Linksdeutsch: Das Kelloggs-Kollegsgefasel im „Tagesspiegel“

Kellogg? Kolleg? Ganz egal. - Foto: Imago

Im „Tagesspiegel“ erschien ein bemerkenswert mißglückter Artikel zur sogenannten „Critical Race Theory“, respektive zur weitverbreiteten Ablehnung derselben. Die „Kritische Rassentheorie“ macht nämlich ohne das Einverständnis ausgesprochener Antirassisten wahre Rassisten aus ihnen, sobald sie nur das Wort „Neger“ verwenden. Das ist leider saudumm und hat deshalb jede Ablehnung verdient. Nur wahrhaben will man das beim „Tagesspiegel“ nicht. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Beim „Tagesspiegel“ scheinen die Nerven seit einiger Zeit blank zu liegen. Nachdem die dortige Redaktion mit empörten Leserzuschriften wegen ihrer Berichterstattung zu #allesdichtmachen regelrecht bombardiert worden zu sein scheint, erschien vor einiger Zeit ein sehr selbstkritischer Artikel zum Thema, dessen Lektüre zu der erfreulichen Mutmaßung führte, beim „Tagesspiegel“ könnte die Erkenntnis gereift sein, daß es nur mit linker Rechthaberei und ganz ohne Selbstreflexion einfach nicht geht. Der Artikel, um den es in dieser Medienkritik geht, kommt einem daher vor wie ein Rückfall bei der Genesung.

Es geht um die „bürgerliche Angst vor Rassismuskritik„. Schon die Schlagzeile ist ein richtiger Schenkelklopfer. „Die Aufklärung muß gegen ihre Verfechter verteidigt werden„, heißt es über dem Gastbeitrag von Floris Biskamp.

Wer ist Floris Biskamp? Der „Tagesspiegel“ gibt Auskunft: „Floris Biskamp ist Soziologe, Politikwissenschaftler und Koordinator des Promotionskollegs rechtspopulistische Sozialpolitik und exkludierende Solidarität an der Universität Tübingen„. Biskamp ist also ein Ebenbürtiger, weil ich promotionskollegialer Bißkoordinator im Camp der exkludierten Cornflakes von Kelloggs an der Universität von Wrschtlpfrmpft bin. Weswegen sich auch kein Besserer finden ließ, um im Rahmen des populären „jouwatch-Leservice“ Biskamps Betrachtungen vom Linksdeutschen ins Hochdeutsche zu übersetzen.

Der promotionskollegiale Koordinator Biskamp, Floris: „Wenn der „Spiegel“, „Bild“ und Boris Palmer innerhalb weniger Tage vor dem Untergang des Abendlandes warnen, muss es wirklich ernst sein – oder man hat mal wieder ein Schreckgespenst gefunden, das man durch die Kommentarspalten jagen kann. Aktuell heißt das Schreckgespenst Critical Race Theory.“ – Übersetzung: „Spiegel“, „Bild“ und Palmer sind hysterische Jäger, die außer einem Schreckgespenst nichts gefunden haben. Der wissenschaftliche Solidaritätsexkludierer weiter über den „Spiegel“ und die „kritische Rassentheorie“: „Diese zählt laut „Spiegel“ zu „den einflussreichsten Denkschulen der letzten Jahrzehnte“ und sei nicht weniger als ein „Angriff auf die Werte des Westens“.“

Was den Angriff auf die Werte des Westens angeht, kann man dem „Spiegel“ zustimmen. Nur das mit der „Denkschule“ haut nicht hin, weil die „kritische Rassentheorie“ mit Denken nichts zu tun hat, mit linken Absichten hingegen alles. Man muß sich immer vergegenwärtigen, daß linke Wissenschaftler eine andere Herangehensweise an das Forschungssubjekt haben, als ganz normale Wissenschaftler. Linke Wissenschaftler halten immer erst ein ideologisches Postulat für traumhaft und suchen danach erst verzweifelt nach einer wissenschaftlichen Rechtfertigung für ihren Traum. Die Findigkeit, die sie dabei entwickeln, führt immer zu einem Meisterstück der Rechtfertigungskunst für den Traum, nie aber zu einer wissenschaftlichen Erkenntnis, die eine solche Bezeichnung verdient hätte. – Aber gut, unterstellen wir des zu erreichenden Umfangs dieser Medienkritik wegen, daß der „Koordinator des Promotionskollegs rechtspopulistische Sozialpolitik und exkludierende Solidarität an der Universität Tübingen“ der tatsächliche Durchblicker sei – sowie, daß sich bei „Spiegel“ und „Bild“ nur jene Törichten tummeln, die bei den Grünen offenbar Palmer heißen sollen.

