Und Jimmy ging zum Regenbogen: Deutschland im Toleranzwahn

LBGTI-Aktionen landauf, landab un das europaweit (Foto:Imago/Belga)

Komm mit ins Regenbogenland – der Eintritt kostet den Verstand: Wie immer, wenn sich ganz Deutschland zum Resonanzboden für eine „Bewegung“ macht, dröhnt es planetenweit und ohne Unterlass, wandern die gutmenschlichen Schwingungen von oben bis unten, von Nord bis Süd und West bis Ost und zurück – und es gibt keinen Rückzugsort. Vor zwei Jahren „unteilbar“ und „wirsindmehr“, letzten Sommer „Black Lives Matter“ und „Antirassismus“, und jetzt eben „bunte Toleranz“ und „Vielfalt“ im neuentdeckten Kampf für die LBGTI-Szene. Auch nach dem gestrigen Unentschieden gegen Ungarn gibt es weiterhin kein Halten mehr.

Kein Unternehmen, vom DAX-Konzern bis hinunter zur Feld-Wald-Wiesen-Klitsche, kein Verein, kein Künstler, kein Medium und kein Prominenter, der sich nicht in den Reigen einreiht und Regenbogenlogos in Profilen, auf seinen Startseiten oder in Logos einbaut und „Haltung zeigt“: So etwas gab es zuletzt 2006 beim Sommermärchen der damaligen WM – allerdings mit der damals noch nicht „problematischen“ Deutschlandfahne. Anlass für selbige wäre auch aktuell auch gegeben – so wie in allen anderen EM-Teilnehmerländern ganz selbstverständlich und stolz die Landesfahne gezeigt wird. Doch bei uns ist die neue Nationalflagge heute eben regenbogenbunt – und wer sie nicht hisst oder zeigt, macht sich der Homophobie verdächtig.

(Screenshot:XING-Medienseite)

Interessant in diesem Zusammenhang übrigens: Seit mehreren Jahren ist aus dem Regenbogenspektrum der braune Farbstreifen, einst dort noch enthalten, sang- und klanglos verschwunden (auch wenn dies den wenigsten der Konformisten aufgefallen sein dürfte, die sich mit diesem neuen Zeitgeistemblem schmücken). Die Preisfrage hier: Wann und warum? Ging es „gegen Nazis“, oder handelte es sich um einen neuen Rassismusskandal ausgerechnet der LBGQT-SZene, die keine Dunkelhäutigen toleriert?

Außer Zweifel jedenfalls steht ein waschechter Positivrassismus, der sich im Dunstkreis von Gender- und Schwulenbewegung breitmacht. Selbst die vielgeschmähte UEFA – die der allzu plakativen Vereinnahmung der Fußball-EM durch das Verbot der gestrigen Regenbogenbeleuchtung der Allianz-Arena Einhalt zu gebieten versuchte – rudert nun zurück und versucht Boden gutzumachen. Man beachte hierbei,neben der Logo-Verbuntung, vor allem die krampfhaft paritätische Rassenberücksichtigung bei den abgebildeten Testimonials:

(Screenshot:Twitter)

Oder hier:

(Screenshot:Twitter)

Dieser bedauerlichen, feigen, aber zugleich erwart- und absehbaren Abkehr vom weltanschaulichen Neutralitätsgebot war ein beispielloser akademischer Shitstorm vorausgegangen. So hatte der Politologe Timm Beichelt das Verhalten der UEFA im Umgang mit der Regenbogenbeleuchtung massiv kritisiert: „Es bestätigt sich hier die gesellschaftspolitische Doppelzüngigkeit der UEFA„, sagte er laut „dts Nachrichtenagentur“. Es würden zwar „bestimmte Werte“ propagiert, „aber die Botschaften sollen eben immer allgemein bleiben.“ Aus Sicht dieses Wissenschaftlers soll also explizit Stimmung gemacht werden dürfen – weil es sich ja um „das Richtige“ handelt.

Dass die Regenbogentoleranz für öffentliche Breitenwirkung und Anerkennung bürgt, umgekehrt der Verzicht auf die Teilnahme an diesem infantilen Kasperletheater Reichweite und Leser/Zuschauer kostet, haben auch Medien begriffen, deren sonstige politische Ausrichtung nicht unbedingt queere und woke Sympathien vermuten ließe. Anscheinend sorgt man sich auch beim Springer-Verlag und „Bild“ präventiv um die Sicherung bestehender bzw. Erschließung neuer Leser- und Zielgruppen:

Auch deutsche Politiker bedienen sich schamlos des Themas, um im Wahlkampf ihre Stromlinienförmigkeit und Gesinnung zu dokumentieren und damit den endgültigen Beweis anzutreten, dass heute keine Unterscheidung mehr möglich ist zwischen linkem Aktivismus und Politik (die einst gleichbedeutend war mit „Dienst am Gemeinwesen“). Etwa SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz:

Und auch das profillose Einerlei der grünlinken Einheits-Parteienunion kommt hier schön zur Geltung, denn das Posing mit den bunten Flaggen ist eigentlich fast schon klischeehafte Routine der Grünen seit den Tagen des dritten Irak-Kriegs 2003, als die Regenbogen-„Pace“-Fahne noch schwerpunktmäßig für Pazifismus stand. Übrigens – so sehen heute grüne Europapolitiker aus:

Bei all diesem Virtue Signaling der weltoffenen toleranten Supermoralisten wird fast schon vergessen, um was es bei dem ganzen Gewese eigentlich ursprünglich ging: Um die angeblich so „homosexuellenfeindliche“ Gesetzgebung in Ungarn. Und weil gefühlte 99 Prozent derer, die sich jetzt plötzlich zu „couragierten“ Anwälten und Fürsprechern angeblich bedrohter Schwulenrechte machen, überhaupt keine Ahnung haben, was dort eigentlich beschlossen wurde, nochmals zur Erläuterung: Es ging dort darum, den Einfluss des Staates zu begrenzen, Elternrechte zu stärken und die Sexualaufklärung in Schulen auf rein naturwissenschaftlicher Basis durchzuführen, wie die ungarischstämmige Bloggerin Katharina Ildiko Szabo gestern klarstellte, die schrieb, es gäbe daher absolut keinen Grund, „parteiübergreifend überzuschnappen„.

