Der Segen der Selbstdemontage: Baerbock hat sich zerlegt – und die Grünen

War's das? Baerbock redet und schreibt sich um Kopf und Kragen (Foto:Imago/PoliticalMoments)

Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird: Dass die bleckende politische Unfähigkeit, fachliche Disqualifikation und offenkundige charakterliche Nichteignung der Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock für jegliche Führungsaufgaben (erst recht für die deutsche Kanzlerschaft) dazu ausreichen würde, sie über sich selbst stolpern zu lassen, war im Prinzip zu erwarten – und dafür braucht es gar keine Schmutzkampagne.

Wer seinen eigenen Lebenslauf frisiert, dem ist Schummelei auch auf anderen Ebenen zuzutrauen – und genau das hat sich jetzt abermals bestätigt. Die heutigen Enthüllungen über die Plagiate „ihres“ als Wahlkampf-Sidekick gedachten Bestsellers „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern„, das im renommierten Ullstein-Verlag erschienen ist, passen da wie die Faust aufs Auge: Passagenweise wird da aus anderen Publikationen abgeschrieben, Quellen werden nicht genannt. Verglichen mit der Schamlosigkeit, mit der Baerbock sich hier anderer Autoren geistiges Eigentum aneignet und sich mit fremden Federn schmückt, ist Franziska Giffey ein Waisenkind. Wer sich mit den Details von Baerbocks Plagiaten befassen möchte, dem sei diese ausführliche Dokumentation empfohlen.

Natürlich handelt es sich bei einem Gesinnungsschmöker, der vom Literaturtypus her irgendwo zwischen Propaganda-, Sach- und Märchenbuch einzuordnen ist, um keine Doktorarbeit; hier gelten andere wissenschaftliche Maßstäbe. Doch wer seit zwei Monaten konstant durch Mogeleien, unpräzise Selbstauskünfte, biographische Frisierkünste und überdies noch jeder Menge Stilblüten, Versprechen und groteske Falschbehauptungen aufgefallen ist, von dem wäre zu erwarten gewesen, dass er mehr Akkuratesse walten lässt – vor allem seit Baerbocks Nominierung zur Kanzlerkandidatin.

Mogelpackung Baerbock

Doch nicht nur mit ihren Worten – gesprochen und gedruckt -, sondern vor allem auch Taten stellt Baerbock eifrig ihre gänzliche Inkompetenz unter Beweis – auch und gerade in menschlicher Hinsicht. Ihre hineingrätschende Einmischung in die demokratisch verabschiedete Wahlliste der Saar-Grünen, die letztlich zum Rücktritt des frischgekürten Landes-Co-Chefs Ralph Rouget führte, zeugt von einer beispiellosen Anmaßung und Missachtung regionaler Parteibeschlüsse. Denn Baerbock wollte gerne „eine Frau„, konkret: die scheidende Landesvorsitzende Tina Schöpfer, auf Platz 1 der Landesliste gewählt sehen. Stattdessen entschieden sich die Delegierten beim Parteitag vorvergangene Woche für Hubert Ulrich.

Dieser sieht sich seitdem massiver Erpressung und Stimmungsmache aus den Reihen der Grünen ausgesetzt. Baerbocks Frauen-Lobby macht Front und bezichtigt Ulrich, der seinen Spitzenplatz nicht zur Verfügung stellen will (warum sollte er auch?) als „Ego-Trip„, tatkräftig unterstützt vom Parteigeneralsekretär Michael Kellner, der über das „Debakel“ der Wahl eines Mannes auf Platz 1 stänkert. Und Ex-Parteichefin Simone Peter setzt sich ebenfalls kaltschnäuzig über die Kandidatenliste hinweg und fordert einen „Neuanfang“ für die Saar-Grünen. Ulrich schlägt nun zurück: „Das ist ein Eingriff ins Wahlrecht. Frau Baerbock ist daran beteiligt„, zitiert ihn die „Welt„.

Verheerendes Führungsversagen im Fall der Saarland-Grünen

Nur zur Erinnerung: Der eigentliche Skandal an der ursprünglichen Kandidatenliste war gar nicht, dass mit Hubert Ulrich ein Mann nach oben gewählt wurde, sondern dass auf Listenplatz 2 die Deutsch-Ukrainerin Irina Gaydukova gesetzt wurde (deren peinlicher Auftritt auf dem Parteitag, bei dem sie keine einzige Frage beantworten konnte, nur den Schluss zuließ, dass sie entweder geistig umnachtet sein muss oder vor Publikum in Katatonie verfällt). Angesichts dieses fatalen Signals, wozu die Quote führen kann, erscheint die sexistische und geschlechtsdiskriminierende Kampagne Baerbocks gegen einen Mann an der Spitze umso grotesker.

Anscheinend fühlt sich Baerbock in siegesgewisser Selbstherrlichkeit bereits schon in der Position Merkels, zu deren Parteiführungs- wie auch Amtsausübungsstil bekanntlich die planmäßige Kaltstellung nicht spurender Untergebener und Kritiker und die „Rückgängigmachung“ von „unverzeihlichen“ Wahlergebnissen gehört. Bloß: Merkel hatte 16 Jahre Zeit, sich diese Machtposition zu erarbeiten. Diese Chuzpe muss man sich erst einmal leisten können; um derart mit den eigenen Reihen umspringen zu können, fehlt Baerbock nicht nur taktisches Gespür – sondern auch jede Demut.

Diese Schmalspur-„Völkerrechts-Expertin“ ist keine für die Ochsentour; sie sieht sich selbst als prädestinierte Überfliegerin. Höchste Zeit daher, dass dieser Höhenflug endet. Die Plagiatsaffäre um ihr Buch wird hoffentlich hierfür sorgen. Es sei denn, ihren vieltausendzähligen Wahlkampfhelfern im deutschen Medienbetrieb gelingt es erneut, sie herauszupauken. (DM)