Delta-Variante: „Hatschi!“ – „Gesundheit!“

Todkrank? (Foto: Von Tattoboo/Shutterstock)

Die Corona-Delta-Variante ist nicht schlimmer. Taugen die PCR-Inzidenzen als Indiz für die Gefährlichkeit? Womit werden künftig Säue durch unser Dorf getrieben?

Von Albrecht Künstle

Um es vorauszuschicken: Ich verstehe nicht viel von medizinischen Dingen, erst recht nicht von Seuchen, Epidemien oder Pandemien. Umso mehr von Zahlen und deren Aussagekraft oder Relativität, weil Statistik zu meiner Ausbildung gehörte. Aktuell wird darüber diskutiert, ob die täglichen Inzidenzzahlen durch andere Kennziffern ergänzt oder abgelöst werden sollten. Vielleicht deshalb, weil inzwischen Zahlenfreaks wie ich aufzeigen, dass auch Inzidenzen von 35 keine Katastrophe wären.

Was bedeutet die gestiegene Inzidenz auf 7,1 (am 14.07.2021)? Zuerst einmal, dass in den letzten sieben Tagen je 100 000 Einwohner pro Tag eine Person PCR-positiv getestet wurde. Für eine Kleinstadt wie meine mit 11 000 Einwohnern ist das eine Neuntel Person pro Tag. Oder anders herum: Jeden neunten Tag würde eine Person beim PCR-Test als positiv entdeckt. Und diese läuft dann nicht auf der Straße herum und könnte andere infizieren, sondern muss daheimbleiben, bis sie nach zwei, drei Wochen als genesen gilt.

PCR-positiv gilt nicht immer als ansteckend infektiös, sagen die Fachleute. Eine Studie ergab, dass die Test-Labore die meisten PCR-Analyse-Durchgänge mit mehr als 25 „Schleudergängen“ (= ct-Wert) vornehmen, um überhaupt nennenswerte Resultate zu erzielen. Teilweise bis doppelt so viele, aber den auftraggebenden Gesundheitsämtern ist das egal. Was über den ct-Wert von 25 hinausgeht, ist aber nicht mehr aussagekräftig, also wertlos. Denn damit kann man alles nachweisen, gab der PCR-Test-Erfinder zu bedenken, was sogar das RKI zugibt. In einer Studie waren nur 41 Prozent aussagekräftige Test-Auswertungen mit ct=<26, die ernst zu nehmen sind. Die mit 41 Prozent bereinigte Inzidenzzahl läge also bei rund drei, nicht bei 7,1 in der Woche.

Auch von diesen drei realen Corona-Fällen zeigen nicht alle Symptome und könnten andere anstecken, sondern nur ca. 2/3 also zwei. Bestätigt wird diese These mit den derzeitigen Trefferquoten der Teste. Von den jetzt nur noch 100 000 Tests am Tag (vor zehn Wochen waren es doppelt so viele) sind nur noch 0,8 Prozent der Tests „positiv“, bereinigt 0,25 Prozent.

Übrigens wurden seit Beginn der Epidemie 65 Mio. PCR-Tests vorgenommen. Das ist die Größenordnung, die den Vertretern der Impfoffensive (klingt nach Krieg) vorschwebt, um eine „Herdenimmunität“ (wer sind die Oberschäfer der Herde?) zu erzielen. Anfangs meinte die „Chefvirologin“ Merkel, diese Herdenimmunität werde bei 70 Prozent Geimpften erreicht. Inzwischen werden 85 Prozent gehandelt – wer bietet noch mehr? Natürlich Frau Merkel, denn sie sagte, das Virus sei erst besiegt, wenn die ganze Menschheit durchgeimpft sei.

Eine weitere Kennziffer sind die „noch nicht Genesenen“, die latenten Corona-Fälle. Eine Woche lang waren das bundesweit um die 10 000, jetzt sind es wieder 11 600. Setzt man diese ins Verhältnis zur Gesamtbevölkerung Deutschlands, sind das 0,14 Promille. So wenig wie ein solcher Alkoholspiegel ein Problem ist, so wenig dürfte das bei Corona der Fall sein. Diese 0,14 Promille beruhen aber auf den 59 Prozent Tests mit zu vielen nicht aussagekräftigen ct-Werten und zusätzlich mit einem Drittel „positiven“, die nicht als infektiös einzustufen sind. Bereinigt sind es 0,04 Promille.

