Feinde der Lebenslust: Die linken Spaßbremsen

Linke Spaßbremse in einer Phase des Frohsinns - Symbolfoto: Imago

Ein Partybesuch, der nachdenklich macht. Die Reportage.

von Max Erdinger

„Haare Krischner – der Frisurenmacher für die ältere Generation“, stand auf dem Schild über dem Laden im Erdgeschoß. Meine übelsten Vorahnungen schienen sich zu bestätigen. Gutmütig, wie ich bin, hatte ich mich aber wieder einmal breitschlagen lassen. Nette Leute seien das, auf dieser Party da, hatte Peter behauptet. Während wir die Treppen hinauf in den dritten Stock liefen, wo die Party stattfand, konnte ich schon die Musik hören. Klang wie ein Disco-Remix von Leonard Cohens „Suzanne“. Cohens Liedermacher-Deprisound auf lustig, sozusagen. Während ich die letzten Stufen gar erklomm, beschloß ich, meine natürliche Konfrontationslust zu bändigen und mich stattdessen konstruktiv einzubringen in die allgemeine Feierfreude. Ich betrat die Wohnung mit einem lauten „Kumbaya, my lord!“. Angestrengt grinste ich in die Runde der politbüromäßig Versammelten, die mich sofort argwöhnisch musterten. Genauer: Sie stierten mit entgeistertem Blick auf meine Brust.

Ja, gut, hätte ich Stunden vorher gewußt, daß ich auf dieser Party landen würde, hätte ich mir das T-Shirt nicht angezogen, das ich von der Fußball-WM 2014 noch hatte. Ich hätte gewußt, daß man sich dort mit Schwarz-Rot-Gold auf weißem Grund nicht sofort die Sympathien der Anwesenden sichert. Also beschloß ich, das wieder wettzumachen, indem ich meinem Ruf als Stimmungskanone ganz besonders gerecht werde. „Sorry für das T-Shirt, Leute!“, schrie ich gegen Cohens Deprisound an und deutete mit beiden Zeigefingern auf meine Brust, „das war das beste Stück, das ich aus dem Altkleider-Container herausfischen konnte!“. Einige bekamen Augen so groß wie Untertassen. Ein Typ ließ vor Schreck seine Bierflasche fallen. Natürlich waren sie wegen meines T-Shirts geschockt. Mir war völlig klar, daß sie sich im Augenblick fühlen mussten wie eine Gruppe Taliban, deren Party von den US-Marines unterbrochen wird. Deswegen beschloß ich, zur allgemeinen Auflockerung gleich ein ganz dickes Stimmungsgeschütz aufzufahren und blaffte in die Runde der verdutzten Gesichter: „Wißt ihr schon, wie man eine Frau nennt, die 90 Prozent ihres Gehirns verloren hat?“ – um die Lösung nach einer kleinen Kunstpause gleich nachzuliefern. – „Witwe!“.

Niemand lachte. Aber so schnell gab ich nicht auf. „Wißt ihr schon, warum die weiße Schokolade erfunden worden ist? – Damit sich die Neger nicht in die Hand beißen!“. Ich blieb der einzige, der darüber lachte. Peter gab mir einen diskreten Stoß in die Rippen. Ich verstand. Sexismus und Rassismus schienen nicht so das Ding der unlustigen Feierfreunde zu sein. Aber ich bin weltberühmt für meine Anpassungsfähigkeit. Also fragte ich nicht länger, ob sie dies oder das schon wüssten, sondern begann, einen Witz zu erzählen, bei dem man nicht darüber nachdenken muß, ob man es vorher schon gewußt hat. „Kommt ein Blinder in den Aufzug und sieht nicht, daß schon ein Conterganer drinsteht …“. Weiter kam ich nicht. Aus der anderen Ecke des großen Altbauwohnzimmers schrie einer in meine Richtung, ich solle gefälligst mein dreckiges Faschistenmaul halten. Au-weh-zwick, der war mir vorher gar nicht aufgefallen. Ein Conterganer in einem roten Che-Guevara-T-Shirt. Ich war also auf einer Behindertenparty gelandet.

