Inzidenz stürzt weiter ins Bodenlose – Jens Spahn warnt vor Schnupfen im Herbst

Droht bald der neue Volkstod? (Symbolfoto: Von New Africa/Shutterstock)

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat am frühen Donnerstagmorgen vorläufig 1.008 mutmaßliche Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das waren 24 Prozent oder 322 „Fälle“ weniger als am Donnerstagmorgen vor einer Woche. Die Inzidenz sank laut RKI-Angaben von gestern 7,2 auf heute 6,6 neue „Fälle“ je 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage.

Insgesamt geht das Institut laut der vorläufigen Zahlen derzeit von rund 19.700 positiv Getesteten aus, das sind etwa 14.400 weniger als vor einer Woche.

Früher haben sich die Bürger im Herbst, wenn es dann tatsächlich kälter wird „verkühlt“ oder mit einem Schnupfen angesteckt. Ganz normal, ziemlich harmlos und in den meisten Fällen mit einer heißen Zitrone leicht zu bekämpfen.

Doch heute, wo den Bürgern das Immunsystem, ihre Abwehrkräfte durch die Pharmaindustrie weggeimpft wurden, sieht das anders aus. Da wird schon jetzt, wenn jemand niest, der Alarmknopf gedrückt und die Bürger auf den nächsten Lockdown vorbereitet.

Einer der größten Profiteure der Pandemie, Jens Spahn, ist da natürlich ganz vorne mit dabei:

Der Bundesgesundheitsminister hat nun erwartungsgemäß vor einem „Sorgenherbst“ nach der Urlaubssaison gewarnt. Auf die Frage, ob die Menschen trotz Delta-Variante sorglos Urlaub buchen könnten, sagte er dem „Handelsblatt“ (Donnerstagausgabe): „Grundsätzlich ja. Bei Reiseländern, die von der Delta-Variante bereits stark betroffen sind, sieht das aber anders aus.“

Hier sei das Risiko deutlich höher, sich anzustecken und die Variante dann aus dem Urlaub wieder nach Hause zu bringen. „Ich appelliere an alle Reisende, sich sorgsam über das Infektionsgeschehen zu informieren, Testangebote anzunehmen und die Quarantänepflichten ernst zu nehmen. So führt der Urlaubssommer nicht zu einem Sorgenherbst“, sagte Spahn.

„Es ist durchaus möglich, dass die Infektionszahlen durch die Delta-Variante wieder ansteigen, spätestens im Herbst.“ In der Debatte um möglichen Wechselunterricht nach den Sommerferien sagte der Gesundheitsminister: „Unser aller Ziel ist, so normal wie möglich nach den Ferien in das Schuljahr zu starten. Und das heißt natürlich: Mit Präsenzunterricht.“

Aktuell seien zwei Prozent der Schüler zwischen zwölf und 18 Jahren geimpft. „Und ich werbe dafür, dass möglichst viele dieses Angebot wahrnehmen“, sagte er. Auch Tests seien wichtig.

„Gerade mit regelmäßigen Tests für die ganze Familie nach der Rückkehr aus dem Urlaub können wir vermeiden, dass Infektionen in die Schulen getragen werden“, sagte Spahn.

Testen, impfen, testen, impfen – all das kostet den Bürgern viel Geld und spült jede Menge Kohle in die Kassen der Pandemie-Profiteure. Das muss natürlich so lange wie möglich aufrechterhalten werden. Und da kommt die Delta-Variante gerade zur rechten Zeit:

Während die Corona-Neuinfektionen in Deutschland stark zurückgehen, legt die sogenannte „Delta“-Variante, die zuerst in Indien entdeckt wurde, hierzulande immer weiter zu – und das auch in absoluten Zahlen. Was für ein Widerspruch, wo diese Variante doch so ansteckend ist.

Die neuesten Daten zeigen in der 23. Kalenderwoche einen Anteil von 15,1 Prozent in der Gesamtgenomsequenzierung, heißt es im wöchentlichen Bericht zu Virusvarianten von SARS-CoV-2 in Deutschland, den das Robert-Koch-Institut (RKI) am Mittwochabend veröffentlichte. Für die vorhergehende 22. Kalenderwoche wurde der Anteil nachträglich von 6,2 auf 7,9 Prozent nach oben korrigiert.

Der Anteil der früher „britische“ und nun „Alpha“ genannten Variante sank hingegen im gleichen Zeitraum von 83,5 auf 74,1 Prozent. Die „Beta“- und „Gamma“-Varianten, die zuerst mit Südafrika und Brasilien in Verbindung gebracht wurden, fristen hingegen mit jeweils 0,7 Prozent ein Nischendasein. RKI-Chef Wieler hatte bereits in den letzten Tagen bekundet, „Delta“ werde früher oder später sicher die dominierende Variante in Deutschland.

