Europameisterschaft: Der bunte Geschlechtshitler kickt die Unkolorierten vom Platz

Neuer, Torwart, am 19.06.2021- Foto: Imago

Die Münchener Allianz-Arena erstrahlt in den Farben des Regenbogens. Der Torwart des Teams „Mannschaft“ trägt eine Regenbogenbinde am linken Arm. Der ungarische Außenminister warnt vor der Vermischung von Politik und Sport. Die UEFA dekretiert, daß die Arena beim Spiel gegen die tristgrauen Orbanesen aus Ungarn nicht in den Regenbogenfarben leuchten dürfe. Auf Twitter verschwindet derweilen das biologische Geschlecht – und die Frau wird zum „Menschen mit Gebärmutter“. Da geht noch was.

von Max Erdinger

Bei Goethes „Faust“ ist in der Tragödie erstem Teil zu lesen: „Da steh‘ ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!“. Wir sehen: Sogar Goethe, der alte Fußballfan, wußte bereits, daß ein Tor kein bestimmtes Geschlecht hat. „Der Tor“ ist ein altes deutsches Wort für „der Narr“. Die Wörter „Torheit“ und „töricht“ leiten sich von „Tor“ ab. „Das Tor“ jedoch ist die Bezeichnung für einen Narren, der sich als „geschlechtlich divers“ identifiziert. In dem Substantiv „Erwartung“ steckt wiederum das Verb „warten“. Umgangssprachlich sagt man, ein Tor zeichne sich dadurch aus, daß er „balla-balla“ ist. Wenn also ein Fußballtor vor einem benetzten, viereckigen Kasten auf dem grünen Rasen steht und dort den Angriff der gegnerischen Mannschaft erwartet, wird er vom Fußballtor zum Fußballtorwart.

Kommt lange kein Angriff von der gegnerischen Mannschaft, wird das Leben des Fußballtorwarts eintönig wie das eines ungarischen Orbanesen. Da ist es gut, wenn er eine Binde in Regenbogenfarben am linken Arm trägt. Die kann er sich anschauen, wenn ihm langweilig ist, um sich an der Farbenpracht zu erfreuen. Außer dem Fußballtorwart gibt es noch den Fußballer und den Fußballa. Den Fußballa erkennt man an den Interviews, die er vor dem Spiel gibt. Der Fußballa ist nämlich ein Fußballtor in Vollendung. Ein typischer Fußballasatz war dieser Tage: „Wir werden aktiv am Spielgeschehen teilnehmen“. Da wähnen sich sogar die Irren in der Klapse sofort im Ballhaus und führen ein Freudentänzchen auf.

Die Gemeinschaft

Anders als Dennis der Tennisspieler, ist der Fußballa also ein aktiv Teilnehmender am Mannschaftssport. Im Mannschaftssport gilt die Gemeinsamkeit als ganz große Nummer. Man nennt sie deshalb auch „Teamgeist“. Der Teamgeist ist sozusagen der heilige Geist des Mannschaftssports. Deshalb kann sich der Fußballa vor Spielbeginn selbst dann nicht einfach alleine im sportlichen Gedenkleistungsniederknien profilieren, wenn er vom Amateur zum Fußballprofi geworden ist. Nein, Fußballtorwart, Fußballer und Fußballa müssen gemeinsam professionelles Gedenkleistungsniederknien herzeigen, um die Mannschaftssportbegeisterten in jene gemeinschaftliche Ekstase zu versetzen, derentwegen das Stadion dann zur regenbogenfarbigen Kirche wird. Das machen sie zum Beispiel, wenn sie „Black Lives Matter“ … äh … „kommunizieren“ wollen. Und das wollen sie oft. Aber es nützt leider nichts mehr, weil Roy Black, der erste Deutsche, der „Du bist nicht allein“ gesungen hat, trotzdem schon lange verstorben ist. Vom gemeinschaftlichen Gedenkleistungsniederknien der Fußballprofis wird Roy Black auch nicht wieder lebendig. Obwohl er außerdem noch gesungen hat, daß es schön sei, auf der Welt zu sein. Außerdem waren bei Roy Black nur die Haare schwarz. Das Wort „Fußballtor“ hat also seine Berechtigung.