Da ich mich aber, wie gesagt, nicht konfrontativ, sondern konstruktiv in die allgemeine Feierlaune einbringen wollte, ging ich zur Stereoanlage rüber und schaltete sie aus. Wenn die keine lustige Stimmungsmusik haben, dachte ich mir, singst du ihnen eben etwas vor. „Lustig ist das Zigeunerleben …“. Das „Faria-faria-ho“ konnte ich noch singen, ohne unterbrochen zu werden, so verdattert waren die linken Partyhengste. Aber als ich sang “ … braucht dem Kaiser kein Zins zu geben“, rief eine mit lila gefärbten Haaren dazwischen, daß Steuervermeidung unsolidarisch sei, woraufhin ich sie kurz eine antiziganistische Rassistin nannte, um sofort das Lied von den drei Chinesen mit dem Kontrabass anzustimmen. An der Texstelle “ … da kam die Polizei, ja was ist denn das …“ schrie die Lilahaarige: „das heißt Bullenschweine!“, und zeigte mir den Stinkefinger.

Der Conterganer im Che-Guevara-T-Shirt ging rüber zur Stereoanlage, um Liedermacher Cohens remixten Disco-Deprisound wieder einzuschalten, traf aber mit seinem spraydosenlackierten Springerstiefel die Einschalttaste nicht, sondern kickte den Verstärker auf den Boden, um gleich danach das Gleichgewicht zu verlieren – und ebenfalls auf dem Fußboden zu landen. Ich brach in schallendes Gelächter aus, stieg über ihn drüber, holte mein Taschenmesser heraus und schnitt das Kabel der Stereoanlage durch, um weiteren disharmonischen Auseinandersetzungen über die Musikauswahl einen Riegel vorzuschieben, auf daß endlich Frohsinn und Heiterkeit Einzug auf der traurigen Party halten konnten. Diese Maßnahme wurde aber auch wieder mißverstanden, weswegen ich mich weiteren Vorwürfen ausgesetzt sah. Zum Zeichen meiner Toleranz steckte ich mir eine Zigarette an, um mir in aller Ruhe anzuhören, um was für ein verkommenes Subjekt es sich bei meinemeinen angeblich handelte. Doch sie wechselten das Thema und schrien unisono, daß es sich hier um eine Nichtraucherwohnung handelt. Ich gestand mir die Niederlage ein. Für eine solche Party war selbst ich nicht Stimmungskanone genug, um noch etwas zu retten. Auf dem Weg nach draußen erstickte ich die Zigarette in der Knoblauchsauce auf dem Büfett und tröstete mich mit der Tatsache, daß hinter jeder der Schüsseln und Platten ohnehin ein Schildchen aufgestellt worden war, auf welchem mitgeteilt wurde, wovon genau jede der angebotenen Speisen „frei“ war. Laktosefrei, glutenfrei – sogar fleischfreien Fleischsalat hatten sie.

Vor dem Eingang zu „Haare Krischner“, dem „Frisurenmacher für die ältere Generation“, erschoß ich mit den Worten „Make my day“ einen, der sich gerade anschickte, meinen Benz anzuzünden, startete dann den „gestraightpipten“ Fünf-Liter-V8 und verabschiedete mich unter Hinterlassung von zwei dicken schwarzen Streifen auf dem Asphalt mit aufbrüllendem Motor aus dem rot-ökologistischen „Szeneviertel der diversen Gerechtigkeiten“.

Das ist jetzt alles gut zwei Wochen her – und immer noch ist mir ein völliges Mysterium, zu welchem Zweck sich diese traurigen Gestalten eigentlich versammelt hatten. Von Peter habe ich übrigens auch nie wieder etwas gehört oder gesehen. Aber ich muß zugeben, daß das „Zeitalter der allgemeinen Unfähigkeit“ auch seine Schokoladenseite hat. Der Tote vor dem Eingang zum Frisurenmacher, stand gestern in der Zeitung, sei endgültig als suizidaler Depressiver identifiziert worden, mit dessen Selbstmord man in der Szene schon lange gerechnet hatte.

Die linken Spaßbremsen

Gut, die ganze Geschichte mit der Party ist frei erfunden. Das war kein Problem, weil es in Deutschland vor lauter linken Spaßbremsen tatsächlich nur so wimmelt. Da können einem solche Geschichten schon einmal einfallen. Egal, worum es geht: Wenn es Spaß macht, wollen es die linken Spaßbremsen verbieten.