Floris Biskamp: „Mit dieser alarmistischen Warnung vor den Gefahren, die von dieser Forschungsrichtung angeblich ausgehen, greift man hierzulande eine US-amerikanische Debatte auf. Dort wird die Critical Race Theory von der Rechten im Tonfall der McCarthy-Ära als „Angriff auf Amerika“ dargestellt, was in einigen Bundesstaaten gar zu ihrem Verbot an staatlichen Schulen führte.“ – Wunschdenken in Reinkultur. Niemand greift hier eine Debatte auf. „Man“ will sie sich nur nicht aufs Auge drücken lassen von den linken Aufgriffsinteressierten, weil man von vornherein weiß, was wieder herauskommen soll dabei: Eine weitere Aufspaltung der Gesellschaft in gute Linke und rechte Bösewichter, respektive die Zementierung der Herrschaft eines linksdestruktiven Deppentums mitsamt seinem Tonfall aus der Mao-Ära. Den Tonfall kann man bereits an der „alarmistischen Warnung“ identifizieren, da man als böser Rechter schon vor dem koordinierenden Biskamp wusste, wie sehr die Warnung der Alarmierung dient. Es reicht ja schon, daß Mao heutzutage nicht mal mehr beim Verfassungsschutz zum Verdachtsfall werden würde. Tatsächlich braucht in Deutschland niemand eine „Kritische Rassentheorie“, weil die Diskriminierung von Personen aufgrund ihrer Rasse schon längst verboten ist. Würde man das der ursprünglichen Bedeutung des Wortes „Diskriminierung“ nach ernstnehmen, wäre also sogar die Unterscheidung verboten. Gemeint ist freilich nur die Herabsetzung von Roberto Blanco, der sich seinen Künstlernamen garantiert nicht deswegen ausgedacht hatte, weil es ohnehin keinen Unterschied zu bemerken gäbe. Mit Barry White und der US-Verfassung verhält es sich kein Stück anders. Ein Land, in dem die „Kritische Rassentheorie“ ein Bewußtseinsschlager werden könnte, ist aber zweifellos Südafrika, weil die Schwarzen dort alljährlich viel mehr Neger umbringen, als Weiße, auch wenn sie vorher nicht so kriminell gewesen sind wie George Floyd.

Es ist nicht die „Kritische Rassentheorie“

Deutschland galt früher als Land der Dichter und Denker, weswegen man sich nicht wundern muß, daß die Welt von hier aus seit Jahrhunderten mit Theorien beglückt worden ist, auch wenn die kaum jemanden glücklich gemacht haben außer die Theoretiker selbst. Das ist hier aber gar nicht der Punkt. Floris Biskamp gibt auch alles, um Bedenken gegen die Theorie selbst zu zerstreuen, wiegelt ab, relativiert, gibt hier ein bißchen nach, simuliert dort ein wenig Konzilianz, bleibt aber letztlich dabei, daß es in Deutschland ein Rassismusproblem gebe, das dringend gelöst werden muß. Weil sich viele Deutsche der Tatsache gar nicht bewußt seien, daß sie Rassisten sind. Von ihrem unterbewußten Rassismus müssten sie – pardon: die Welt – kuriert werden. Das heißt, daß er seine Anstellung als „Koordinator des Promotionskollegs rechtspopulistische Sozialpolitik und exkludierende Solidarität an der Universität Tübingen“ unbedingt behalten will. Das ist bei so einem Koordinator nicht anders als bei einer Gleichstellungsbeauftragten. Gott bewahre, daß die Gleichstellungsbeauftragte jemals mit ihrer Arbeit fertig wird. Sie würde ihren eigenen Job überflüssig machen – und daran kann sie nun wirklich nicht interessiert sein. Sie wird also Gleichstellungsbedarf so lange behaupten, bis endlich auch die Hängematte mit dem Wohnzimmersessel gleichgestellt ist. Nicht sicher ist, daß sie danach wirklich nichts mehr entdeckt, das angeblich gleichzustellen ist.

So ärgerlich bereits die Tatsache ist, daß sich die „Koordinatoren“ und Gleichstellungsbeauftragten zu einem mehr oder minder großen Teil von Steuergeldern ernähren, so brandgefährlich ist die Entschlossenheit, mit der sie ihre eigene Daseinsberechtigung behaupten wollen. Biskamp ist ein Totalitarist der allerübelsten Sorte, wie sich in seinen Zitaten gleich zeigen wird.