Nun gibt es Verschwörungstheoretiker, die behaupten, das teamgeistliche Gedenkleistungsniederknien vor dem Spiel diene dem ehrenden Angedenken eines gewissen George Floyd, der in der Stadt Minneapolis im fernen Amerika unter bis heute nicht genau geklärten Umständen -, auf jeden Fall aber unter einem niederknienden Polizisten weißer Hautfarbe namens Derek Chauvin ums Leben gekommen sei. Die Ultraverschwörungstheoretisierenden behaupten sogar, das Wort „Dreckschauvinist“ stamme vom Namen jenes unglücklichen Polizisten ab. Weswegen man annehmen müsste, daß jemand, der behauptet, das fußballarische Gedenkleistungsniederknien zum Zwecke des Kommunizierens von „Black Lives Matter“ diene dem Gedenken an George Floyd, gar keine bunte Armbinde tragen dürfte, sondern eine schwarze. Weil George Floyd schwarz gewesen ist wie die Trauer – und eben nicht ausgesehen hat wie ein Regenbogen. Und der Namensgeber des „Dreckschauvinisten“ sah ebenfalls nicht so bunt aus wie ein Regenbogen, sondern mehr so weiß wie ein Mehlwurm.

Warum also die Regenbogenfarben?

Es ist so: Ein Instrument, das häufig benützt wird, nutzt sich auch schnell ab. „Black Lives Matter“ ist ein solches abgenutztes Instrument. Es war eine ganze Zeit lang geeignet, um die moralische Vorzüglichkeit des eigenen Gerechtigkeitsempfindens recht exhibitionistisch auszustellen. Außerdem führte es dazu, daß die Schwarzen in Südafrika fast vollständig damit aufhörten, andere Schwarze zu massakrieren. Daß sich das Instrument abgenutzt hatte, kann man daran erkennen, daß in Südafrika inzwischen wieder so viele Schwarze von Schwarzen umgebracht werden wie zu Geoge Floyds Lebzeiten als Schwerkrimineller. In Zeiten der Instrumentalnot wegen Instrumentenverschleiß verschwindet aber das exhibitionistische Bedürfnis nach Ausstellung der eigenen moralischen Vorzüglichkeit nicht. Deshalb gibt es Dauerinstrumente, die zwar immer scharf sind, dadurch aber auch die Gefahr in sich tragen, von der Allgemeinheit als langweilige Instrumente wahrgenommen zu werden. Weswegen Instrumente, die sich schnell abnutzen, gerne genommen werden, um für einen kürzeren Zeitraum etwas Abwechslung in die Tristesse der moralischen Vorzüglichkeit zu bringen. Das resultiert in frischer Freude am eigentlich alten Dauerinstrument.

Die zwei bekanntesten Dauerinstrumente sind sowohl dem Amateurniederknier als auch dem professionellen Gedenkleistungsniederknier unter folgenden Bezeichnungen bekannt: „Geschlechtervielfalt“ und „Weltklimakatastrophe“. Es ist gut, daß es mindestens zwei Dauerinstrumente gibt, die sich zur Ausstellung der eigenen, moralischen Vorzüglichkeit eignen. Sollte – beispielsweise wegen der unvorhergesehenen Folgen von „Weltmenschenimpfung“ – ein großer Teil der Geschlechtervielfalt an Hirnvenenthrombosen und allerlei anderen Unpässlichkeiten versterben (Der sterbende Fußballa: „Die Pässe vom Ndugu sind derartig ungenau, daß er eine einzige, schwarze Unpässlichkeit ist“), bleibt wenigstens noch die Weltklimakatastrophe für die überlebende Geschlechtervielfalt übrig. Das heißt, daß das Gedenkleistungsniederknien in der zivilreligiösen, bunt beleuchteten Arenakirche gerettet ist. Wenn das erst einmal verstanden wurde, können wir uns für den Rest unseres Lebens – wichtig: gemeinsam – ins Abseits freuen mitsamt unserer moralischen Vorzüglichkeit. Gebe der Herr, oder wer auch immer er gerade sein will, daß uns schon die Geschlechtervielfalt, die selbstkonstruierte, nicht abhanden komme, aber bewahre er uns auf jeden Fall davor, daß uns die Weltklimakatastrophe abhanden kommt. Damit wir nicht zu Zweiflern an unserer moralischen Vorzüglichkeit werden müssen, weil wir kniend nur noch der unterdrückten Frau Herta Heuwer dafür gedenken könnten, daß sie anno 1949 die Currywurst erfunden hat, obwohl wir natürlich Vegetarier sind, die wegen Glyphosat bald nicht mehr nur kein Fleisch, sondern auch noch nichts Pflanzliches mehr essen werden, wodurch wir dann wieder zu gewöhnlichen, moralisch degenerierten Ariern „ohne Veget-“ werden müssten. Eine Horrorvorstellung.

