Chaos in Südafrika: Die Prophezeiung der „Rassisten“

Südafrikanischer Winter: Johannesburg am 12.07.2021- Foto: Imago

In Südafrika ist das Chaos ausgebrochen. Nachdem sich der ehemalige Präsident Jacob Zuma kurz vor Ablauf eines Ultimatums der Justiz stellte, um zunächst eine Haftstrafe wegen vorausgegangener Mißachtung der Justiz anzutreten, brach los, womit Zuma selbst vorher bereits gedroht hatte. Seine Anhänger begannen in der Hafenstadt Durban mit Plünderungen und Brandstiftungen. Inzwischen verteidigen Bürgerwehren ihre Gemeinden im ganzen Land. Der Polizei ist vielerorts bereits die Munition ausgegangen. Die Aufstände haben sich inzwischen bis nach Johannesburg ausgebreitet. Es gibt Leute, die das alles bereits vor einem Vierteljahrhundert prophezeit hatten.

von Max Erdinger

Daß es bei den Aufständen bisher nur etwa 100 Tote gegeben hat, wie die internationale Presse mehr oder weniger übereinstimmend berichtet, überrascht. Nicht wegen der Zahl, sondern deswegen, weil es überhaupt berichtet wird. In Südafrika war seit dem Ende der Apartheid vor gut einem Vierteljahrhundert eine Explosion der Gewaltkriminalität zu beobachten, die ihresgleichen sucht, ohne daß das jemals ein größeres Thema im westlichen Medien-Mainstream gewesen wäre. In Südafrika werden der grassierenden Gewalt wegen alljährlich bis zu 25.000 Menschen zu Mordopfern, darunter überproportional häufig zu ihrem Bevölkerungsanteil Weiße. Eine Vergleichszahl aus dem Jahr 1967 sorgt für Bestürzung. Unter der Herrschaft weißer „Rassisten“ gab es in jenem Jahr gerade einmal 150 Morde landesweit. Ein Land, in dem die Zahl der alljährlichen Mordopfer derartig explodiert, bezeichnet man im kulturmarxistisch degenerierten Westen als „Rainbow Nation“ (Regenbogennation).

Coetzee und „The Kiffness“

Der südafrikanische Literatur-Nobelpreisträger John Maxwell Coetzee (*1940) schuf mit seinem Roman „Schande“ einen Weltbestseller, der in Deutschland den Wenigstens bekannt sein dürfte. Im Jahr 1999 ist er erschienen. Durchzogen ist das Buch von einer derartig trostlosen Hoffnungslosigkeit, daß sich etliche Rezensenten an Franz Kafka erinnert fühlten. Das Bild von der „Rainbow Nation“ wäre nach Lektüre von „Schande“ nicht länger mehr aufrecht zu erhalten. Südafrika ist zu einem einzigen Albtraum geworden.

Aktuell befindet sich ein Liebling der globalen Youtube-Fangemeinde in Lebensgefahr. Es handelt sich um einen jungen und weißen Südafrikaner mit dem Künstlernamen „The Kiffness“, der mit seinem überaus originellen Ohrwurm „Alugalug Cat“ rund um den Globus Millionen von Fans gefunden hat. Mehr noch: Musiker auf der ganzen Welt schalteten sich zu. Inzwischen gibt es „Alugalug Cat“ sogar in einer symphonischen Version mit Musikern aus aller Welt. Das ist aber nicht das Lied, dessentwegen „The Kiffness“ Morddrohungen erhält. Es geht um dieses hier: „White Privilege„. In den sozialen Netzwerken Südafrikas ruft ein Schwarzer in Armee-Uniform inzwischen dazu auf, „The Kiffness“ zu finden und ihm die Haut bei lebendigem Leib abzuziehen. Die zentrale Aussage von „The Kiffness“ in diesem Video: „Being white is the 21st century crime“ (Weiß zu sein ist das Verbrechen des 21sten Jahrhunderts).