Im Gesamtergebnis gelten somit aktuell 0,04 Promille der Einwohner als corona-infektiös. Bei einer Stadt mit 100 000 Einwohner sind das vier Städter/innen, bei 25 000 Einwohner eine/r. Diese braucht man nicht mit der Lupe suchen, denn sie wissen davon und bleiben zu Hause bis sie wieder clean sind. Man begegnet ihnen nicht auf der Straße oder sonst wo. Trotzdem kann der unwahrscheinliche Fall eintreten und jemand könnte unwissentlich neu infiziert sein und andere anstecken.

Wenn die offizielle Inzidenz wieder auf 35 oder 70 steigt? Auch dann wäre das kein Grund für einen erneuten Lockdown. Bei 70 wären es einfach überschlagen zehnmal so viele wie oben berechnet. In meinem 11 000-Einwohner-Städtchen gäbe es dann 0,4 Promille Ernstfälle statt 0,04. Das wären 4-5 Einwohner. Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung bleibt so gering, wie die Gefahr, wenn ich mit dem Fahrrad eine Runde drehe. Außerdem: Wir haben hier sieben Ärzte, die an den über 700 000 täglichen Verspritzungen (dieser abwertende Begriff ist offizieller Sprachgebrauch) beteiligt sind. Das sind hier 100 am Tag. Bei dieser Spritzorgie ist mehr los als im noch halb geschlossenen Schwimmbad am Kinderbecken. Wenn die Corona-Fälle jetzt wieder zunehmen muss man sich fragen, was in den Spritzen eigentlich drin ist.

Aber die neue Delta-Variante werfe alles über den Haufen, heißt es nun. Nun könnte man als Jurist den „Beweis des ersten Anscheins“ bemühen und dagegenhalten, dass auch die bisherigen Prophezeiungen über Mutationen falsch waren. Als Halbjurist und Zahlenmensch sage ich, „ein Blick in die Statistiken erleichtert die Wahrheitsfindung“. Was richtet diese Delta-Variante aus Indien im Ursprungsland für einen Schaden an?

Diesen Juli starben in Indien alle zwei Tage ein Corona-Patient pro 100 000 Inder. Das sind zwar rund doppelt so viele als bei uns. Aber im Januar waren es in Deutschland durchschnittlich sieben pro 100 000 und Tag – ohne Delta-Variante. OK, mögen jetzt welche einwenden, die Inder seien gegen ihr indisches Virus bereits resistent. Aber aus „schaut nach England, was dort los ist“ mache ich:

In Großbritannien stirbt derzeit trotz der Delta-Variante alle vier Tage „nur“ ein Corona-Patient pro 100 000 Engländer/innen, so wenig wie bei uns in Deutschland. Also auch das ein Fehlalarm, wie Tichyseinblick.de recherchierte: Obwohl dort 98 Prozent der Neuinfektionen auf das Konto von Delta gehen und die Inzidenz bei 322 (!) liegt, starben am Samstag „nur“ 29 von den 60 Mio. Einwohnern. „Den Daten von Public Health England zufolge ist die Delta-Variante nicht einmal 20 Prozent so tödlich wie die Vorgängervarianten“.

Die Sterberate in Südamerika ist eher besorgniserregend, wo die Gamma-Variante aus Brasilien wütet, z.B. in Peru. Auch in einigen afrikanischen Ländern und Indonesien. Aber dort handelt es sich meines Wissens nicht um die Delta-Variante.

Gefährlich scheint die Eta-Variante aus Angola zu werden, behauptet „Technical Briefings“. In den mir zugänglichen Statistiken hat sich das aber in Angola selbst noch nicht niedergeschlagen. Doch das Alphabet gibt unseren Apokalyptikern noch einiges her. Jesus gab den Aposteln auf den Weg, „Nicht an ihren Worten, an ihren Taten sollt ihr sie erkennen“ und messen. Ich modifiziere das heute so: Nicht ihren Worten sollt ihr den Corona-Apokalyptikern glauben, sondern sie anhand der Zahlen überprüfen – was hiermit geschehen ist. Ich kann diesen UnLauterbach nicht mehr hören, und es gibt leider viele von seiner Sorte.