Rauchen: Kürzlich haben Krebsforscherinnen des Krebsforschungszentrums in Heidelberg gefordert, bis zum Jahr 2040 müsse Deutschland komplett rauchfrei sein. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten Zigaretten Jahr für Jahr so dermaßen drastisch teurer werden – sie sind jetzt schon teuer – , daß sie praktisch unerschwinglich werden. Für die Krebsforscherinnen scheint das ganze linke Spaßbremsenleben nur noch aus der Krebsforschung zu bestehen. Ausgeschlossen, daß Raucher auch an etwas anderem sterben könnten als Krebs. An einem Idioten z.B., der auf der Autobahn ohne zu blinken in die linke Spur ausschert, um mit 1,5 Stundenkilometern Differenzgeschwindigkeit einen LKW zu „überholen“, während sich der Raucher bei 200 Sachen in der linken Spur gerade eine Kippe ansteckt.

Trinken: Von des äthiopischen Marxisten Tedros Adhanom Ghebreyesus´ lausiger Kommunistentruppe bei der WHO war kürzlich zu vernehmen, Regierungen weltweit sollten dafür sorgen, daß Frauen im gebärfähigen Alter praktisch keinen Alkohol mehr trinken, weil das total schädlich für jene Leibesfrucht sei, welche sie theoretisch in sich tragen könnten. Feigerweise haben sie sich nicht einmal zu behaupten getraut, daß sie dabei an Greta Thunberg und ihre Mutter gedacht hatten. Wären sie nicht so feige gewesen, könnte man der Forderung von Ghebreyesus´ Kommitruppe ja wenigstens unter diesem Aspekt noch etwas abgewinnen. Während der Prohibitionsjahre in den USA wurde übrigens nur theoretisch kein Alkohol getrunken, praktisch aber die organisierte Kriminalität gestärkt. Aber gut: Daß Linke bis zum heutigen Tage nichts aus der Geschichte gelernt haben, ist auch nicht wirklich eine Überraschung.

Fahren: Egal, ob Auto oder Motorrad – je knackiger das Fahrwerk, je sonorer der Sound, je leistungsstärker der Motor, umso spaßhaltiger wird das Fahren. Ein absolutes Unding für die linken Spaßbremsen. Es gefährdet ihre Schutzbefohlenen. Das sind diejenigen, die mit einem Greenpeace-Aufkleber auf der Heckklappe ihres altersschwachen VW-Bus T3 die irre Ansicht dokumentieren, daß 15 Liter Verbrauch bei 80 km/h im T3 ökologisch wertvoller seien, als 12 Liter bei Tempo 200 in einem schnittigen Spaßmobil modernerer Bauart. Außerdem ist der ganze Automobilmarkt ein Schlag ins Gesicht aller linken Gleichheitsfetischisten, weil er vor Autos nur so wimmelt, die sich einige eben leisten können (oder wollen) und andere nicht. Wer auf der Autobahn in der linken Spur links blinkt und die Lichthupe betätigt, um die „strukturell benachteiligte“ Schnarchnase vor sich diskret auf seine ausgebremste Anwesenheit hinzuweisen, hätte nach Lesart der linken Spaßbremsen früher auch die Baumwollpflücker ausgepeitscht. Wenn er in einem Bentley unterwegs ist: Auspeitschen lassen.

Freie Meinungsäußerung: Die linken Spaßbremsen leben in der ständigen Furcht, daß weit weniger Leute an jenem Dachschaden laborieren könnten, dessentwegen es ihnen selbst andauernd ins Hirn regnet, als sie wahrhaben wollen. Damit das keinen nachteiligen Effekt hat auf ihre eigene Diskurshoheit im Wahn, sind sie der Ansicht, es könnte ihnen nützen, prophylaktisch schon einmal dafür zu sorgen, daß die Geschichte von des Kaisers neuen Kleidern nicht neu formuliert erzählt wird, etwa dadurch, das jemand das Wort „Kleider“ durch die Phrase „Ehrlichkeit & Geisteskraft“ ersetzt. Zuletzt stünde noch ein kleines Kind da, würde mit den Fingern auf eine linke Spaßbremse zeigen und ausrufen: „Der verlogene Kaiser hat ja gar keine Geisteskraft im Kopf!“ Von solchen Vorstellungen bekommt die linke Spaßbremse richtige Albträume. Vor allem, wenn sie „Precht“ heißt. Weil sie andererseits aber auch um den unangenehmen Hautgout des Wörtchens „Zensur“ wissen, nennen sie ihre Zensoren lieber „unabhängige Faktenchecker“.