Genau hingesehen

Das hat durchaus mit dem gegenwärtigen Gewaltausbruch in Südafrika zu tun, auch wenn man es als durchschnittlich informierter Mitteleuropäer nicht sofort erkennt. In den westlichen Medien wurde die Rassentrennung in Südafrika immer dargestellt als die Unterdrückung „der Schwarzen“ durch „die Weißen“, was auf den ersten Blick zugegebenermaßen auch so ausgesehen hat. Die Sache war aber komplizierter. „Die Schwarzen“ in Südafrika sind nie eine homogene Masse gewesen. Sie bestehen aus mindestens 18 größeren Stämmen, die sich seit jeher untereinander spinnefeind sind. Selbst unter den „die Weißen“ gab es bis zum Ende der Apartheid Unterschiede. Die Buren als Nachkommen jener Niederländer um Jan van Riebeeck, die Kapstadt als erste Siedlung im heutigen Südafrika gegründet hatten, sprechen „Afrikaans“, sozusagen eine südafrikanische Entwicklung des Niederländischen, während die später in den Burenkriegen siegreichen Engländer beim Englischen geblieben sind. Zwischen englischstämmigen und niederländischen Südafrikanern gab es zudem erhebliche Mentalitätsunterschiede, die man simplifiziert als den Unterschied zwischen „Liberalen“ (englisch) und „Konservativen“ (burisch) beschreiben könnte. Außerdem gab es noch die zahlreich eingewanderten Inder, die zu Apartheidszeiten eine Art Zwischenstatus innehatten. Sie galten weder als weiß noch als schwarz, hatten weder den vollen Umfang weißer Privilegien für sich, noch den vollen Umfang der rassenpolitischen Auflagen für Schwarze gegen sich.

Was bei der Beurteilung der Apartheid in Südafrika durch die „Humanitaristen“ des Westens mitsamt ihrer Ablehnung „rassistischer Konzepte“ immer unter den Tisch gefallen ist, war, daß „die Weißen“ in Südafrika nicht nur boshafte und ausbeuterische „Unterdrücker der Schwarzen“ gewesen sind, sondern eben auch eine Ordnungsmacht, die mit harter Hand dafür sorgte, daß sich die schwarzen Stämme nicht untereinander an die Gurgel gingen. Das ist es nämlich, worum es gegenwärtig in Südafrika geht: Um einen Stammeskrieg unter Schwarzen. Das einzige, was diese Stämme tatsächlich eint, ist ihr gemeinsamer Haß auf Weiße. Daher auch der Song von „The Kiffness“, in dem er sich über „White Privilege“ in Südafrika mokiert. Wer wollte, hätte vor über 25 Jahren bereits wissen können, daß das Ende der Apartheid nicht zugleich auch das Ende von Rassismus in Südafrika bedeuten wird, sondern daß das Apartheidsende lediglich zu einem umgekehrten Rassismus führen würde einerseits – und zu einem Aufflammen von „Stammeskriegen“ andererseits.

Gräßliche Bilanz

Da läßt sich durchaus eine Rechnung aufmachen. Unterstellt, daß die Durchschnittszahl der jährlichen Mordopfer in Südafrika ungeachtet ihrer Hautfarbe seit nunmehr 26 Jahren bei 20.000 liegt, und daß es zu Apartheidszeiten vielleicht 1.000 gewesen sind, ergibt sich seit einem guten Vierteljahrhundert ein „politisch korrekter Überschuß“ von 19.000 Mordopfern pro Jahr. Wir reden hier also von grob geschätzt einer halben Million Mordopfern, die indirekt einer Abschaffung der Apartheid geschuldet wären. Die wiederum wurde hauptsächlich wegen des internationalen Drucks auf Südafrika beendet. Wie sagt da der kulturmarxistisch degenerierte Antirassist und Menschenfreund aus dem fernen Europa in seinem neunmalklugen Klassenkämpferbewußtsein aus dem Bauchnabel heraus? – So sagt er: „Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen“. Und der Regenbogen bleibt sein Lieblingsbogen so lange, bis er nach Katar zur Fußballweltmeisterschaft fliegt. Daß es Kulturmarxisten eines Tages schaffen würden, den Vernuftbegabten dahin zu bringen, daß er selbst auf den Regenbogen noch am liebsten pissen würde, hätte sich vor 25 Jahren auch noch niemand vorstellen können.

