Von wegen „super-ansteckend“: Der große Delta-Schwindel

Covid-Panikmache auch ganz ohne Covid (Symbolbild:AJR_photo/Shutterstock)

Da die ohnehin berüchtigte Lernresistenz der Durchschnittsdeutschen in dieser Pandemie ins Unermessliche gestiegen ist, nimmt es kaum Wunder, dass keiner mehr die wirklich relevanten Fragen im Zusammenhang mit der aktuell beschworenen „Delta-Variante“ stellt: Wie verträgt sich eine annähernde Null-Inzidenz mit dem künstlich von oben gestreuten Alarmismus? Was soll diese Variante von der damaligen britischen („Alpha“-)Variante unterscheiden, die doch ebenfalls viel ansteckender (angeblich bis zu sechsmal) und tödlicher sein sollte?

Keinem scheint aufzufallen, welches Ausmaß die Volksverdummung inzwischen angenommen hat, und so bleiben diese Fragen unbeantwortet – obwohl die Antworten darauf mehr als aufschlussreich wären; vor allem, was das Bedrohungspotenzial der sogenannten Delta-Variante B.1.617.2 anlangt. Keine zwei Monate ist es her, dass wir uns permanent anhören durften, wie in Indien „die Menschen auf den Straßen umfallen“, das dortige Gesundheitssystem kollabiere und die „Zahlen explodieren„. Alles wohlbekannt, und praktisch nicht zu unterscheiden von dem, was zuvor die „brasilianische Mutante“ (seither „Gamma-Variante“) P.1 anrichtete (die über Nacht dann plötzlich kein Thema mehr war).

Das, was in Indien also „wütete“, war die Delta-Variante, die jetzt – „spätestens im Herbst„, so Karl Lauterbach – zu uns kommen und die „vierte Welle“ auslösen soll. Wie nun sah die Entwicklung der Zahlen in Indien infolge der Delta-Variante eigentlich aus – in einem Staat also, der bis heute gerade einmal 3,5 Prozent seiner Bevölkerung überhaupt geimpft hat und wo zu keinem Zeitpunkt wirksame Lockdown- oder sonstige Corona-Maßnahmen durchgesetzt wurden, weil die dortige Bevölkerungsdichte das ganze Land zu einem einzigen permanenten Superspreader-Event macht? Die Antwort macht einigermaßen sprachlos, vor allem vor dem Hintergrund der Warnungen der deutschen Politik vor „Delta“:

(Quelle:JHO/OurWorldInData)

Konkret bedeutet dieser Chart nichts anders, als dass die allgemeine Infektionsausbreitung durch das „weitaus ansteckendere“ Delta (lila Kurve) völlig von allein seit rund sechs Wochen genauso rückläufig ist wie die in Europa noch dominierende Alpha-Variante – wohlgemerkt bei einer umgeimpften Bevölkerung. Und dort, wo es lokal derzeit zu einem geringfügigen Anstieg durch Delta kommt – etwa in Portugal oder England – bedeutet dieser keinerlei erhöhte Krankheitslast, sondern lediglich ein Inzidenzanstieg auf 90 bzw. 70 – und somit eine bloße statistische, aber keine medizinische Relevanz hat.

Freilich hat der oberste Corona-Nervtöter der Nation, Karl Lauterbach, auch für dieses Phänomen die passende Erklärung parat: Er erklärt den deutlichen Rückgang der Corona-Neuinfektionen in Indien mit dem „dortigen Verhalten der Bevölkerung“ und prophezeit, eine ähnliche Entwicklung wie in Indien werde man „auch in Großbritannien sehen und genauso in Russland und in Portugal„, so der spinnerte „Experte“ laut „dts Nachrichtenagentur“; Wenn die Zahl der Corona-Neuinfektionen exponentiell steige, fingen die Menschen an, sich „vorsichtiger zu verhalten„. Dadurch stagnierte die Zahlen zunächst, „dann sinken sie sogar„, fabuliert Lauterbach. „Das ist der Effekt des Präventionsparadox. Ich sage voraus, dass wir das gleiche Phänomen in anderen Staaten sehen werden, in denen sich die Delta-Variante des Coronavirus gerade stark ausbreitet.

Lauterbach weiß es wieder mal besser

Wenn Lauterbach etwas voraussagt, kann man inzwischen sicher vom Gegenteil ausgehen: Ein Wichtigtuer, der mit fast allem schief lag, erklärt den Deutschen die Paradoxie seiner eigenen Warnungen und greift dabei auf Argumente zurück, die schon beim Lockdown grundfalsch waren. In Deutschland fielen die Zahlen nicht durch den Lockdown, wie das Wellenmaximum im Januar zeigte – und die Zahlen fallen ausgerechnet seit den Öffnungen, seit wieder massenhaft Kontakte bestehen, in den Keller. Da über zwei von drei Deutschen nach wie vor umgeimpft sind, kann dies unmöglich an der Impfkampagne liegen. Und in Indien gab es – siehe oben – eben überhaupt keine Verhaltensänderungen. Dazu braucht man sich lediglich Webcams im Netz aus indischen Großstädten anzuschauen: Die Menschen- und Passantendichte ist überall unverändert. Lauterbach biegt sich die Wirklichkeit zurecht, wie sie ihm passt.

Fakt bleibt: Die Zahlen gehen überall zurück. Auf welche Grundlage die deutschen Corona-Sektenführer deshalb ihre Warnungen vor der „Delta-Variante“ stützen, ist mehr als schleierhaft. Man sollte JEDEM Deutschen die obigen Vergleichszahlen Zahlen aus Indien – dem Mutterland dieser neuen „Horror-Mutation“ – verpflichtend vor Augen führen, um das Ausmaß der unverantwortlichen medialen Verunsicherung zu verdeutlichen, die hier mit einer Schimäre auf die Spitze getrieben wird. Man kann es nicht mehr anders ausdrücken: Wir werden, auf gut Deutsch ausgedrückt, nach Strich und Faden verarscht. (DM)