Tieferliegende rassistische Strukturen müssen politisch verändert werden„, schreibt er. Dem wohnt ein fataler Automatismus inne. Je tiefer die veränderungswürdigen Strukturen nämlich liegen, von desto weniger Leute können sie auch erkannt werden. Je weniger Leute die tieferliegenden Strukturen erkennen können, desto exclusiver wird das „Wissen“ des soziologischen Koordinators – und umso größer wird auch die Herkulesaufgabe, die er noch vor sich liegen hat. Jedenfalls kann er das behaupten. Je tiefer die Struktur, desto wichtiger der Soziologe und Koordinator selbst. Überhaupt die Struktur: Hat ein Linker irgendwo eine Struktur identifiziert, dann will er sie auch gleich verändern. Ein Schwarzer, der sich in Deutschland nicht persönlich benachteiligt vorkommt, kann für den Linken so nicht bleiben. Der Linke erklärt ihm: „Daß Sie sich nicht benachteiligt vorkommen, Herr Schwarzer, heißt gar nichts. Sie sind strukturell so benachteiligt wie die armen Frauen allesamt. Das ist Ihnen lediglich nicht bewußt, weil die Struktur so tief liegt, daß Sie als Koch gottfroh darüber sein müssen, daß es mich, den Koordinatoren und Soziologen gibt, der für Sie erkennt, was Sie selbst vor lauter Knoblauch nicht sehen können.“ Die „strukturelle Benachteiligung“ ist für den Berufslinken der Hauptsache nach etwa das, was für den Gläubigen jemand ist, der übers Wasser laufen kann, nämlich begeisternd im Sinne von „begeistigend“. Der Linke ist ein richtiger Fan der „strukturellen Benachteiligung“. Strukturen zu verändern ist des Linken Lebenselixier. Da nimmt er gern in Kauf, zum Paternalisten zu werden, der seine ach-so-mündigen Mitmenschen bevormundet, obwohl es ihm ja eigentlich um die Befreiung der „die Menschen“ von „überkommenen Zwängen“ geht. Der wahre Linke denkt an sich selbst zuerst. So wie Floris Biskamp im „Tagesspiegel“.

Biskamp: „Es genügt auch nicht, wenn Rechtsnormen aufhören, offen zu diskriminieren, vielmehr müssen auch tieferliegende rassistische Strukturen politisch verändert werden. Auch für die Einzelnen reiche es nicht aus, sich vorzumachen, sie gingen „farbenblind“ durch die Welt; vielmehr müssten sie anerkennen, dass „Farbe“ relevant ist, und sich kritisch dazu verhalten.“ – Mache ich, Herr Biskamp. Und nicht nur ich. Bekannte von mir leben in den USA und sind kürzlich aus Alabama in einen anderen Bundesstaat umgezogen. Der Grund: Den Schwarzen in Alabama ist die „kritische Rassentheorie“ derartig zu Kopf gestiegen, daß sie die Relevanz der Hautfarbe meiner weißen Bekannten erkannt hatten. Meine Bekannten sagten, sie seien in der letzten Zeit froh darüber gewesen, wenn sie von einer Einkaufstour an Leib und Leben unversehrt wieder nach Hause gekommen sind, so beängstigend relevant sei ihre Hautfarbe geworden. Die „kritische Rassentheorie“ sei nichts anderes als eine linke Aufstachelung zu Hass und Gewalt gegen antirassistische Weiße, sagen sie. Als sie sich vor vielen Jahren in Alabama ansiedelten, sei es kein Punkt in ihren Erwägungen gewesen, daß es dort viele Schwarze gibt. Dank der „kritischen Rassentheorie“ sei aber genau das der springende Punkt in ihren Erwägungen eines Umzugs geworden. Inzwischen leben sie in Texas. Bewaffnet sind sie auch – und nicht, um sich gegen Menschen einer bestimmten Hautfarbe zu verteidigen, sondern gegen Menschen einer bestimmten weltanschaulichen Ausrichtung.