Jacob Zuma

Der ehemalige Präsident von Südafrika (2009 – 2018) ist Zulu. Der heutige Präsident, Cyril Ramaphosa, entstammt der Volksgruppe der Venda. Ramaphosa ist zu Zumas Zeiten Vizepräsident gewesen. Im Gegensatz zu Jacob Zuma verfügt Ramaphosa über eine offizielle Schulbildung und schrieb sich im Jahr 1972 sogar für ein Studium der Rechtswissenschaften an der schwarzen „University of the North“ ein. Er gilt heute als der zwölftreichste Südafrikaner. Sein Vermögen wird auf 450 Mio. US-Dollar geschätzt. Bislang gilt noch, daß Ramaphosa seinen Reichtum als Unternehmer zusammengetragen hat. Jacob Zumas Reichtum hingegen wurde anerkanntermaßen über ein kleptokratisches System der politischen Macht generiert. So gesehen ist Zuma genau das, was man sich im allgemeinen unter einem afrikanischen Potentaten vorstellt. Profitiert hat während seiner Präsidentschaft außer ihm selbst und seiner engeren Umgebung vor allem der Volksstamm der Zulu, Zumas eigener Volksstamm. Die gegenwärtigen Gewaltausbrüche im ganzen Land gehen von Zulus aus, die unter Ramaphosa um den Verlust jener Privilegien bangen, die ihnen unter Zuma zugeschustert worden waren. Daß ihr Stammesbruder als Ex-Präsident nun auch noch zum Häftling wird, verletzt sie obendrein auch in ihrem Stammesstolz. Zumas Inhaftierung kommt ihnen vor wie die landesweite Verächtlichmachung ihres gesamten Stammes.

Noch zu Zumas Amtszeit gab es internationalen Spott angesichts einer gewissen Pfiffigkeit, mit der er sein ostentatives Luxusleben inmitten von Ferraris, Lamborghinis und Swimming-Pools rechtfertigte. Als er beispielsweise wegen eines generösen Schwimmbeckens auf seinem luxuriösen Anwesen in der Kritik stand, das er sich rechtswidrig vom südafrikanischen Steuerzahler hatte spendieren lassen, deklarierte er den Pool einfach zum Feuerlöschteich. Ein solcher wäre auf dem Anwesen des Präsidenten tatsächlich vom Steuerzahler zu finanzieren gewesen. Jacob Zuma hatte nie Schwierigkeiten, große Summen zu veruntreuen und auch auszugeben, aber große Schwierigkeiten, große Zahlen von einem Blatt abzulesen. Legendär wurde sein verzweifelter Kampf gehen die große Zahl in einer öffentlichen Rede, als es um die Zahl der Parteimitglieder seines regierenden ANC ging.

Parallelen

Wenn man sich also überlegt, daß die Gewaltausbrüche, die derzeit Südafrika erschüttern, ihre Ursache in der Verhaftung eines korrupten und ungebildeten Ex-Präsidenten haben, befeuert von einem ausgesprochenen Stammesdenken, dann fallen einem gewisse, unheilversprechende Parallelen zur Präferenzensetzung deutscher Kulturmarxisten auf. Auch hierzulande spielen merkwürdige Qualifikationskriterien eine Rolle. Bei den Grünen gilt z.B. das Geschlecht als qualifizierendes Merkmal, in der Werbung qualifiziert man sich über eine nichtweiße Hautfarbe zum Reklameschauspieler. Von der Politik über die Medien und die Fußball-Europameisterschaft, über Black Lives Matter bis zur Berichterstattung über Südafrika gilt: Ein gnadenlos bigotter Kulturmarxismus deformiert die öffentliche Meinung und generiert eine bislang für unmöglich gehaltene „Allgemeindummheit“, die bei Vernunftbegabten nur noch für Verzweiflung sorgt. Was dem Südafrikaner sein „Typ Zuma“ -, das ist dem Deutschen sein „Typ Nüßlein“ oder eben die „Canceler:kandidatin“ vom grünen „Stamm der Frauen“. Lediglich der Bürgerkrieg fehlt noch.