In absoluten Zahlen bedeuten die neuen Stichprobenanteile, dass „Delta“ in der 23. Woche vermutlich im Durchschnitt bei rund 300 Neuinfektionen pro Tag im Spiel war, in der Woche zuvor bei täglich durchschnittlich 230 Fällen und in der 21. Kalenderwoche nur bei etwa 150 Fällen pro Tag. Aktuell gibt es im Wochendurchschnitt insgesamt jeden Tag rund 880 neue Corona-Fälle, wobei der Anteil der jeweiligen Mutationen noch nicht bekannt ist.

Und diese Dame hier spielt natürlich auch wieder die Sirene des Untergangs:

Für die drohende Ausbreitung der „Delta-Variante“ sieht Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) Bund und Länder gerüstet. „Es besteht die Möglichkeit, über das Infektionsschutzgesetz auch wieder strengere Kontaktbeschränkungen einzuführen, wenn dies erforderlich werden sollte“, sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben). Die Instrumente dafür seien da.

Bund und Länder würden die Situation genau beobachten und Vorbereitungen treffen, um im Ernstfall schnell auf eine Ausbreitung der Delta-Variante zu reagieren, so die Ministerin. Mit dem Auslaufen der Bundesnotbremse Ende Juni seien dann aber vor allem die Länder am Zug. Lambrecht warnte die Länder trotz der aktuell sehr niedrigen Inzidenzen vor zu schnellen Lockerungsschritten: „Bevor wir die Schutzmaßnahmen komplett aufheben, müssen wir beim Impfen erst noch deutlich weiter in Richtung Herdenimmunität kommen“, sagte die SPD-Politikerin den Funke-Zeitungen.

„Es gibt noch viele Menschen, die nicht geimpft sind. Wir müssen also trotz sehr niedriger Inzidenzen noch eine Zeit lang Rücksicht nehmen.“ Die Inzidenzzahl sei nicht allein entscheidend.

Wichtig sei es, im Blick zu behalten, wie sich die Delta-Variante ausbreite. Die SPD-Politikerin riet Urlaubern in diesem Zusammenhang dringend zu Vorsicht bei der Wahl des Urlaubsortes: „Ich würde jedem raten, genau hinzuschauen, wie die Infektionslage am Reiseziel ist, gerade auch mit Blick auf die Delta-Variante“, so Lambrecht. Grundsätzlich aber spreche nichts gegen Urlaub im Ausland.

Wichtig sei es allerdings, sich im Urlaub und auch danach verantwortungsvoll zu verhalten.

Hier weitere aktuelle Meldungen aus der Corona-Hölle:

Sechs Prozent der Zweitdosis-Termine in NRW-Impfzentren ungenutzt

In den Impfzentren in Nordrhein-Westfalen werden viele Zweitimpfungs-Termine nicht angetreten. „In den beiden vergangenen Wochen wurden im Rheinland 35.800 Termine nicht angetreten, der Anteil der nicht wahrgenommenen Termine lag damit zuletzt bei sechs Prozent“, sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein der „Rheinischen Post“ (Donnerstagausgabe). „Das ist misslich, kann aber vor Ort glücklicherweise zumeist kompensiert werden – etwa durch Nachrücker oder das Einlagern der Impfdosen für die Folgetage.“ Ähnlich sieht es in Westfalen aus.

„Die durchschnittliche No-Show-Quote im Impfzentrum Phoenix West in Dortmund lag in den letzten Tagen bei cirka neun Prozent“, teilte die Stadt Dortmund der Redaktion mit. „Es kommt durchaus vor, dass Zweittermine abgesagt werden, da diese bereits bei der Hausärzteschaft stattgefunden haben.“ Die KV Westfalen mahnte: „Wir bitten die Bürger, in diesem Fall ihren Termin telefonisch oder im Buchungsportal abzusagen. Einen Zweitimpftermin gar nicht wahrzunehmen ist nicht ratsam, da der vollständige Impfschutz erst 14 Tage nach der zweiten Impfung erreicht ist.“

Lehrerverband gegen Abkehr von Inzidenzen

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hat sich dagegen ausgesprochen, die Schulen unabhängig von der Inzidenz der Region offen zu halten. „Von einer völligen Abkehr von Inzidenzen halten wir nichts, weil diese doch wichtige Gradmesser für das Infektionsgeschehen sind“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstagausgaben). Ein Abkoppeln von den Inzidenzen könne seiner Ansicht nach dazu führen, dass auf eine vierte Welle an den Schulen nicht rechtzeitig reagiert werde.

Meidinger hält es aber für sinnvoll, stärker auf die altersspezifische Inzidenz bei Schülern statt auf die durchschnittliche Gesamtinzidenz einer Region zu achten. Er begrüßt Forderungen der Unionsfraktion im Bundestag nach mehr Schutzmaßnahmen. „Je mehr zusätzliche Hygieneschutzmaßnahmen an Schulen umgesetzt werden – Maskenpflicht, Ausstattung mit Raumluftfilteranlagen, regelmäßige Testungen, verstärkte Impfungen von Kindern -, umso länger kann ich Schulen bei einer eventuellen vierten Welle offen halten“, sagte Meidinger der NOZ.

