Niedergeschossener Journalist in Amsterdam: Steckt ein marrokanisch-niederländischer Drogenboss dahinter?

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Die Niederlande stehen – wieder einmal – unter Schock. Am Dienstagabend wurde in Amsterdam der Kriminalreporter und „Nationalheld“ Peter R. de Vries niedergeschossen und kämpft seither um sein Leben. Unter Tatverdacht: Der aus Marokko stammende „Niederländer“ und mutmaßliche Drogenbaron Ridouan Taghi.

Der bekannteste Journalist des Landes, der mit fünf Kugeln in Kopf und Leib niedergestreckt wurde, kämpft momentan um sein Leben. Medien vermuten hinter dem Mordanschlag den mutmaßlichen Boss des Drogenrings „Engel des Todes“, der laut Welt derzeit in einem Hochsicherheitsbunker in Amsterdam vor Gericht steht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm das Betreibens einer „gut geölten Mordmaschine“ mit mindestens zehn Opfern vor. Ridouan Taghi war im vergangenen Jahr in einem Versteck in Dubai entdeckt und kurzerhand von den Behörden per Flugzeug in die Niederlande verfrachtet worden. Seither fließt in seinem Umfeld Blut.

Peter R. de Vries berichtet seit Jahrzehnten über Organisierte Kriminalität, ungelöste Mordfälle und Justizirrtümer und beriet zuletzt Nabil Bakkali, den wichtigsten Kronzeugen des Falles, dessen unbeteiligter Bruder Reduan 2018 ermordet worden war. Angst herrscht auch unter den Verteidigern des Kronzeugen, nachdem im September 2019 Bakkalis Anwalt Derk Wiersum vor seiner Haustür in Amsterdam erschossen wurde. Zwei Anwälte haben im laufenden Prozeß aus Angst ihr Mandat niedergelegt, die verbliebenden Anwälte Bakkalis bleiben anonym.

Der 64-jährige de Vries soll laut Polizeikreisen auf Taghis Todesliste gestanden haben. Keine wirkliche Überraschung, denn in den Niederlanden stehen seine Kollegen wie der Kriminalreporter Paul Vugts von der Zeitung „Het Parool“, häufig über lange Zeit unter Polizeischutz, den de Vries immer wieder für sich abgelehnt hatte. Die „neue Generation von Kriminellen, schrecke vor nichts mehr zurück“, hatte Paul Vugts dem niederländischen Parlament 2018 mitgeteilt.

Wer genau hinter dem Mordanschlag steckt, sei noch nicht geklärt, vermeldet die Welt beschwichtigend. Am Dienstabend wurden zwei Verdächtige, von denen die Polizei einen für den Schützen hält, festgenommen, zu denen es bisher keine näheren Angaben gibt. (MS)