„Illegale medizinische Versuche“: Zahlreiche Inder fordern Bill Gates Verhaftung

Versuchskaninchen von Bill Gates? (Symbolbild: shutterstock.com/Von-kaetana)
Versuchskaninchen von Bill Gates? (Symbolbild: shutterstock.com/Von-kaetana)

Das Gut- bis Bessermenschen-Image des milliardenschweren selbsternannten Philanthropen Bill Gates bröckelt zusehends. Nach den mehr als unappetitlichen Hintergründen seiner Scheidung oder den Vorwürfen über mutmaßliches sexuelles Fehlverhalten gesellt sich nun der Vorwurf, er habe Menschen als Versuchskaninchen missbrauchen lassen.

In Indien stehen Bill Gates und seine Stiftung seit mehreren Monaten wegen angeblicher Verstöße gegen medizinische Ethik und Gesetze in der Kritik. Nun fordern zahlreiche Inder seine Verhaftung.

Wie die Menschenrechtsorganisation ECCHR (European Center for Constitutional and Human Rights) auf ihrer Homepage berichtet, geht es um Medikamententests, die im Jahr 2009 an 14.000 Mädchen in den den indischen Bundestaaten Gujarat und Andhra Pradesh durchgeführt wurden. Die Versuchspersonen waren Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren und viele von ihnen gehörten indigenen Gruppen an. Die minderjährigen Mädchen wurden gegen das humane Papillomavirus (HPV), das Gebärmutterhalskrebs verursachen kann, geimpft.

Nach Medienberichten über Unregelmäßigkeiten bei der Durchführung der Tests stellte ein Regierungsausschuss fest, dass die Versuche teilweise ohne korrekte Aufklärung der Teilnehmerinnen und ohne die Zustimmung der Eltern stattgefunden hatten. Als besonders fragwürdig wurde eingestuft, dass teilweise Schuldirektoren die Aufklärungsbögen für ihre Schülerinnen unterzeichneten und in deren Namen in die Behandlung einwilligten.

Entwickelt und durchgeführt wurde das Projekt von PATH (Program for Appropriate Technology in Health), einer NRO mit Sitz in den USA, während die Mittel von der Bill & Melinda Gates Foundation zur Verfügung gestellt wurden. Die Versorgung mit dem getesteten Impfstoff erfolgte durch GlaxoSmithKline und Merck.

Das Human Rights Law Network (HRLN) aus Neu Delhi vertritt die Klägerinnen.

Im Verfahren zur Verletzung von Menschenrechten im Rahmen klinischer Studien hat der Oberste Gerichtshof von Indien von den beteiligten Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (UK) und Merck (USA) nun eine Stellungnahme gefordert.

Mit seiner Entscheidung erkennt das Gericht auch ein Gutachten an, das das ECCHR im Februar 2014 zur Unterstützung des Verfahrens eingereicht hatte. Darin forderte die Organisation, auch die Haftung von Pharmaunternehmen bei den Medikamentenstests zu untersuchen. Das ECCHR kommt in dem Gutachten zu dem Schluss, „dass eine gründliche Untersuchung der Vorgänge nicht nur die den Versuch durchführende Organisation, sondern auch die Pharmaunternehmen, die von den Ergebnisses des Tests profitieren, einbeziehen muss”.

Ganz anders sieht das jedoch die Meinungsplattform Correctiv. In einem ihrer Faktenchecks behauptete die politische Kampftruppe bereits im vergangenen Jahr, dass Bill Gates natürlich keinerlei Impfverbrechen begangen habe und wer dies behauptet, nur Angst vor Impfungen schüren wolle. (SB)