141 Tote bei Flutkatastrophe: Witzkanone Laschet amüsiert sich prächtig

"Da lachet der Laschet": Armin Laschet, NRW-MP (Foto:Imago/Wölk)

Die „rheinische Frohnatur“ hat wieder mal ins Klo gegriffen: Irgendetwas fand CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet heute Mittag beim Besuch im Rhein-Erft-Kreiswährend der Ansprache von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wohl so irre komisch, dass er sich vor laufender Kamera im Hintergrund feixend und glucksend prächtig amüsierte – während die Rede von zerstörten Dörfern und tot geborgenen Opfern war. Nun werden überfällige Zweifel an charakterlicher und politischer Eignung für das Kanzleramt sowie am Format Laschets laut – nicht bloß beim politischen Gegner.

Eines ist im politischen Tagesgeschäft so grundlegend wie das kleine Einmaleins: Nichts ist so wichtig wie die Außenwirkung und die Symbolik des Moments. Eine falsche Geste im falschen Augenblick kann mehr Reputation kosten als hundert Fehlentscheidungen oder Wortbrüche. Ein falsches Bild kann die Karriere kosten. Vor allem wenn etwas die Menschen so schockiert und bewegt wie die Flutkatastrophe im Westen, versteht niemand Spaß.

Und genau deshalb könnte sich die verfängliche Momentaufnahme Laschets weitaus verheerender für seine Kanzlerkandidatur auswirken als alle Plagiate, biographischen Unregelmäßigkeiten und Hochstapeleien seiner Grünen-Rivalin Annalena Baerbock. Einen ähnlichen „Fauxpas“ hatte sich auch die heutige SPD-Wehrbeauftragte Eva Högl einst geleistet, als sich sich im August 2017, bei einer Traueransprache ihres Parteikollegen Martin Schuld zum damaligen Terroranschlag in Spanien, feixend und albern winkend im Hintergrund ablichten ließ. Doch eine Hinterbänklerin ist eben kein Kanzlerkandidat. Politik ist eine irrationale Branche, hier geht es stets mehr um Emotionen und Stimmungen als um Ratio und Logik – und diese können schneller umschwingen als eine Salontür.

Selten so gelacht? Leider nein

Laschets Gelächter ist Wasser auf die Mühlen derer, die in ihm ohnehin seit jeher eine formatlose Witzfigur gesehen haben. Dass ihm die notwendige Seriosität und Ernsthaftigkeit für höchste Ämter abgeht, war schon einmal Thema in NRW: Als in Köln mitten im Karneval 2018 ein 32-jähriger Polizist am Bahnsteig zwischen zwei S-Bahn-Waggons geschubst worden und dabei ums Leben gekommen war, eilte Laschet gemeinsam mit Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker zum Tatort – beide im Kostüm der Kölner „EhrenGarde“ vom Rosenmontagsumzug, um eine Trauerminute abzuhalten.

Eine völlig deplatzierte Pietät- und Geschmacklosigkeit sondersgleichen, an der der Landesvater damals jedoch nichts zu finden schien:

So wurde im Februar 2018 über den Fall berichtet (Screenshot:msn/Spiegel)

Und jetzt, inmitten der schlimmsten Flutkatastrophe seit fast 50 Jahren, benimmt sich der frohgesinnte „Pausenclown“ der deutschen Politik einmal mehr daneben. Natürlich hat sich Laschet nicht über die Opfer lustig gemacht; das wird ihm auch keiner ernsthaft unterstellen; aus seinem Umfeld heißt es, er habe die Rede Steinmeiers gar nicht gehört. Das allerdings ist kein Argument; denn dass der Bundespräsident vor den versammelten Rettungskräften und Lokalpolitikern keine Herrenwitze erzählte, dürfte ihm klargewesen sein.

Was hier in Rede steht, ist nicht mehr und nicht weniger als die Frage nach der Selbstbeherrschung, nach Sensibilität und Gespür für die Umstände. Und diese Eigenschaften scheinen Laschet leider deutlich mehr abzugehen als seinem unionsinternen Herausforderer (und Runner-Up) Markus Söder. Der entblödet sich zwar ebenfalls nicht, für Klamaukauftritte herzuhalten – dann aber eher durch alberne Regenbogenauftrite im Stadion oder durch Maskenpropaganda auf der Zugspitze. Bei ernsten Anlässen bewahrte „Södolf“ immerhin professionelle Contenance. (DM)