Als nächstes hackt Biskamp auf René Pfister herum, der die „Kritische Rassentheorie“ im „Spiegel“ als einen Angriff auf die zentralen Werte des Westens bezeichnet hatte. Wo er die noch außerhalb des Archivs erkannt haben will, bleibt Pfisters Geheimnis, aber sei´s drum. Biskamp kritisiert Pfisters Übersetzung des englischen „to question“ als „Infragestellen“ und meint, Pfister hätte das, wenn er nicht so böswillig wäre, durchaus auch mit „befragen“ oder „prüfen“ übersetzen können. Das ist formal richtig, sachlich aber falsch, da „to question“ im amerikanischen Sprachgebrauch tatsächlich exclusiv im Sinne von „Infragestellen“ verwendet wird. Biskamp: „Selbst wenn man der schärferen Übersetzung folgt, ist (…) zu betonen, dass ein „Infragestellen“ noch kein „Angriff“ ist, sondern erst einmal rationale Kritik. Drittens sollten sich die „Werte des Westens“, deren Verteidigung Pfister so am Herzen zu liegen scheint, gerade durch ihre Offenheit für Infragestellung und Kritik auszeichnen.“ – Biskamp reklamiert also die Ratio für sich. Womit wir bei des Pudels Kern angelangt wären. Voraussetzung für Biskamps Ratio sind nämlich nicht „die Werte des Westens“, sondern ein einziger, aus der Aufklärung resultierender Wert des Westens, der weder von Pfister noch von Biskamp kritisiert oder infrage gestellt wird: Die Gleichheit.

Gleichheit

Gleichheit ist nichts weiter als ein Wunsch, ein Postulat, und hängt realiter im luftleeren Raum. Es gibt keine Gleichheit, es sei denn in ihrer Erscheinungsform als Forderung, Wunschäußerung oder Idealvorstellung. Die Forderung, den Unterschied leben zu lassen, ist sehr viel realistischer als die nach der Herstellung von Gleichheit. Den Unterschied gibt es nämlich tatsächlich, die Gleichheit hingegen nur als Idee. Was Biskamp dem Leser des „Tagesspiegel“ als „rationale Kritik“ unterjubeln will, ist völlig irrational, weil sie Idee mit Realität verwechselt. Diese Verwechslung wiederum ist auch der Urgrund für die Existenz Biskamps als „Soziologe, Politikwissenschaftler und Koordinator des Promotionskollegs rechtspopulistische Sozialpolitik und exkludierende Solidarität an der Universität Tübingen“. Überhaupt ist diese Verwechslung der Urgrund für die Existenz von Linken. Die Traumtänzerei der Linken selbst ist allerdings so sehr Realität geworden, daß sie inzwischen quasi als natürlicher Bestandteil des Lebens aller „die Menschen“ begriffen wird, als feststehende Unabänderlichkeit. Eigentlich fast schon als ein „C´est la vie“.

Wenn Biskamp also behauptet, die Werte der Aufklärung müssten gegen ihre Verfechter verteidigt werden, heißt das, daß das Irrationale gegen die Realisten verteidigt werden soll. „Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit“ als Slogan der Aufständischen während der französischen Revolution ist wenigstens zu einem Drittel realitätsfremd. Über Freiheit läßt sich noch diskutieren, Brüderlichkeit wäre kein Ding der Unmöglichkeit, wenn das unerklärliche „Hineingeworfensein allen Lebens in die Welt“ uneitel als statische Konstante des Seins begriffen werden würde, die nicht mehr nach Gleichheit fragen muß, um auch so zur vielbeschworenen Solidarität mit allem Lebenden zu führen. Die Gleichheitsforderung hingegen ist im Grunde ein Vergewaltigungaufruf am Leben selbst. Die „Kritische Rassentheorie“ ist Bestandteil eines solchen Aufrufs. Da gibt es nichts mehr zu diskutieren. Der Diskussionsbedarf, den es im Jahr 2021 noch gibt, hätte um die Frage zu kreisen, wie man endlich das linke Gleichheitsgefasel wieder aus der Welt bringt, das inzwischen Generationen die Freude am Leben zu ihrer jeweiligen Zeit vergällt hat – und die Leichen der „Ermordeten für eine bessere Welt“ zu einem Gebirge stapelte.

Es gilt nicht, die „Kritische Rassentheorie“ zu diskutieren, sondern sich darum zu kümmern, daß sie zusammen mit dem ganzen anderen „Vorwärts-in-eine-bessere-Zukunft“- Gelaber endlich verschwindet. Sie schafft nichts als Hader und Zwietracht. Sie sät Hass. Biskamp in die Produktion. Hoch lebe hingegen die wissenschaftliche Erforschung der Bißfestigkeit exkludierter Cornflakes von Kelloggs im rechtspopulistischen Fressalienkolleg.