Ärzteverbände drängen auf Tempo bei Impfungen und mehr Impfstoff

Angesichts der wachsenden Ausbreitung der „Delta-Variante“ des Coronavirus haben Ärzteverbände eine Beschleunigung der Impfkampagne und mehr Impfstoff für niedergelassene Ärzte gefordert. „Gebt uns genügend Impfstoffe“, sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Donnerstagausgaben). „Wir dürfen beim Durchimpfen nicht nachlassen, je mehr Menschen geschützt sind, desto geringer sind auch die Chancen für die Delta-Variante.“

Je mehr Menschen geimpft seien, desto geringer seien die Ausbreitungsmöglichkeiten, sagte er. Weigeldt warnte, die Delta-Variante werde „nicht die letzte Mutation sein, die das Virus im Kampf ums Überleben finden wird“. Angesichts der aktuellen Inzidenzen sehe er derzeit jedoch keinen Grund, alarmiert zu sein.

Auch der Verband der Kinder- und Jugendmediziner forderte, „das Impftempo deutlich zu erhöhen“, sagte Bundessprecher und Kinderarzt Jakob Maske dem RND. Besonders gefährdet sei die Altersgruppe zwischen 30 und 60 Jahren: „Diese Menschen haben oft keine oder nur die erste Impfung erhalten und sind so einem erhöhten Risiko ausgesetzt.“ Deutschland habe den großen Vorteil, dass sich die Delta-Variante hier erst vergleichsweise spät ausbreite. Das Virus treffe auf eine in weiten Teilen geimpfte Bevölkerung treffe, sagte der Kinder- und Jugendmediziner.

Viele Angehörige von Risikogruppen seien bereits vollständig geschützt. „Zudem reduziert eine hohe Impfquote auch die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung“, so Maske. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, zeigte sich mit Blick auf die Auslastung der Kliniken optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass die Anzahl der Hospitalisierungen im Verhältnis zur Zahl der Infizierten wegen der höheren Impfquote niedriger sein wird als bei den bisherigen Wellen der Pandemie“, sagte Gaß dem RND. Auch der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, sagte dem RND, er sei zuversichtlich, dass sich schwere Krankheitsverläufe und damit verbundene Intensivbehandlungen durch die Impfungen verhindern lassen.

„Bei kompletter Immunisierung ist es auch bei steigenden Inzidenzen wahrscheinlich, dass viele Menschen ohne Symptome erkranken oder nur mit geringen.“

SPD-Politiker gegen Pool-PCR-Tests an Schulen

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach warnt vor einem flächendeckenden Einsatz sogenannter Pool-PCR-Tests an Schulen. „Ich wundere mich etwas über diesen Vorschlag“, sagte er der „Welt“ (Donnerstagausgabe) zu einer entsprechenden Initiative der Unionsfraktion im Bundestag. Beim Pool-PCR-Test komme das Ergebnis erst am Ende des Unterrichtstages.

„Dann hat ein positiv infiziertes Kind schon die ganze Zeit im Unterricht gesessen und bei der Delta-Variante möglicherweise sehr viele andere Kinder angesteckt.“ Bei der Nutzung von Antigen-Schnelltests könne ein infiziertes Kind hingegen innerhalb von 15 Minuten identifiziert werden – und direkt nach Hause gehen. „In diesem Fall schlägt die Schnelligkeit die Vorteile der PCR-Tests.“

Die Unionsfraktion hatte zuvor ein Papier verabschiedet, in dem sie zur Sicherstellung des Präsenzunterrichts nach dem Herbst auch regelmäßige Pool-PCR-Tests für nicht-geimpfte Schüler vorschlägt. Die Hamburger Schulbehörde kritisierte den Vorstoß der Unionsfraktion als unzureichend. „Wir prüfen in Hamburg aktuell, ob die sogenannten PCR-Lolli-Tests als Pooltests an Schulen eingesetzt werden können und bereiten ein Pilotprojekt vor“, sagte der Schulsenator Ties Rabe (SPD) der „Welt“ dazu.

„Es wäre allerdings schön, wenn die Unions-Bundestagsfraktion statt wichtigtuerischen Ratschlägen konkrete Unterstützungsangebote machen würde.“ Ein wesentlicher „Gelingensfaktor“ seien die „Kapazitäten an Logistik und vor allem auch an Laboren“, heißt es in Hamburg. Tatsächlich könnten Engpässe bei der Auswertung noch zum Knackpunkt werden.

„Ich freue mich, dass sich die Politik mit den PCR-Pool-Tests beschäftigt, sehe allerdings nicht, dass eine flächendeckende Anwendung überall realistisch ist“, sagte Isabelle Suarez, Infektiologin und ärztliche Leiterin des Pilotprojekts „Schoco“ („Schul-Observation auf Corona“) an der Uniklinik Köln. „Die PCR-Pool-Tests können Labore an ihre Grenzen bringen, vor allem dann, wenn die Inzidenz wieder steigt.“ (Mit Material von dts)