Szabo schrieb weiterhin: „Das Land, das Homosexuelle auspeitscht und einkerkert ist nicht Ungarn, sondern Katar. Auf die Austragung der WM in Katar freut sich besonders CSU Staatssekretär Stephan Mayer: ‚Ich freue mich auf die WM 2022‘, verkündete der CSU Minister beim Arabisch-Deutschen Sportgipfel in Berlin. Das Land, welches Homosexuelle an Kränen aufknüpft heißt ebenfalls nicht Ungarn, sondern Iran. Das Land, zu dem besonders die Partei von Dieter Reiter, SPD, herzliche, innige und freundschaftliche (Gabriel, SPD, Todesrichter Schahrudi) Beziehungen pflegt, dessen islamistische, vom Verfassungsschutz beobachtete Einrichtungen unter dem besonderen Schutz der SPD stehen ( Islamisches Zentrum Hamburg) und das sich darauf verlassen kann, dass seine schwulenmordenden Mullahs pünktlich die allerherzlichsten Glückwünsche des BuPrä Steinmeier SPD, zum Jahrestag der Revolution erhalten. Also, LGBT Gemeinde, Ungarn ist wirklich nicht euer Problem. Ihr werdet hier mächtig verarscht.

Deutsche „Weltoffenheit“ als Gegenteil von Toleranz

Interessant ist als Ergänzung der Hinweis, dass schwules Leben in Ungarn weit weniger gefährdet ist als in Deutschland. Die Zahl der Übergriffe auf Homosexuelle im öffentlichen Raum steigt kontinuierlich – als Folge einer „Weltoffenheit“, die mit „Toleranz“ eben nicht das Geringste zu tun hat. Der Messerangriff auf ein homosexuelles Touristenpärchen letzten Oktober in der Dresdner Innenstadt wäre dort schon deshalb nicht möglich gewesen, weil es in Ungarn keine oder praktisch keine arabischen Flüchtlinge gibt – und deshalb auch kein importiertes Problem mit Schwulenfeindlichkeit.

Übrigens auch nicht mit importierter Judenfeindlichkeit; „Scheiß Juden“-Rufe vor Synagogen wie vor zwei Monaten in Gelsenkirchen oder Berlin nach der Gaza-Krise sind dort ebenfalls undenkbar. Dafür findet in der ungarischen Hauptstadt seit Jahren eine der größten europäischen Schwulenparaden statt, die Gay Pride Budapest, die übrigens auch im Jahr 2021 eine riesige Veranstaltung mit Konzerten, Parties, Modenschauen und einer Parade durch die Altstadt stattfinden. Szabo hierzu ironisch: „Von einer Gay Pride Teheran ist allerdings bislang nichts bekannt.

Auch in Qatar, dessen staatliche Fluglinie der Hauptsponsor der „bunten Spiele“ ist, gibt es keinen Christopher Street Day oder ähnliches. Das wird spätestens 2022 keinen stören, wenn zur WM angepfiffen wird. Wenn es in der islamischen Welt Regenbogenfarben gibt, dann allenfalls in dieser Ausprägung (die dem nahekommt, was sich Linke und Grüne unter „Vielfalt“ vorstellen):

(Screenshot:Twitter)

Einer, der sich dieser ganz besonders für die „Regenbogenvielfalt“ stark macht, ist Bayerns „Södolf“ Söder, der sich selbst nicht entblödete, sich gestern mit Regenbogenmaske in der Allianz-Arena ablichten zu lassen und seiner Social-Media-Anhängerschaft zu präsentieren. Doch ausgerechnet er entpuppt sich als Super-Heuchler: Mit den Stimmen von Söders CSU wurde die Illumination des bayerischen Landtags verhindert – was im Rausch über das Regenbogenfahnenmeer fast untergegangen wäre…

(Screenshot:Twitter)

Jedenfalls war die gestrige Partie nicht nur sportlich schwer zu ertragen  – für jeden, der zwar vom Herzen her für Deutschland hofft, aber der unappetitlichen Linksgesinnung, die den deutschen Fußball gekapert hat, keinesfalls einen Triumph gönnt, war es ein Wechselbad der Gefühle. Mancheiner vermochte sich hier nur noch in beißenden Spott zu flüchten:

(Screenshot:Twitter)

Die Propagandadurchdringung und Degradierung der EM zur Showveranstaltung ließ mancheinen deutschen Fan innerlich die Ungarn-Fahne hissen – vor allem, wenn man als Gipfel der Schande miterleben musste, wie die deutschen Fans im Stadion während der ungarischen Nationalhymne würde- und respektlos pfiffen. Dazu passte die Beleidigung ausnahmslos des gesamten ungarischen Fanblocks als Hooligans, Nationalisten oder „Nazis“ durch Politiker und auch deutsche Medien. Diese Anmaßung, Überheblichkeit und moralische Großkotzigkeit dürfte eigentlich nicht noch honoriert werden; hier wäre eine Lektion heilsam gewesen. Vielleicht folgt sie ja im Achtelfinale. (DM)