„Eventszene“ macht Spaß: Polizei räumt Augsburger Innenstadt

Razzia (Symbolbild: shutterstock.com/Von ChiccoDodiFC)
Razzia (Symbolbild: shutterstock.com/Von ChiccoDodiFC)

Hunderte mehrheitlich „junge Menschen“ feierten in der Nacht zum Sonntag nach dem EM-Deutschlandspiel in der Augsburger Innenstadt. Als die Polizei die Party beenden und die Innenstadt räumen wollte, eskalierte die Situation.

Den Angaben zufolge feierten rund 1400 Menschen gegen Mitternacht in der Augsburger Innenstadt. Viel Alkohol habe zu aufgeheizten Gemütern und einer zunehmend aggressiveren Stimmung geführt, berichtet unter anderem der BR. Es seien immer wieder Gegenstände auf Polizeibeamte geworfen worden. Als die Polizei die – nach dreimaliger Aufforderung – Ansammlung aufzulösen begann, habe sich die Einsatzleitung kurz vor zwei Uhr nachts zur Räumung mehrerer Straßen entschieden.

Während der Räumung seien laut Polizeiangaben über 200 Gegenstände – darunter auch Glasflaschen – auf die Einsatzkräfte geflogen. Ein Rettungswagen sei von einer Flasche getroffen worden und habe die Frontscheibe des Fahrzeugs beschädigt. Mindestens ein Flaschenwerfer wurde vorläufig festgenommen. 15 Beamte wurden bei den Krawallen verletzt, ermittelt werde wegen Landfriedensbruch.

Die Gewerkschaft der Polizei fordert nun harte Konsequenzen. so der GdP-Landesvorsitzende Peter Pytlik, der am Sonntag die „massiven Ausschreitungen“ verurteilte und sagte, man sei „enttäuscht über die Gewaltausbrüche von Jugendlichen und jungen Menschen“.

Ein ehrenamtlicher Rettungssanitäter, der vor Ort die regulären Kräfte unterstützte, sagte dem BR, „so etwas habe ich in 20 Jahren Rettungsdienst noch nicht erlebt“.

Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) stellte in einer gemeinsamen Erklärung mit der Polizei klar: „friedliches Feiern in der Innenstadt sei weiterhin erwünscht“, bei Übergriffen wolle man jedoch hart durchgreifen. Weber wird dann etwas konkreter, um wen es sich bei den „Feiernden“ gehandelt hat: Es gehe nicht um Jugendliche, die jetzt einfach mal wieder über die Stränge schlagen würden. Es sei vielmehr „eine Minderheit, die für Gewaltszenen verantwortlich ist, wie wir sie seit einigen Wochen auch aus anderen Städten kennen. Diese Minderheit kommt nicht in die Stadt, um gemeinsam mit anderen den Sommer zu genießen. Sie geht als Horde gezielt dorthin, wo Menschen sind, um Unruhe zu stiften, um gegen Polizei und Ordnungsdienst Stimmung zu machen und damit bewusst die Lage zur Eskalation zu bringen“, so die CSU-Politikerin.

Die „Partygesellschaft“, die Weber benennt, hatte bereits vor ein paar Wochen die Polizei massiv attackiert. Beim Eintreffen am „Eventgeschehen“ hatten sich rund 60 „junge Menschen“ den Coronadurchsetzungsmaßnahmen der Polizei widersetzt. Ein 15-Jähriger wollte dem ausgesprochenen Platzverweis nicht folgen und schlug einem Polizeibeamten unvermittelt mit der Faust ins Gesicht. Der Beamte erlitt dadurch leichte Kopfverletzungen und war nicht mehr dienstfähig. Der 15-Jährige widersetzte sich mit massiver Gewalt seiner anschließenden Festnahme und wurde gefesselt. Drei weitere Einsatzkräfte zogen sich im Laufe des Einsatzgeschehens durch Widerstandshandlungen ebenfalls leichte Verletzungen zu. Insgesamt mussten die Beamten zwei 16 und 17 Jahre alte männliche Jugendliche, einen 18-jährigen Mann sowie eine 18-jährige Frau in Gewahrsam nehmen, da diese beharrlich Platzverweise missachteten und die Beamten auf das Übelste beleidigten, berichtete hierzu die StaZ. Nach zwei Stunden mit etwa 30 Einsatzkräften gelang es dann, die Lage in den Griff zu bekommen.

Augsburg verfügt über eine Migrationsrate von 46,8 Prozent (Stand 2019) und liegt somit noch weit vor Berlin (35 Prozent, Stand 2020). Mehrheitlich stammen die Migranten in der schwäbischen Metropole aus der Türkei, gefolgt von Rumäninen und Kroatien.  (SB)