Zum notdürftigen Niederknien: Gedenktafel für die Erfinderin der Currywurst in Berlin – Foto: Imago

Tatsächlich bestünde beim Niederknien vor der Gedenktafel für Herta Heuwer die Gefahr, daß der moralisch Vorzügliche von Zweifeln an seiner Vorzüglichkeit befallen wird. Wer nämlich den möglicherweise hinübergeschlechtlichen oder sonstwie geschlechtervielfältigen, definitiv schwarzen und schwerkriminellen George Floyd nicht mehr „Neger“ nennt, sondern „Person of Colour“, fängt leicht an seiner eigenen moralischen Vorzüglichkeit zu zweifeln an, wenn er statt einer in „Kaliningrad“ Geborenen einer solchen Verehrungswürdigen gedenkt, die in „Königsberg“ das Licht der woken Welt erblickte. Hinsichtlich des Niederkniens ist Herta Heuwer wirklich nur eine sehr dürftige Notlösung. Aber für die Einfältigen unter den Vielfältigen könnte Herta Heuwer zu Gedenkzwecken gefahrlos ausreichend sein. Das geht schon.

Fußballspiel nach dem impfinduzierten Massensterben bei minus 30 Grad: „Trainer, die anderen haben nur noch fünf ungeimpfte, geschlechtervielfältige Fußballa in der Mannschaft. Bei uns sind es noch sieben – und das Stadion ist wie ausgestorben. An wen sollen wir heute vor Spielbeginn beim Gedenkleistungsniederknien denken?“ – „Denkt an Herta Heuwer, ihr Kicktransen und Ballschwuchteln. Herta ist eine unterdrückte Frau unbekannten Geschlechts gewesen.“ – Wenn so ein Trainersatz der Öffentlichkeit bekannt werden würde, wäre der Trainer selbst dann zum letzten Mal Trainer gewesen, wenn es nur noch ein Dutzend moralisch Vorzüglicher in Deutschland gäbe.

Resümee

Am morgigen Mittwoch, dem 23.06.2021, findet um 21.00 Uhr das Spiel der geschlechtsvielfältigen Mannschaft gegen die ungarische Nationalmannschaft statt – und zwar unter einem bedrohlichen Vorzeichen. Der ungarische Außenminister ließ bereits verlauten, daß er nichts davon halte, Politik und Sport miteinander zu vermischen, und daß es ausgerechnet Deutsche seien, denen das ganz gut klar sein müsste. Ich weiß zwar nicht, wie er darauf kommt, halte es aber für möglich, daß er auf die kaiserlichen Schutztruppen in Deutsch-Südwest von anno dunnemals anspielte, die sich dort als Schutzmaßnahme aufhielten, als die Black Lives noch nicht so gemattert haben, und daß die Schutztruppen aus schutzpolitischen Gründen jene Herero-Mannschaft erschossen haben könnten, gegen welche sie ein Spiel verloren hatten. Wegen des ungarischen Außenministers könnte also etwas „im Busch sein“, wie der namibische Buschmann jedweden Geschlechts zu sagen pflegt.

Meinereiner ist ja nicht zuletzt wegen der Einlassungen diverser Fußballa kein großer Fußballfan, aber ich glaube zu wissen, daß sich die Mannschaftskapitän:innen, bevor sie sich in Spielbeginnende verwandeln, noch immer artig mit Wimpeln beschenken. Jedenfalls so lange noch, wie sie von den politisierten Fußballverbandsfunktionären nicht gezwungen worden sind, sich zum Zeichen ihrer multisexuellen Toleranz gegenseitig am Gemächt zu befummeln. Ich schaue mir das morgen um 21.00 Uhr an. Vielleicht überreicht ja der Kapitän der ungarischen Nationalmannschaft dem gedenkleistungsniederknieenden, deutschen Geschlechtsvielfältigen mit der Regenbogenbinde am linken Arm statt eines Wimpels einen pinkfarbenen Jelly-Dildo mit eingearbeiteten Glitzersternchen in den ungarischen Nationalfarben, sagt stehend von oben herab „Fuck you!“, und ermahnt ihn als nächstes auf ungarisch zu Toleranz und bescheidener Zurückhaltung. Wegen der sprachlichen Untervielfalt in der allgemeinen Vielfalt der Toleranzen. Und weil die Ungarn mit den Vielfaltsdeutschen seit der Weltmeister:innenschaft 1954 sowieso noch ein diversgeschlechtliches Hühnchen zu rupfen haben.