Inzidenz sinkt auf 5,6 – Tschentscher fordert Verschärfung der Corona-Einreiseverordnung

Wir wünschen Ihnen einen schönen Urlaub - im Knast (Symbolfoto: Von Robert Kneschke/Shutterstock)

Berlin – Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat am frühen Montagmorgen vorläufig nur noch 219 so genannte Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das waren 37 Prozent oder 127 „Fälle“ weniger als am Montagmorgen vor einer Woche. Die Inzidenz sank laut RKI-Angaben von gestern 5,7 auf heute 5,6 neue „Fälle“ je 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage.

Insgesamt geht das Institut laut der vorläufigen Zahlen derzeit von nur noch rund 15.400 positiv Getesteten aus, das sind etwa 11.400 weniger als vor einer Woche. Außerdem meldete das RKI nun „lediglich“ 8 Tote binnen 24 Stunden in Zusammenhang mit dem Virus. Innerhalb der letzten sieben Tage waren es 367 Todesfälle, entsprechend durchschnittlich 52 Todesfällen pro Tag (Vortag: 53).

Das sind natürlich alarmierende Zahlen, da muss dringend nachgelegt werden, damit der nächste Lockdown auch wirklich durchgeführt werden kann:

Deshalb hat sich auch Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher für eine möglichst schnelle Änderung der Corona-Einreiseverordnung ausgesprochen. Diese sei in ihrer geltenden Fassung „an mehreren Stellen zu lax“, sagte der SPD-Politiker der „Welt“ mit Blick auf die sich international verbreitende Delta-Variante des Coronavirus. „Bei Einreisen aus Risikogebieten reicht derzeit ein einmaliger einfacher Antigen-Test, um Quarantäne zu vermeiden. Das ist zu unsicher“, sagte Tschentscher. „Alle nicht geimpften Reiserückkehrer aus Risikogebieten und Hochinzidenzgebieten sollten grundsätzlich in Quarantäne gehen, die frühestens nach fünf Tagen bei einem negativen PCR-Test aufgehoben wird.“ Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) spricht sich ebenfalls für eine Änderung der Corona-Einreiseverordnung aus.

„Ich plädiere für eine zweifache Testpflicht für alle Rückkehrenden, die noch nicht vollständig geimpft sind“, so der Regierungschef. „Auch in Ländern mit vergleichsweise niedrigen Inzidenzen läuft man Gefahr, mit anderen Urlaubern zusammenzukommen, die das deutlich ansteckendere Delta-Virus mit sich tragen.“ Bisher unterliegen nur Rückkehrer aus Risiko-, Hochrisiko- und Virusvariantengebieten abgestuften Testpflichten.

Weil sprach sich zudem für verstärkte Testkontrollen aus. „Ich unterstütze ausdrücklich die Forderung nach Kontrollen an den Grenzen, ob aktuelle Negativtests vorliegen. Genau daran hat es bislang gemangelt“, sagte der SPD-Politiker.

Also alle Grenzen wieder dicht. So sieht Europa in der Zukunft aus. Zurück zu den Nationalstaaten und am besten eine Mauer hochziehen. Doch auch die würde das Virus nicht aufhalten.

Hier weitere Meldungen aus der Corona-Hölle:

Lauterbach zweifelt an Kinder-Impfempfehlung wegen Delta-Variante

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach mahnt die Ständige Impfkommission (Stiko), ihre eingeschränkte Empfehlung für das Impfen von Kindern zu überdenken. „In Großbritannien sind bereits viele Kinder mit Covid in der Klinik. Die Ständige Impfkommission argumentiert, dass Covid für Kinder harmlos sei. Für die Delta-Variante gilt dies meiner Ansicht nach aber nicht“, sagte Lauterbach der „Rheinischen Post“. „Die Angaben der Stiko beziehen sich immer auf alte Varianten. Die Durchseuchung der Kinder mit der Delta-Variante ist zu riskant. Und Wechselunterricht ist keine Lösung.“ Zugleich regte er an, mehr zu tun, um Impfskeptiker zu gewinnen. „In Israel steigt die Inzidenz trotz hoher Impfquote und Topwetter wieder an. Es zeigt sich: Echte Normalität wird nur mit einer sehr hohen Impfquote kommen. Mehr als 80 Prozent Impfquote wird nötig sein. Die Kampagne der Überzeugung der Impfskeptiker muss jetzt vorbereitet werden“, so Lauterbach weiter.

