab Band 10 reichte dieser Hinweis dann nicht mehr: Es begannen die Eingriffe; zuerst harmlose Umstellungen wie „Fridolin Freudenfett“, der zu „Fridolin Freundlich wird“. Doch dann ging es Schlag auf Schlag: „Indianer“ verschwinden ebenso wie „Eskimos“ und „Eingeborene“ und werden z.B. zu „Volk“ oder bestenfalls noch „Fremdlingen“ (auch dies ein hochtoxischer Begriff). Und statt „Oh Gott“ muss es „Ach!“ heißen.

Was sich hier volzieht, in winzigen Schritten, aber doch merklich, ist schlimmer als die Bücherverbrennungen früherer Zeit: ächteten symbolisch einzelne Bücher, die damit dennoch nicht aus der Welt verschwanden, sondern irgendwo – unter Teppichbohlen und unter Matratzen oder im Ausland – weiter erhalten blieben. Hier wird (noch) nicht vernichtet, sondern umgeschrieben und die ursprüngliche Fassung damit gelöscht. Es ist eine einzige Barbarei gegen unsere Identität, unsere Traditionen und Überlieferungen -und sie hat gerade erst begonnen. (DM)