Fakten: Die Verachtung der linken Spaßbremsen für ein paar faktische Grundsätzlichkeiten des Lebens als solchem müsste nach ihrer eigenen Definition eine schandhafte Verwerflichkeit darstellen. Die linken Spaßbremsen strotzen nämlich nur so vor „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ jenen Menschengruppen gegenüber, die lieber Neger geworden wären, als sich dem politkorrekten Spaßbremsen-Mainstream zurechnen zu lassen. Eine faktische Grundsätzlichkeit ist, daß es zwei verschiedene Geschlechter nicht deswegen gibt, damit linke Spaßbremsen sie gleichmachen, sondern damit es einen Geschlechtsverkehr gibt, der zum Zwecke der Arterhaltung Früchte trägt. Das ist sogar dann so, wenn niemand erklären kann, weshalb man die linke Spaßbremsenart erhalten sollte. Auch wenn diese kulturgeschichtlich Entwicklungsdevianten inbrünstig alles ignorieren, was sie selbst beim Spaßbremsen ausbremsen könnte, ist es dennoch so, daß sich die absolute Mehrheit aller Internetseiten explizit in Bild und Ton mit diesem Geschlechtsunterschied beschäftigt – und daß auf diesen Seiten noch nie eine paarungswillige Weibsperson gestöhnt hätte: „Oh my god, gib´ mir meine Gleichstellung so richtig, du Hengst!“. Außerdem ist selbst das kostbarste Schatzkästchen ein Behältnis, in dem die noch kostbareren Schätze aufbewahrt werden. Sie wollen es halt einfach nicht wahrhaben. Und was sie außerdem nicht wahrhaben wollen, ist, daß es sie einen Scheißdreck angeht, ob meinereiner Chauvinist, Sexist, Rassist – oder ob er alles zusammen ist. Letztlich bin nämlich ich der Menschenfreund – und nicht sie selber. Was denen als Menschenbild in ihren Krachschädeln umeinander spukt, kann man in seiner animalischen Érscheinungsform bei der Massentierhaltung sehen.

Humor: Humor setzt eine gewisse Fähigkeit zur Selbstreflexion und damit intellektuelle Großzügigkeit voraus, zwei Sachverhalte, die den linken Spaßbremsen so fremd sind wie den Menschenfressern die Raumfahrttechnik. Und weil keiner haben soll, worüber sie selbst nicht verfügen, dekretieren sie vernichtende Urteile über den Humor der Anderen. Wo der intellektuell Großzügige einen Witz und nichts als einen Witz erkennt, identifizieren sie ständig „Unzulänglichkeiten des Bewußtseins“ bei Anderen. Undenkbar ist es für die linke Spaßbremse, daß man völlig frei auch über solche Witze lachen könnte, die ihrer Ansicht nach rassistisch, behindertenfeindlich, chauvinistisch oder sexistisch sind. Regelrecht angewidert ist der Humorvolle von den Figuren, die linke Spaßbremsen selbst für witzig halten. Oliver Welke oder Jan Böhmermann, bei denen jeder vermeintliche Gag auf einem unausgesprochenen „Wie wir ja alle wissen …“ beruht, das dann zu einem „… weshalb wir auch alle gefahrlos darüber lachen dürfen, daß …“ führt. Absolut widerlich. Alle lachen über einen, keiner lacht über alle.

Stundenlang könnte ich weiterräsonieren über linke Spaßbremsen und die zutiefst lebensfeindliche Grundhaltung, die hinter ihrem Postulat steckt, das Bessere sei immer erst in der fernen Zukunft zu finden, weswegen es heute heißen müsse, die Mundwinkel und die Arschbacken zusammenzukneifen, den Zeigefinger zu erheben und ständig zu warnen, zu fordern und Zeichen zu setzen. Mit diesen Individuen gibt es schon deswegen nichts mehr zu bereden, weil sie gar nicht daran denken, andere Sichtweisen als ihre eigenen gelten zu lassen – und seien sie noch so gut begründet. Um zum Schluß noch eines ihrer Lieblingswörter zu verwenden: Wenn Befreiung per se „gut“ ist, dann sind diese linken Spaßbremsen genau diejenigen, von denen sich der Freigeist befreien muß, um nicht letztlich doch noch in den Strudel jener schuldmasochistischen Grunddepression hineingezogen zu werden, welche die Ursache für das linke Spaßbremsentum in seiner widerwärtigen Oberlehrerhaftigkeit darstellt.