Dazu gehöre auch die Aufklärung darüber, dass bei der Delta-Variante die Zahl der Krankenhauseinweisungen viel höher ist: „Das RKI geht von einer Hospitalisierungsquote von 11 Prozent aus, das ist doppelt so hoch wie bei der Alpha-Variante. Gerade bei Jüngeren ist der Unterschied groß, damit wird die Delta-Variante vor allem für Kinder zu Problem“, mahnte der Gesundheitspolitiker.

Reiseverband kritisiert RKI wegen Risiko-Einstufung von Portugal

Der Deutsche Reiseverband (DRV) hat die pauschale Einstufung Portugals als Virusvariantengebiet durch das Robert-Koch-Institut (RKI) kritisiert. „Es wäre wünschenswert, wenn die Verantwortlichen in der Politik zu einer regionaleren Betrachtungsweise übergehen könnten“, sagte DRV-Sprecherin Kerstin Heinen der „Rheinischen Post“ mit Blick auf das Vorgehen des RKI. „Insbesondere Madeira weist eine sehr niedrige Inzidenz auf, die aktuell bei 16 liegt, wird aber dennoch ab Dienstag – wie gesamt Portugal – als Virusvariantengebiet gelistet. Das ist nur schwer nachzuvollziehen“, sagte Heinen.

„Wichtig sind für die Reisewirtschaft und natürlich auch für die Reisenden klare und leicht verständliche Einreiseregeln und ein maßvoller und zielgerichteter Umgang mit Quarantänemaßnahmen“, sagte Heinen. Sie forderte andere Entscheidungsgrundlagen im Kampf gegen Corona. „Perspektivisch ist es notwendig, nicht nur für die Unternehmen der Reisewirtschaft, sondern für unser gesamtes Wirtschafts- und Gemeinwesen, bei den Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung eine Weiterentwicklung weg von der strengen, ausschließlichen Orientierung an Inzidenzwerte hinzubekommen.“

Lauterbach fordert verschärfte Testpflicht für Urlaubsrückkehrer

Karl Lauterbach (SPD) hat eine verschärfte Testpflicht für Urlaubsrückkehrer gefordert, um in Deutschland eine Ausbreitung der Delta-Variante wie in Portugal und England zu verhindern. „Jeder der aus dem Ausland kommt, muss einen Test vorweisen und nach fünf Tagen nochmal getestet werden“, empfahl Lauterbach gegenüber ntv. „Es wäre eine kluge Regelung, wenn man in den fünf Tagen dazwischen für diejenigen, die aus Risikogebieten kommen, sogar Quarantäne vorsehen würde“, sagte der Gesundheitsexperte weiter.

Wenn man das mache, könne man sehr sicher die Leute aus dem Urlaubsgebieten identifizieren, die positiv sind. Die erstmals in Indien nachgewiesene Delta-Variante des Coronavirus hat sich in den vergangenen Wochen rasant in Großbritannien ausgebreitet. Am Samstag meldeten die britischen Behörden 18.270 Corona-Neuinfektionen.

Im Vergleich zum vergangenen Samstag hat sich die Zahl der Fälle damit fast verdoppelt. Fast 100 Prozent der Neuinfektionen sind laut „Public Health England“ (PHE) auf die ansteckendere Delta-Variante zurückzuführen.

CSU-Generalsekretär sieht keinen „Lockdown-Automatismus“ mehr

Die CSU lehnt nach den Worten von Generalsekretär Markus Blume einen sofortigen neuen Lockdown im Fall einer vierten Corona-Welle ab. „Wenn sich tatsächlich im Herbst erneut eine Infektionswelle aufbauen sollte, gibt es keinen Lockdown-Automatismus mehr“, sagte er dem „Tagesspiegel“. Dank eines umfassenden Impfschutzes und massenhafter Testkapazitäten sollten dann „andere Möglichkeiten“ zur Verfügung stehen.

Blume forderte zugleich den Fußballverband UEFA auf, sein Stadien-Konzept für die Europameisterschaft „noch einmal genau zu prüfen“. Niemandem sei geholfen, Europameister im Inzidenz-Höhenflug zu werden, sagte der CSU-Politiker. Die UEFA müsse Vorbild für Großereignisse sein.

„Dazu gehört auch, die Maskenpflicht in Stadien durchzusetzen“, sagte Blume dem „Tagesspiegel“. Er bekräftigte das Angebot, Spiele vom aktuellen Corona-Hotspot London nach München zu verlegen: „Wir sind in München zu allem bereit.“