Super-Heuchler Neuer: Sag deine WM-Teilnahme 2022 ab – oder nimm die Regenbogenbinde ab!

Neuer mit inkonsequenter Buntbinde (Foto:Imago/Simon)

Wenn sich Spitzensportler, vor allem Fußballer, politisch äußern oder betätigen, begeben sie sich zwangsläufig auf vermintes Gelände – denn der Grat zwischen Verirrung und Vereinnahmung ist bei ihnen besonders schmal. Ihre Äußerungen und Bekundungen erzielen große Breitenwirkung – doch können auch schnell zum Eigentor werden; die Hofaudienz der türkischstämmigen DFB-Nationalspieler Ilkay Gündogan und Mesut Özil bei ihrem Sultan Erdogan ist ein besonders berüchtigtes Beispiel. Doch leider wandelt auch Manuel Neuer derzeit in denselben Fußstapfen.

Denn das Beste, was man über den Einfall des Münchner Welttorwarts sagen kann, sich auch in die elitäre Schar der prominenten Haltungs-Bekunder einzureihen, ist, dass er keine Ahnung hat – und sich über die Konsequenzen nicht bewusst war. Denn hätte Neuer geschwiegen (bzw. nicht seine LBGTI-tolerantbunte Kapitänsbinde für sich sprechen lassen), wäre er klüger geblieben. Fortan muss er sich an seinen selbstdefinierten Maßstäben von „Toleranz“, „Liebe“, „Respekt“ und vor allem „Solidarität“ nämlich nolens-volens messen lassen. Denn Aktivismus und Eintreten für die Rechte von (in diesem Fall sexuellen) Minderheiten ist keine à-la-carte-Veranstaltung, wo man sich die passenden Anlässe herauspickt. Entweder man steht dazu prinzipiell – oder lässt die Finger davon.

Was das betrifft, haben sich die gesamte DFB, „La Mannschaft“ und Neuer an ihrer Spitze schön in die Bredouille manövriert: Denn wer sich schon wegen Ungarn zum LBGTI-Testimonial macht – wo Schwulenrechte durch das neue Gesetz (das weder Neuer noch irgendsonsteiner der deutschen Kicker überhaupt gelesen haben dürfte) überhaupt nicht berührt werden, sondern lediglich die Sexualerziehung von Kindern zum Vorrecht der Eltern erklärt werden -, der muss nach denselben Maßstäben sofort seine WM-Teilnahme 2022 in Katar absagen. Und mehr noch: Er dürfte aktuell auch nicht in einer EM antreten, deren Spiele unter Bandenwerbung der dortigen staatlichen Fluggesellschaft stattfinden. Und schon gar nicht dürfte er in einer Mannschaft spielen, die – wie Bayern München seit Jahren – in dem Golfstaat regelmäßige Trainingslager abhält.

In einem Staat nämlich, wo auf Homosexualität bis zu fünf Jahre Knast und 90 Peitschenhiebe stehen, wo in der Öffentlichkeit jegliche gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen geächtet sind und wo gerade diese Woche erst der verantwortliche WM-Planer die WM-Gäste darum bat, die homophone „Kultur“ seines Landes zu respektieren, haben regenbogentolerante deutsche Haltungskicker und queer-tugendberauschte Verbandsfunktionäre nicht das Geringste verloren. Wer gegen die „Diskriminierung von Homosexuellen“ demonstriert, muss bei sich selbst anfangen – und dort, wo diese wirklich besteht – und sich nicht in einer lächerlichen linken Projektion von Selbstberechtigung selbst feiern.  (DM)